|
History Fiction. Von Diana Sassé. Teil 3 |
|
Sobald sich ein HF jedoch der jüngeren Geschichte, namentlich des
Zwanzigsten Jahrhunderts als Vorlage bedient, empfinden viele eine Art
Hemmschwelle. Man kennt doch die echten Fakten, warum also diese
Änderungen? Die selben Leute akzeptieren aber problemlos die Vision
eines Camelot als prächtiges Schloss, obwohl es dies nie war. Sie sehen
Wyatt Earp als furchtlosen Marshall, obwohl er in Wahrheit ein
Gesetzloser war. Fast scheint es so, als ob manche Epochen
"vergangener" wären als andere und dadurch surrealer und eher geeignet,
Vorlage für Fiktion zu werden.
Ab wann "darf" denn nun Geschichte fiktionalisiert werden? Ich
persönlich war schon immer der Meinung dass alles, was älter als zehn
Tage ist, schon Geschichte ist und dass es für die Vergangenheit keinen
Unterschied macht, ob sie nun 2000 Jahre oder zehn Minuten zurück
liegt. Die Ereignisse sind gleich irreversibel. Ich kann vielleicht die
Folgen der Ereignisse beeinflussen, nie aber die Ereignisse selber. Und
so ist es auch kein Unterschied, ob ein HF mit einem mittelalterlichen
König gemacht wird, oder mit einem US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts.
Die Frage "Was wäre wenn" ist stets gleich spannend.
In "Doudou" und "White House" bezieht sich diese Frage nicht auf ein
zentrales Ereignis, sondern teilt sich auf viele verschiedene
Soziokulturelle Fragen auf: Was wäre wenn die Weltbevölkerung konstant
niedrig geblieben wäre? Wenn das Christentum nicht die Vorherrschende
Religion des Abendlandes geworden wäre? Wenn es demnach auch nicht zu
der uns bekannten Ehemoral gekommen wäre? Wenn Mischwesen die scheinbar
klare Grenze zwischen Tier und Mensch aufweichen würden?
Teil 1
Teil 2
|