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Bison gesichtet!
Die Späher haben eine Bisonherde gemeldet! Der Rat der Häuptlinge
hat beschlossen, das Lager zu verlegen, um ihnen zu folgen. Morgen früh
werden wir aufbrechen. Es ist an der Zeit, die erste große Jagd des
Jahres durchzuführen.
Ich bin Gelbe Feder von den Cheyenne. Diesen Namen haben uns die Weißen
gegeben. Wir selbst nennen uns Tsistsistas, das heisst die Menschen. Unsere
Freunde, die Lakota, nennen uns Die-eine-fremde-Sprache-sprechen, daraus
haben die Weißen Cheyenne gemacht.
Den Winter über leben wir nicht in einem gemeinsamen Lager. Das dürre
Gras der Ebene würde nicht ausreichen, um alle Pferde zu füttern.
Die einzelnen Familienverbände verbringen daher den Winter in geschützten
Tälern, wo es ausreichend Wasser, Feuerholz, Wild und Weidefläche
gibt, um die harten Monate zu überleben.
Wenn sich im Frühsommer die Bisonherden zusammenschließen und
nach Norden ziehen, kommen alle Cheyenne wieder zusammen. Ort und Zeit des
Treffens teilen Boten den Familien rechtzeitig mit. Den Sommer verbringt
der ganze Stamm gemeinsam. In dieser Zeit führen wir die heiligen Zeremonien
durch, gehen gemeinsam auf Bisonjagd, kämpfen gegen unsere Feinde und
feiern zusammen.
Dieses Jahr fand die Erneuerung der Heiligen Pfeile statt. Diese Pfeile
sind der heiligste Besitz der Cheyenne. Sie stehen für das Wohlergehen
des gesamten Stammes. Darum ist es wichtig, dass sie sorgfältig aufbewahrt
und, wenn nötig, erneuert werden. Der Hüter des Pfeilbündels
ist einer der wichtigsten Männer des ganzen Stammes. Aber davon erzähle
ich ein andermal.
Heute habe ich noch viel Arbeit vor mir. Meine Mutter, Schwestern und ich
müssen unseren ganzen Besitz zusammenpacken, bevor wir morgen das Tipi
abbauen. Das Tipi und alle Einrichtung unterstehen meiner Mutter. Auf- und
Abbau des Tipis ist Sache der Frauen, ebenso wie der Transport des gesamten
Eigentums.
Alles, was wir besitzen, ist leicht und haltbar. Meine Großmutter
erzählt, dass die Cheyenne früher Gefäße aus Ton herstellten.
Diese sind jedoch schwer und zerbrechen schnell und sind deshalb unpraktisch
unterwegs. Jetzt sind unsere Gefäße aus Holz, Leder oder Bisonmägen
und Blasen. Alle Kleider, Werkzeuge, Nahrung und sonstigen Gegenstände
rollen wir für den Transport in große Decken und Felle und binden
sie auf Tragegestelle, die die Packpferde ziehen. Auch alle Zeltstangen
und die große Zeltplane aus Bisonleder werden von den Pferden gezogen.
Es ist spät geworden. Morgen brechen wir früh auf, um den Anschluss
an die Bisonherde nicht zu verlieren. Wie so eine große gemeinsame
Jagd aussieht, davon erzähle ich nächstes Mal.
Teil 1: Die großen Ebenen
Teil 2: Indianerstämme der Plains und Prärien
Teil 3: Die Bedeutung des Pferdes
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