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Während es bei einer so emotional befrachteten Epoche wie dem Weltkrieg
wohl zu erwarten war, dass es bei so manchem Historiker zu
Objektivitäts-Verlust kommt, war ich doch erstaunt, auch bei den
Recherchen zu John F. Kennedy auf dieses Phänomen zu stoßen. Der Graben
zieht sich zwischen Kennedy-Anbetern und Kennedy-Hassern - und dies
alles unter der Flagge "seriöser" Geschichtsforschung!
Kaum einer sieht JFK als das, was er wohl war: Als guten Menschen - mit Fehlern.
Darüber hinaus wird Kennedy derzeit massiv das Opfer
unterschiedlichster "Enthüllungs-Sensationen". Ein Beispiel sind seine
Krankheiten. Es wird, unter anderem durch eine neue Biographie so
getan, als seien seine Leiden geheimgehalten worden. Es stimmt zwar,
dass Kennedy selber und auch seine Familie versucht hat, das Bild eines
möglichst gesunden, vitalen Präsidenten nach außen zu tragen.
Aber jeder wusste schon damals von seinen Rückenoperationen, seinen
Koma-Anfällen, von seinem Korsett und den Schaukelstühlen, die durch
ihr sanftes Wippen seine Schmerzen lindern sollten. Dass er die
Addisohn-Krankheit hatte, ist immerhin seit den Siebzigern publik. Sein
Bruder Robert schreibt in einem Vorwort zu einer Neuauflage von
"Zivilcourage" schon 1964 ausführlich über JFK, den Kranken. So manche,
unter dem Etikett "historisch" verkaufte Sensationsgeschichte ist
fiktiver als der überdrehteste History-Fiction Comic.
Hier ergeht mein Rat an alle, die sich mit dem historischen JFK
auseinandersetzen wollen: Machen Sie sich durch die Flut der (sich oft
widersprechenden) Büchern und Dokus mit den reinen Fakten vertraut und
überlassen Sie die Bewertung derselben dann Ihrer persönlichen
Einschätzung. Lassen Sie sich weder durch die teilweise bösartigen
Verleumdungen von Geschichts-Revisionisten wie Seymour M. Hersh
beeinflussen, noch durch kritiklose, weltferne Heiligenverehrung aus
(US-)Kreisen, die darüber hinaus meist mehr Kennedy den Kriegshelden
denn Kennedy den Bürgerrechtler verklären. Unnötig zu sagen, dass
gerade das wohl absolut nicht in JFK's Sinne ist...
Auch "White House" ist letztlich nichts anderes als eine künstlerische
Umsetzung persönlicher Eindrücke. Nehmen Sie sie genau als solche an.
Nicht mehr und nicht weniger.
Teil 1
Teil 2
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