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Biien: Der gelbäugige Hurensohn. Von Guido Neukamm

Biien der Schatten, der talentierte Dieb und talentlose Flötenspieler von Guido Neukamm, blickt bereits auf eine lange Veröffentlichungsgeschichte zurück. Lest in Guido Neukamms (www.comicdesign.de) Kolumne "Biien: Der gelbäugige Hurensohn" die spannende Entstehungsgeschichte seiner sagenhaften Fantasy-Welt!

  biien_kolumne

Historisches:

1992 schickte ich auf Anraten meines Kumpels Winfried Volkmann, der im Berliner Raum als Spezialist in Sachen Sci-Fi, Fantasy Modelbau und Zinnfiguren bekannt ist, ein Comic an Ewald Fehlau, den Redakteur von BASTEI's Gespenstergeschichten. Die Story war Ewald zu extrem, aber der Stil gefiel ihm, so dass ich die ersten Aufträge erhielt.

Die Arbeitsbedingungen sahen folgendermaßen aus: Fünf bis sieben Seiten in Schwarzweiß auf A3 Format nach fremden Skript - meistens Uwe Helmut Grawe oder Peter Menningen. Die Texte stammten von Hajo F. Breuer, Farbe von einem Studio irgendwo im ehemaligen Jugoslawien. Die Bezahlung war okay, und nach einigen Nachbesserungen und Worten der Kritik (die junge Zeichner meist nur ungern hören) erschienen meine ersten Gespenstergeschichten kurz nach dem Comicsalon in Erlangen:

  • Gespenstergeschichten 944:
    Das Ding aus dem Moor(inzwischen neu aufgelegt)

  • Gespenstergeschichten 947:
    Die Geister vom Gräberfeld(inzwischen neu aufgelegt)

  • Gespenstergeschichten 951:
    Ein Opfer für den Galgen

Nach diesen drei Comics fragte ich schließlich vorsichtig an, ob ich auch mal nach eigenem Skript arbeiten könnte. So entstand die erste Geschichte mit dem fiesen Zauberer Zeth (siehe unten), die sehr gut bei Ewald ankam. In diesem Stil wollte er noch mehr sehen.

1993 entstand dann die Serie "Biien der Schatten". Ursprünglich hatte man an eine klassische "Quest-Story" im ebenso klassischen Fantasy-Ambiente gedacht, aber zusammen mit meinem Co-Autor Winfried Volkmann konnte ich ein meiner Ansicht nach ungewöhnlicheres und auch zeitgemäßeres Setting durchsetzen: Der Plot orientiert sich mehr an Motiven von Michael Moorcoock und Jack Vance als an J.R.R. Tolkien und Robert E. Howard. Das Design der Figuren atmet sowohl Cyber-Punk- und Manga-Atmosphäre als auch Tim Burton'sche Skurrilität. Tatsächlich wollte ich Sachen zeichnen, die ich selber auch wirklich gruselig finde. Das Setting lässt sehr unterschiedliche Geschichten zu: Die meisten klassischen Fantasy-Elemente sind möglich, aber auch Motive aus Mantel- und Degen-Filmen, Spaghetti-Western, Sci-Fi, Cyberpunk, Horror und Mystery finden Verwendung.

Stilistisch beschloss ich, ein wenig mit extremen Perspektiven und eckigen Outlines herumzuspielen, um mich von den anderen Gespenstergeschichten in den Heften zu unterscheiden.

