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Die Indianerstämme Nordamerikas. Von Toby Alexandra Hentschel. Teil 2

Indianerstämme der Plains und Prärien

Die Stämme der großen Ebenen unterscheiden sich in ihrer Lebensweise in zwei Gruppen. Auf den östlichen Prärien lebten sesshafte Bodenbauern, die Mais, Bohnen und Kürbis anbauten und auf die Jagd gingen. Sie wohnten in festen Behausungen wie Erd- oder Grashütten in geschlossenen Dörfern. Die Bewohner der Plains folgten als nomadische Jäger den Bisonherden und lebten in Zelten.

Beide Gruppen trieben regen Tauschhandel miteinander. Berittene Plainsindianer brachten Bisonfelle, -fleisch und andere Produkte in die Dörfer. Dafür erhielten sie insbesondere Mais, der eine wertvolle Ergänzung ihrer überwiegend fleischlichen Nahrung bot. Die zentral gelegenen Dörfer am Mittellauf des Missouri waren bedeutende Zentren des transkontinentalen Handels.

Auf den großen Ebenen fanden sich Vertreter von fünf eigenständigen, nicht miteinander verwandten Sprachgruppen. Die meisten Präriestämme gehörten der großen Sprachgruppe der Sioux an. Dazu zählten die Dakota, Mandan, Hidatsa, Osage, Ponca, Quapaw und Kansa. Zwischen ihnen lebten die caddosprachigen Arikara, und weiter südlich deren Sprachverwandte, die Pawnee, Wichita und Caddo.

Im nördlichen Teil der Plains lebten die Blackfeet, Plains Cree, Plains Ojibwa und Gros Ventre, die alle zur Sprachgruppe der Algonkin gehörten, ebenso wie die in den zentralen Plains lebenden Cheyenne und Arapaho. Ansonsten waren Algonkinsprachen vor allem in der Subarktis und im östlichen Waldland vertreten. In den zentralen Plains lebten außerdem die siouxsprachigen Lakota, Crow und Assiniboin. Die Comanche der südlichen Plains sprachen eine uto-aztekische Sprache, während die Sprache ihrer Nachbarn, der Kiowa, sich keiner der großen Sprachgruppen zuordnen lässt. Den Kiowa angeschlossen hatten sich die athapakischen Kiowa-Apache. Ebenfalls eine athapaskische Sprache sprachen die Sarci ganz im Norden der Plains.

Das bedeutet, benachbarte Stämme benutzten unter Umständen so unterschiedliche Sprachen wie Englisch, Thai und Arabisch. Um sich dennoch miteinander verständigen zu können, entwickelten die Indianer der Plains und Prärien ein Gebärdensprache. Diese wurde je nach Bedarf soweit verfeinert oder umgeändert, bis eine zufriedenstellende Kommunikation möglich war. Plainsindianer, die in die Städte der Ostküste kamen, waren angeblich stets erfreut, auf gehörlose Weiße zu treffen. Innerhalb kürzester Zeit konnten sie sich problemlos miteinander unterhalten.

 

Literatur:

 

  • Wallace L. Chafe: About Language: A Richness of Words, A Babel of Tongues.
    In: National Geographic Society (Hg): The World of the American Indian.
    Washington 1974, S. 150 - 155.
  • Wolfgang Lindig und Mark Münzel: Die Indianer. Kulturen und Geschichte. Bd.1: Nordamerika. Von der Beringstraße bis zum Isthmus von Tehuantepec.
    München 1978.
  • Colin Taylor: Die Plains. In: Der große Bildatlas Indianer.
    München 1994.

Teil 1: Die großen Ebenen

Teil 3: Die Bedeutung des Pferdes

Teil 4: Bison gesichtet! 

 
 
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