Newsletter








Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS
 

Comicwerk-News

Tomppa gewinnt Stan Lee Foundation Wettbewerb!

Das Comicwerk gratuliert dem "Der Engel" Zeichner, der sich gegen 1.700 Mitbewerber mit seiner Figur "The Counselor" durchsetzen konnte!

Mehr dazu im News Bereich

 
Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS
Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS
   
Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS
Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS
 
Legendäre Streiche. Von Thomas Maentele Teil 2

Der 1. April


Ein fieser Tag - der 1. April. Ob Freund, ob Feind - jeder gegen jeden, einer gegen alle, alle gegen einen. Plötzlich verspürt selbst der Humorloseste den Drang, seinen Mitmenschen einen Streich zu spielen. Mit lautem : "April, April"-Rufen wird schenkelklopfend die Schadenfreude bekundet, nachdem man dem anderen das Toilettenpapier geklaut, gefälschte Schwangerschaftstests unter die Nase gerieben oder ihn gerade hinterhältig, weil gelogen, am Telefon über den Megagewinn im Preisausschreiben informiert hat.

Ein uralter Brauch, um seine Zeitgenossen mit Hilfe erfundener Geschichten hereinzulegen, der nicht nur in Europa üblich ist, sondern in vielen Ländern, wie beispielsweise in Amerika, durch deutsche Auswanderer hereingetragen, Australien, Indien und Südafrika. Wer allerdings den Aprilscherz erfunden hat, entzieht sich jeglicher Kenntnis. Im Alten Rom jedoch wurden bereits zu Ehren der Göttin Venus zum 1. April rauschende Orgien gefeiert, verbunden mit böswilligen "Streichen unter Freunden". In Indien gilt das altehrwürdige "Huli-Fest" seit jeher als Feier des Neckens und Täuschens. Als einleuchtendste Variante für die Entstehung des 1. Aprils in Europa gilt wohl die französische, als König Karl IX im Zuge einer Reformierung des Gregorianischen Kalenders das bis dahin am 1. April gefeierte Neujahrsfest auf den 1. Januar verlegte. Wer die neue Regelung nicht einhielt, wurde fortan "als Aprilnarr" verspottet.

Unterdessen, im Medienzeitalter, werden alljährlich Millionen Menschen von Radio- und Fernsehen sowie den Printmedien mehr oder weniger fantasievoll in den April geschickt. Erwartet wird ein gepflegter Possenriss - ein Mal im Jahr die perfekte Falschmeldung. Haarsträubende, hanebüchene, frei erfundene Meldungen werden dem Publikum aufgetischt und in glaubhafter Verpackung verkauft, um es derartig hinters Licht zu führen. Die Redakteure der einzelnen Zeitungsverlage überlegen jedes Jahr schon im Januar, welche Posse denn für den Aprilscherz Zeitung geeignet wäre und mit welcher Falschmeldung sie die Leser aufs Glatteis führen könnten. In manchen Redaktionen finden regelrechte Wettbewerbe statt, bei denen am Ende zählt, wie viele Leser gekonnt veralbert werden konnten - die ultimative Jagd auf den Scoop.

Die Stuttgarter Zeitung berichtete, eine Discounterkette verkaufe künftig Kraftstoff in ihren Filialen. Indes verführte eine Bastlerzeitung aus der DDR ihre Leser dazu, in Gasstätten größere Mengen Bierdeckel zu entwenden, da man die mit Folie und Chemikalien beschichteten Bierdeckel in der Backröhre erhitzen und danach als Datenträger für den PC verwenden könne.

Teilweise noch dreistere Beispiele sehen so aus: Die Schnellimbiss-Kette Burger King verkündete zum 1. April 1998 die Einführung eines Linkshänder-Whoppers, mit den gleichen Zutaten versehen wie der normale Whopper, jedoch um 180 Grad gedreht. Das Ende der Schwerkraft wurde 1976 im Hörfunk verkündet, als der populäre britische Astronom den Hörern glaubhaft versicherte, am 1. April um 9.47 Uhr werde sich Pluto hinter Jupiter schieben und so zu einer Schwerkraft-Linie führen, die die Schwerkraft der Erde reduziere. Pünktlich zum genannten Zeitpunkt in die Luft gesprungen und die Schwerelosigkeit erleben, was anschließend Hunderte Anrufer bestätigten.