Um ratlosen Fragen zu begegnen, wie der ganze Kram jetzt eigentlich zusammengehört, habe ich die Geschichten in ihrer chronologischen Reihenfolge aufgelistet:

    Danreigh:
  • Gespenstergeschichten 1197:
    Die Rettung

  • Zeth:
  • Gespenstergeschichten 986:
    Der Häscher aus dem Nirgendwo

  • (Beide Stories spielen etwa tausend Jahre vor "Biien")

    Biien der Schatten:
  • Prolog (LOA dos)

  • Gespenstergeschichten 995:
    Das Schloß des Grauens/Die schwarze Danreigh (LOA tres)

  • Gespenstergeschichten 1009:
    Die Rache der Zauberhexe/Zeth (LOA cuatro)

  • Gespenstergeschichten 1020:
    Im Bann der verlorenen Seelen/Verlorene Seelen (LOA seis)

  • Gespenstergeschichten 1026:
    Die Herberge des Grauens/Der tanzende Mond (LOA diez)

  • Gespenstergeschichten 1034:
    Die Kathedrale der Verlorenen/Die Kathedrale (LOA 13)

  • Gespenstergeschichten 1042:
    Die Katakomben des Hexers/Katakomben (LOA 21)

  • Gespenstergeschichten 1060:
    Das Tor zur Traumwelt/Das Weltentor (LOA 25)
  •    
  • Epilog (In Arbeit)

Die sieben Biien-Gespenstergeschichten wurden noch einmal zusammengefaßt als Album im Gespenstergeschichten-Sonderband 125 ("Chaos-Welten") mit einer Auflage von ca. 60 000 Exemplaren veröffentlicht.

Während ich schon in den Heften keinen Einfluß auf die Farbgebung hatte nehmen können, fiel in dem Sonderband die Farbsättigung noch greller aus. Zudem hatte ich aufgrund des Platzmangels Kürzungen an den Geschichten vornehmen müssen. Aus diesem Grund entschloss ich mich, die Stories noch einmal mit eigener Farbgebung und eigenen Texten und um die fehlenden Handlungsstränge erweitert, sozusagen als "Director's Cut" in LOA zu bringen. Die neuen (oder soll ich sagen "ursprünglichen"?) Titel der überarbeiteten Versionen sind hinter den Titeln aufgeführt, die sich damals Hajo, der alte Spaßvogel, ausgedacht hat.

Die Serie erhielt sogar Fan-Post (ein bei Bastei eher ungewöhnliches Phänomen), so dass eine weitere Mini-Serie namens "Beth" folgte, die aber hauptsächlich im viktorianischen England spielt. Als zentrale Schlüsselfiguren treten hier die schwarze Danreigh und Scalneuura, zwei unsterbliche Entitäten aus "Biien", auf.

Das Erbe des Grauens:

  • Gespenstergeschichten 1159:
    Die Villa der verlorenen Seelen

  • Gespenstergeschichten 1160:
    Die Brutstätte des Bösen

  • Gespenstergeschichten 1161:
    Angriff aus der Spiegelwelt

  • Gespenstergeschichten 1162:
    Der Wächter der verbotenen Gruft

  • Gespenstergeschichten 1163:
    Die Barke des Todes

  • Gespenstergeschichten 1164:
    Die Stunde der Entscheidung

Hier sah die Farbgebung schon wesentlich schöner aus, weil sie unter der Aufsicht von Ewald höchstselbst in dieser Zeit durch ein hier ansässiges Grafikatelier übernommen wurde. Auch diese sechs Stories wurden zusammengefasst und zusammen mit einem Poster in Gespenstergeschichten-Sonderband 150 ("Erben-Fluch) wiederveröffentlicht. Bevor der Verlag die Produktion von neuem Material komplett einstellte, erschien als letztes Biien-Comic:

  • Gespenstergeschichten 1195:
    Auf dem letzten Loch

Es folgte eine Veröffentlichung im neuen Zack-Magazin (Mosaik Verlag/Steinchen für Steinchen) Der erste Biien mit eigenen Farben und eigenem Text (unter Mithilfe meines alten Freundes Jörg Pitschmann).

