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Die Indianerstämme Nordamerikas. Von Toby Alexandra Hentschel. Teil 3

Die Bedeutung des Pferdes für die Entwicklung der klassischen Plainskultur

 
Nomadentum bedeutet, den Wohnsitz häufig zu verlegen. Entweder kann eine Gruppe jedes mal den größten Teil ihres Besitzes zurücklassen, oder sie versucht, die gesamte Habe von einem Ort zum anderen zu transportieren. Hierfür sind Last- oder Zugtiere von größter Bedeutung.

Bevor die Plainsindianer in den Besitz von Pferden gelangten, hielten sie als einzige Haustiere Hunde, die auch für den Transport benutzt wurden. Hunde sind jedoch unzuverlässige Lasttiere. Sie rennen, springen, jagen kleinen Tieren nach und beschädigen dabei häufig ihre Last. Zum Transport von Fleisch eignen sie sich gar nicht - sie würden es selbst fressen.

Die Einführung des Pferdes veränderte das Leben auf den Plains völlig. Ein Pferd kann ein viermal mehr Gewicht tragen oder ziehen als ein starker Hund. Je mehr Pferde eine Familie besaß, desto mehr Eigentum in Form von Kleidung, Waffen, Schlafpelzen und ähnlichem konnte sie transportieren und von Umzug zu Umzug bewahren.

Pferde ermöglichten jedoch nicht nur, mehr Gegenstände zu transportieren, sondern auch schwerere. Der schwerste einzelne Gegenstand auf den Plains war die Plane der Tipis. Je nach Größe des Zeltes bestand die Plane aus neun bis fünfzehn zusammengenähten Bisonfellen. Die Kraft des Pferdes erlaubte es, geräumigere Zelte herzustellen. Zwei weitere Tiere waren für den Transport der Zeltstangen notwendig.

Pferde schufen somit die Voraussetzung für die Ansammlung von Reichtum und damit für die Entstehung wirtschaftlicher Ungleichheit zwischen den Mitgliedern eines Stammes. Erstmals besaßen einige Familien mehr als andere. Der Reichtum einer Familie maß und spiegelte sich in der Anzahl ihrer Pferde.

Alte oder kranke Menschen, die nicht selbst laufen konnten, mussten nicht mehr zurückgelassen werden. Dies war von großer Bedeutung für die schriftlosen Plainsgesellschaften. All ihr Wissen und ihre Traditionen überlieferten sie mündlich von Generation zu Generation. Je länger ein alter Mensch mit dem Stamm lebte, desto länger blieb somit sein Wissen für den Stamm erhalten, und desto mehr junge Menschen lernten von ihm.

Unverzichtbar für die neue Lebensweise waren die Pferde aber vor allem aufgrund ihres Einsatzes bei der Bisonjagd, von der das Überleben auf den Ebenen abhing. Die mögliche Reichweite einer Jagd vergrößerte sich, und damit die Chance, Bisonherden zu finden. Auf kurzen Distanzen können Pferde schneller laufen als Bisons. Dadurch konnten bei einer einzigen Jagd mehr Tiere erlegt werden. Die Kraft des Pferdes ermöglichte den Transport großer Mengen Fleisch und der schweren Bisonfelle.

In der heißen Sommersonne der Plains beginnt Fleisch innerhalb von 24 Stunden zu verwesen, wenn es nicht verarbeitet wird. Indem jedoch eine ganze Gruppe den Bisons folgte, statt nur einer kleinen Schar von Jägern, konnten die getöteten Tiere auf der Stelle verwertet werden. Der Ertrag einer einzigen gemeinsamen Jagd konnte dadurch so hoch sein, daß er hunderte von Menschen mehrere Wochen ernährte und sogar die Anlage von Vorräten ermöglichte.

Literatur:

 

  • Moore, John H.: The Cheyenne. Cambridge 1996.
  • Schukies, Renate: Red Hat: Cheyenne blue sky maker and keeper of the sacred arrows. Münster 1993.
  • Berthrong, Donald J.: The Southern Cheyennes. Norman 1986.
  • Hoebel, E. Adamson: The Cheyennes: Indians of the Great Plains. New York 1960. (Case studies in cultural anthropology)

Teil 1: Die großen Ebenen

Teil 2: Indianerstämme der Plains und Prärien

Teil 4: Bison gesichtet! 

 
 
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