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Die Indianerstämme Nordamerikas. Von Toby Alexandra Hentschel. Teil 4

Bison gesichtet!

 
Die Späher haben eine Bisonherde gemeldet! Der Rat der Häuptlinge hat beschlossen, das Lager zu verlegen, um ihnen zu folgen. Morgen früh werden wir aufbrechen. Es ist an der Zeit, die erste große Jagd des Jahres durchzuführen.

Ich bin Gelbe Feder von den Cheyenne. Diesen Namen haben uns die Weißen gegeben. Wir selbst nennen uns Tsistsistas, das heisst die Menschen. Unsere Freunde, die Lakota, nennen uns Die-eine-fremde-Sprache-sprechen, daraus haben die Weißen Cheyenne gemacht.

Den Winter über leben wir nicht in einem gemeinsamen Lager. Das dürre Gras der Ebene würde nicht ausreichen, um alle Pferde zu füttern. Die einzelnen Familienverbände verbringen daher den Winter in geschützten Tälern, wo es ausreichend Wasser, Feuerholz, Wild und Weidefläche gibt, um die harten Monate zu überleben.

Wenn sich im Frühsommer die Bisonherden zusammenschließen und nach Norden ziehen, kommen alle Cheyenne wieder zusammen. Ort und Zeit des Treffens teilen Boten den Familien rechtzeitig mit. Den Sommer verbringt der ganze Stamm gemeinsam. In dieser Zeit führen wir die heiligen Zeremonien durch, gehen gemeinsam auf Bisonjagd, kämpfen gegen unsere Feinde und feiern zusammen.

Dieses Jahr fand die Erneuerung der Heiligen Pfeile statt. Diese Pfeile sind der heiligste Besitz der Cheyenne. Sie stehen für das Wohlergehen des gesamten Stammes. Darum ist es wichtig, dass sie sorgfältig aufbewahrt und, wenn nötig, erneuert werden. Der Hüter des Pfeilbündels ist einer der wichtigsten Männer des ganzen Stammes. Aber davon erzähle ich ein andermal.

Heute habe ich noch viel Arbeit vor mir. Meine Mutter, Schwestern und ich müssen unseren ganzen Besitz zusammenpacken, bevor wir morgen das Tipi abbauen. Das Tipi und alle Einrichtung unterstehen meiner Mutter. Auf- und Abbau des Tipis ist Sache der Frauen, ebenso wie der Transport des gesamten Eigentums.

Alles, was wir besitzen, ist leicht und haltbar. Meine Großmutter erzählt, dass die Cheyenne früher Gefäße aus Ton herstellten. Diese sind jedoch schwer und zerbrechen schnell und sind deshalb unpraktisch unterwegs. Jetzt sind unsere Gefäße aus Holz, Leder oder Bisonmägen und Blasen. Alle Kleider, Werkzeuge, Nahrung und sonstigen Gegenstände rollen wir für den Transport in große Decken und Felle und binden sie auf Tragegestelle, die die Packpferde ziehen. Auch alle Zeltstangen und die große Zeltplane aus Bisonleder werden von den Pferden gezogen.

Es ist spät geworden. Morgen brechen wir früh auf, um den Anschluss an die Bisonherde nicht zu verlieren. Wie so eine große gemeinsame Jagd aussieht, davon erzähle ich nächstes Mal.

Teil 1: Die großen Ebenen

Teil 2: Indianerstämme der Plains und Prärien

Teil 3: Die Bedeutung des Pferdes

 
 
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