  • Zack 5:
    Biien der Schatten: Die SandhexeTeil 1

  • Zack 6:
    Biien der Schatten: Die Sandhexe Teil 2

  • Zack 7:
    Biien der Schatten: Die Sandhexe Teil 3

Während "die Sandhexe" bei der Redaktion gut ankam, waren die Meinungen unter der Leserschaft eher gemischt. Insgesamt wurde beanstandet, dass Biien thematisch nicht in das Magazin passe. Nach einigen Irrungen und Wirrungen hat Biien jetzt seine neue Heimat beim COMICWERK gefunden:

  • LOA zero:
    Biien der Schatten: Die toten Felder Teil 1 und 2

  • LOA uno:
    Biien der Schatten: Die toten Felder Teil 3

  • LOA uno:
  •     Biien der Schatten: Blumenkinder

  • und schließlich in unserem ersten phänomenalen gedruckten Comicwerk-Heft:
    Biien der Schatten: Weiße Dame

  • UPDATE: Die Stories Die Toten Felder, Blumenkinder, Die Sandhexe sowie die komplett neue Story Rächer der Enterbten sind ebenfalls gedruckt beim COMICWERK erschienen (in Biien der Schatten #2, 3 und 4) und können im Shop bestellt werden.

Das Setting:
Eine uralte, ehemals sehr hochentwickelte Welt (vielleicht sogar die Erde), die den Zenit ihrer Entwicklung schon sehr lange hinter sich gelassen hat, inselartige, befestigte Städte aus rußgeschwärztem Stein inmitten ausgedehnter, desolater Landschaften, in denen die Naturgesetze nicht mehr gelten, Überreste längst vergessener Kriege zwischen Wesen anderer Realitätsebenen...

Dies ist die Endzeit, der morbide Handlungskosmos, in dem "Biien der Schatten" seine Abenteuer erlebt. Angelehnt an die Mythologie der australischen Ureinwohner kann man hier drei unterschiedliche Formen der Wirklichkeit unterscheiden: Die Endzeit, die in etwa unserer Wahrnehmung entspricht, die Traumzeit, in der pandimensionale Wesen leben, die in mehreren Zeit- und Möglichkeitsebenen gleichzeitig existieren und die Zwischenzeit, in der noch so einige andere Merkwürdigkeiten herumkreuchen, die man nicht verstehen kann und eigentlich auch gar nicht verstehen will...

Die Hauptpersonen:
Biien, von vielen "der Schatten" genannt, von anderen "gelbäugiger Hurensohn": Ein begnadeter Dieb, geschickter Fechter und erbärmlicher Flötenspieler. Seine Auffassung von Eigentum, Ehre und Wahrheit sind enorm flexibel, seine Beredsamkeit legendär. Leider wird Biiens Vorliebe, jeglichen Schwierigkeiten wenn möglich aus dem Weg zu gehen, von den Schwierigkeiten nicht geteilt...

Die Schwarze Danreigh: Eine Entität aus der Traumzeit im Exil. Sie gilt als mächtige und ziemlich launische Zauberin, die aber an Macht verliert, je weiter sie sich von ihrer Zitadelle entfernt. Danreigh ist von Zeit zu Zeit mit Biien verbandelt.

Zeth: Ein weiterer Exilant aus der Traumzeit und Danreighs Lieblingsfeind. Zeth, ein Meister der Verwandlung, hat um der Magie willen seine Geschlechtlichkeit aufgegeben. Ein sehr kluger und sehr gefährlicher Bursche. Oder was auch immer.

Tayree: Eine mit Biien befreundete Söldnerin. Ein böses Mädchen. Mutig und rauflustig, verschlagen und trinkfest ist sie eine echte Freundin zum Pferdestehlen. Und was es sonst noch so gibt.

Scalneu'ura: Ehemals ein Geschöpf der schwarzen Danreigh, das sich ihrer Macht vollständig entzogen hat, spukt er nunmehr als unberechenbarer Windgeist in der Ebene der toten Zauberer herum und erschreckt dort unvorsichtige Wanderer buchstäblich zu Tode.

Humorlose Händler, ruchlose Söldner, rätselhafte Geschöpfe und anderes Gelichter...
 
 
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