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Unter den Begriff History-Fiction fallen aber nicht schlampig
recherchierte Historien-Abenteuer mit Anachronismen und historischen
Fehlern. Ebenso wenig fallen darunter seriöse Stories mit fiktiven
Figuren in einem ansonsten akkuraten historischen Umfeld: So lange die
Handlung in der Form hätte stattfinden können, ist es kein HF. Die
Fiktion muss als solche in der realen Geschichte erwiesenermaßen NICHT
stattgefunden haben und sie muss Absicht, kein Fehler sein.
Es herrscht aber großer Spielraum in der Gestaltung des fiktiven
Elementes: Es kann relativ minimal sein, wie z.B. bei der Comic-Serie
"Desert Peach" von Donna Barr: Hier besteht es aus dem fiktiven Bruder
von General Erwin Rommel, dem "Wüstenfuchs". Außer dieser fiktiven
Figur und ihrer Begleiter ist der Rest historisch korrekt, stimmen die
geschichtlichen Fakten weitestgehend mit den überlieferungen überein.
Diesem Comic scheint weniger das klassische HF-Element des "Was wäre
wenn" zu Grunde zu liegen, vielmehr sollen gewisse historische
Wahrheiten über die fiktive Figur transportiert werden. Womit wir das
Genre der Fabel streifen.
Ein anderes, rezentes Werk dieses Genres ist der Zeichentrickfilm
"Anastasia". Entscheidend für die Einordnung in HF ist dabei weniger
die Annahme die jüngste Zarentochter habe überlebt - was ja immerhin,
rein theoretisch, sogar denkbar wäre - sondern die gesamten Umstände
rund um den Sturz der Zaren, sowie die Darstellung der Figur des
Rasputin, die sich in keinster Weise mit den historischen Fakten
decken. Da es sich bei diesen Abweichungen kaum um Fehler handeln
dürfte, haben wir es hier mit einem echten History-Fiction zu tun,
einem Märchen, inspiriert von der Geschichte.
Eine Besonderheit von "Anastasia" und "Desert Peach" ist, dass die den
Geschichten zu Grunde liegenden historischen Ereignisse im Zwanzigsten
Jahrhundert angesiedelt sind. Der überwiegende Teil des HF bedient sich
nämlich bevorzugt im Mittelalter. Mittelalter-HF's sind mittlerweile so
zahlreich, dass es insbesondere für historisch unkundiges Publikum
schwer ist, hier überhaupt noch HF und Historie auseinander zuhalten.
Weil wir die wahren Fakten nicht oder nur ungenügend kennen, "stören"
uns die fiktiven Elemente nicht, weil wir sie oft gar nicht wahrnehmen.
Nur bei sehr offensichtlichen Dingen, wie Drachen und Zaubern - doch
dann wird meist von einem "Fantasy" gesprochen. Somit sind denn auch
die meisten Fantasys nichts anderes als mittelalterliche
History-Fictions.
Teil 1
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