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Die Indianerstämme Nordamerikas. Von Toby Alexandra Hentschel. Teil 1

Die großen Ebenen

Die großen nordamerikanischen Ebenen ("Great Plains") erstrecken sich über 3000 km vom Saskatchewan River in Zentralkanada bis zum Rio Grande an der Grenze zu Mexiko. Ihre östliche Grenze bildet der Mississippi, im Westen formen die Ausläufer der Rocky Mountains eine natürliche Barriere.

Ungehindert fegt der Wind über die Plains, eine fast baumlose Grassteppe, die den westlichen Teil der riesigen Ebene bildet. Den Sommer prägen Hitzeperioden, den Winter Schneestürme mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Frühjahr und Herbst bringen gewaltige Gewitterstürme mit Regen und Hagel. Nur die bewaldeten Flusstäler, die das Land in West-Ost-Richtung durchziehen, oder geschützte Tälern vereinzelter kleiner Berggruppen, wie den Black Hills in South Dakota, bieten den Menschen Schutz vor den Naturgewalten. Wasserknappheit und lange Frostperioden erlauben keinen Bodenbau.

Bis ins 17. Jahrhundert waren die Plains daher kaum dauerhaft besiedelt. Sesshafte Bodenbauern aus dem östlichen Teil der Ebenen, den Prärien, zogen im Sommer zur Bisonjagd auf die Plains, ebenso Stämme aus dem Großen Becken zwischen den Gebirgsketten. Das Fleisch des größten Tieres Nordamerikas war eine wichtige Bereicherung der angebauten oder gesammelten pflanzlichen Nahrung. Die Jagd zu Fuß war jedoch schwierig und reichte zur alleinigen Ernährung nicht aus.

Dies änderte sich, als die spanischen Eroberer in Mexiko Pferde mit sich brachten. Um 1600 entstanden Gestüte in New Mexiko (Santa Fé) und Texas. Bereits um 1630 verfügten erste indianische Gruppen über Pferde, die entweder getauscht, überwiegend jedoch gestohlen wurden. Durch Tauschhandel der Stämme untereinander breitete sich das Pferd rasch aus. Bis 1775 waren auch die nördlichsten Plainsstämme im Besitz ausreichender Herden.

Die Einführung des Pferdes ermöglichte eine völlig neue Lebensweise. Einzelne Stämme gaben ihre festen Dörfer auf und zogen auf die Plains, wo sie vollständig von der Bisonjagd lebten. Das ganze Lager folgte den Wanderungen der großen Bisonherden. Feste Behausungen waren dafür unzweckmäßig und wurden durch leicht auf- und abzubauende und transportable Stangenzelte ersetzt: Tipis.

Die Plainskultur blühte nur etwa 100 Jahre lang. Bereits um die Mitte des 19. Jhd. begann mit der Dezimierung der Bisonherden, dem Bau der Eisenbahn, eingeschleppten Krankheiten, der Einweisung in Reservate sowie den Vernichtungskriegen der amerikanischen Armee ihr Niedergang.

Doch der berittene Krieger mit Lendenschurz, perlenbesticktem Fransenhemd, Mokassins und Adlerfederhaube wurde in der Vorstellung der Europäer zum Sinnbild des Indianers schlechthin. Die Namen vieler hier lebender Stämme kennt heute jeder aus zahlreichen (guten oder schlechten) Büchern und Filmen: Lakota (Sioux), Blackfeet, Comanche, Pawnee, Kiowa, Cheyenne ...

Literatur:

 

  • Wolfgang Lindig und Mark Münzel: Die Indianer. Kulturen und Geschichte. Bd.1: Nordamerika. Von der Beringstraße bis zum Isthmus von Tehuantepec. München 1978.
  • Colin Taylor: Die Plains. In: Der große Bildatlas Indianer. München 1994. John Anson Warner: The Life and Art of the North American Indian. New York 1975.
  • John C. Ewers: Horsemen of the Plains. In: National Geographic Society (Hg): The World of the American Indian. Washington 1974, S. 254 - 310.

Teil 2: Indianerstämme der Plains und Prärien

Teil 3: Die Bedeutung des Pferdes

Teil 4: Bison gesichtet! 

 
 
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