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Die Bedeutung des Pferdes
für die Entwicklung der klassischen Plainskultur
Nomadentum bedeutet, den Wohnsitz häufig zu verlegen. Entweder kann
eine Gruppe jedes mal den größten Teil ihres Besitzes zurücklassen,
oder sie versucht, die gesamte Habe von einem Ort zum anderen zu transportieren.
Hierfür sind Last- oder Zugtiere von größter Bedeutung.
Bevor die Plainsindianer in den Besitz von Pferden gelangten, hielten sie
als einzige Haustiere Hunde, die auch für den Transport benutzt wurden.
Hunde sind jedoch unzuverlässige Lasttiere. Sie rennen, springen, jagen
kleinen Tieren nach und beschädigen dabei häufig ihre Last. Zum
Transport von Fleisch eignen sie sich gar nicht - sie würden es selbst
fressen.
Die Einführung des Pferdes veränderte das Leben auf den Plains
völlig. Ein Pferd kann ein viermal mehr Gewicht tragen oder ziehen
als ein starker Hund. Je mehr Pferde eine Familie besaß, desto mehr
Eigentum in Form von Kleidung, Waffen, Schlafpelzen und ähnlichem konnte
sie transportieren und von Umzug zu Umzug bewahren.
Pferde ermöglichten jedoch nicht nur, mehr Gegenstände zu transportieren,
sondern auch schwerere. Der schwerste einzelne Gegenstand auf den Plains
war die Plane der Tipis. Je nach Größe des Zeltes bestand die
Plane aus neun bis fünfzehn zusammengenähten Bisonfellen. Die
Kraft des Pferdes erlaubte es, geräumigere Zelte herzustellen. Zwei
weitere Tiere waren für den Transport der Zeltstangen notwendig.
Pferde schufen somit die Voraussetzung für die Ansammlung von Reichtum
und damit für die Entstehung wirtschaftlicher Ungleichheit zwischen
den Mitgliedern eines Stammes. Erstmals besaßen einige Familien mehr
als andere. Der Reichtum einer Familie maß und spiegelte sich in der
Anzahl ihrer Pferde.
Alte oder kranke Menschen, die nicht selbst laufen konnten, mussten nicht
mehr zurückgelassen werden. Dies war von großer Bedeutung für
die schriftlosen Plainsgesellschaften. All ihr Wissen und ihre Traditionen
überlieferten sie mündlich von Generation zu Generation. Je länger
ein alter Mensch mit dem Stamm lebte, desto länger blieb somit sein
Wissen für den Stamm erhalten, und desto mehr junge Menschen lernten
von ihm.
Unverzichtbar für die neue Lebensweise waren die Pferde aber vor allem
aufgrund ihres Einsatzes bei der Bisonjagd, von der das Überleben auf
den Ebenen abhing. Die mögliche Reichweite einer Jagd vergrößerte
sich, und damit die Chance, Bisonherden zu finden. Auf kurzen Distanzen
können Pferde schneller laufen als Bisons. Dadurch konnten bei einer
einzigen Jagd mehr Tiere erlegt werden. Die Kraft des Pferdes ermöglichte
den Transport großer Mengen Fleisch und der schweren Bisonfelle.
In der heißen Sommersonne der Plains beginnt Fleisch innerhalb von
24 Stunden zu verwesen, wenn es nicht verarbeitet wird. Indem jedoch eine
ganze Gruppe den Bisons folgte, statt nur einer kleinen Schar von Jägern,
konnten die getöteten Tiere auf der Stelle verwertet werden. Der Ertrag
einer einzigen gemeinsamen Jagd konnte dadurch so hoch sein, daß er
hunderte von Menschen mehrere Wochen ernährte und sogar die Anlage
von Vorräten ermöglichte.
Literatur:
-
Moore, John H.: The Cheyenne.
Cambridge 1996.
-
Schukies, Renate: Red Hat: Cheyenne blue sky maker and keeper of the sacred
arrows. Münster 1993.
- Berthrong, Donald J.: The Southern Cheyennes. Norman 1986.
- Hoebel, E. Adamson: The Cheyennes: Indians of the Great Plains.
New York 1960. (Case studies in cultural anthropology)
Teil 1: Die großen Ebenen
Teil 2: Indianerstämme der Plains und Prärien
Teil 4: Bison gesichtet!
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