Indianerstämme der
Plains und Prärien
Die Stämme der großen Ebenen unterscheiden sich in ihrer Lebensweise
in zwei Gruppen. Auf den östlichen Prärien lebten sesshafte
Bodenbauern, die Mais, Bohnen und Kürbis anbauten und auf die Jagd
gingen. Sie wohnten in festen Behausungen wie Erd- oder Grashütten
in geschlossenen Dörfern. Die Bewohner der Plains folgten als nomadische
Jäger den Bisonherden und lebten in Zelten.
Beide Gruppen trieben regen Tauschhandel miteinander. Berittene Plainsindianer
brachten Bisonfelle, -fleisch und andere Produkte in die Dörfer.
Dafür erhielten sie insbesondere Mais, der eine wertvolle Ergänzung
ihrer überwiegend fleischlichen Nahrung bot. Die zentral gelegenen
Dörfer am Mittellauf des Missouri waren bedeutende Zentren des transkontinentalen
Handels.
Auf den großen Ebenen fanden sich Vertreter von fünf eigenständigen,
nicht miteinander verwandten Sprachgruppen. Die meisten Präriestämme
gehörten der großen Sprachgruppe der Sioux an. Dazu zählten
die Dakota, Mandan, Hidatsa, Osage, Ponca, Quapaw und Kansa. Zwischen
ihnen lebten die caddosprachigen Arikara, und weiter südlich deren
Sprachverwandte, die Pawnee, Wichita und Caddo.
Im nördlichen Teil der Plains lebten die Blackfeet, Plains Cree,
Plains Ojibwa und Gros Ventre, die alle zur Sprachgruppe der Algonkin
gehörten, ebenso wie die in den zentralen Plains lebenden Cheyenne
und Arapaho. Ansonsten waren Algonkinsprachen vor allem in der Subarktis
und im östlichen Waldland vertreten. In den zentralen Plains lebten
außerdem die siouxsprachigen Lakota, Crow und Assiniboin. Die Comanche
der südlichen Plains sprachen eine uto-aztekische Sprache, während
die Sprache ihrer Nachbarn, der Kiowa, sich keiner der großen Sprachgruppen
zuordnen lässt. Den Kiowa angeschlossen hatten sich die athapakischen
Kiowa-Apache. Ebenfalls eine athapaskische Sprache sprachen die Sarci
ganz im Norden der Plains.
Das bedeutet, benachbarte Stämme benutzten unter Umständen so
unterschiedliche Sprachen wie Englisch, Thai und Arabisch. Um sich dennoch
miteinander verständigen zu können, entwickelten die Indianer
der Plains und Prärien ein Gebärdensprache. Diese wurde je nach
Bedarf soweit verfeinert oder umgeändert, bis eine zufriedenstellende
Kommunikation möglich war. Plainsindianer, die in die Städte
der Ostküste kamen, waren angeblich stets erfreut, auf gehörlose
Weiße zu treffen. Innerhalb kürzester Zeit konnten sie sich
problemlos miteinander unterhalten.
Literatur:
- Wallace L. Chafe: About Language: A Richness of Words, A Babel of Tongues.
In: National Geographic Society (Hg): The World of the American Indian.
Washington 1974, S. 150 - 155.
- Wolfgang Lindig und Mark Münzel: Die Indianer. Kulturen und Geschichte.
Bd.1: Nordamerika. Von der Beringstraße bis zum Isthmus von Tehuantepec.
München 1978.
- Colin Taylor: Die Plains. In: Der große Bildatlas Indianer.
München 1994.
Teil 1: Die großen Ebenen
Teil 3: Die Bedeutung des Pferdes
Teil 4: Bison gesichtet!
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