Legendär auch die Meldung der BBC am 1. April, 1957, dass der milde Winter und die Ausrottung des Spaghetti-Rüsselkäfers den Schweizer Bauern eine ungewöhnlich reiche Spaghetti-Ernte beschert hätte.

In den Achtzigern setzte eine West-Berliner Tageszeitung das Gerücht in die Welt, im britischen Sektor der Stadt werde zum 1. April der Linksverkehr eingeführt, während britische Blätter die Einführung des Rechtsverkehrs in deren Land ankündigten. 1962 verblüffte ein Techniker des Schwedischen Fernsehens die Zuseher mit der Verkündung der Entwicklung einer neuartigen Technologie: Ein Nylonstrumpf sollte das bis dahin ausschließlich gesendete Schwarz-Weiß-Fernsehen in einen Farbfernseher verwandeln, worauf der Fernsehzuschauer tatsächlich noch bis 1970 warten musste.

Am 1. April 1774 wurde der vermutlich älteste Aprilscherz aus der Taufe gehoben: In einer Zeitung aus Deutschland wurde veröffentlicht, dass statt der Ostereier auch ganze Hühner umgefärbt werden könnten, indem einfach die entsprechende Umgebung der Hühner in den gewünschten Farben angestrichen werden müsse.

Weitere legendäre Aprilstreiche, etwa im Bereich Fußball: Beckenbauer sagt über Lothar Matthäus, dass der alles über Fußball wisse. Diego Maradona wollte Nationaltrainer Argentiniens werden. Udo Lattek: "Man sollte Thomas Hörster erschießen." Matthäus lernt Englisch, einstudierte Choreographien nach Beckenbauers Torerfolgen, Kai Pflaume als Sportmoderator und amerikanische Versuche, das Unentschieden abzuschaffen.

Auch Zeitungsredaktionen werden Opfer von Aprilscherzen. "Die Süddeutsche" fiel im September 2007 einer Falschmeldung zum Opfer, in der es hieß, einer britischen Studie zu Folge stürben europäische Rock- und Popstars durchschnittlich im zarten Alter von 35 Jahren - faktisch jedoch erst 35 Jahre nach dem ersten großen Bühnenerfolg.

Ein erfundenes Konzept einer Formel 1-Seite im Internet wurde der Süddeutschen in der Oster-Ausgabe 2007 zum Verhängnis: Es wurde behauptet, der Automobil-Weltverband wolle im Rahmen des Klimaschutzes den Kraftstoffverbrauch bis 2019 auf 32 Liter pro 100 Kilometer begrenzen.

Auch Prominente werden gerne in April-Scherze eingebunden. Wohl das bekannteste Opfer: Michael Jackson, der laut einer fiktiven Umfrage zum dümmsten Amerikaner durch einen New Yorker PR-Agenten gekürt wurde. Das gleiche Schicksal erlitt übrigens Britney Spears. Als Thomas Gottschalk 2006 seinen Rücktritt bei "Wetten dass?" verkündete, staunten nicht nur Roberto Begnini, Michel Hunziker und Tom Cruise, unter anderen Stargäste der legendären Sendung - eine ganze Nation verfiel in nationale Lethargie.

Auch das Internet wird zur Aprilscherz-Falle: Die Website von Auto Motor & Sport berichtete, neue Smartmodelle eroberten den Markt, so "der Fortress", schwer gepanzert und Personenschutz tauglich, während sich "der Forever" an Bestatter als Leichenwagen richte.

Das Naturkundemuseum Karlsruhe stellte die erste leuchtende Banane der Welt vor, die durch Biolumineszenz ähnlich wie bei Glühwürmchen zum Leuchten gebracht würde, so die Experten. Größter Vorteil der leuchtenden Banane: dass sie auch nachts gepflückt werden könne.

Ein Radiosender führte im Internet ein ganzes Bundesland an der Nase herum: Angeblich sei eine Maut für die gesamten Autobahnkilometer in Hessen beschlossene Sache.

Ferngesteuerte Vierbeiner versprachen Mobilfunk-Experten Hundebesitzern; sogar ein richtiger Workshop wurde zu diesem Zweck eingerichtet.

Bahnbrechende Neuentwicklung des WDR 2001: Die ultimative Schnüffel-Website, auf der Rosen oder randvolle Aschenbecher betrachtet und beschnüffelt werden konnten.

Der NDR sorgte 2003 für fassungsloses Erstaunen mit Hilfe eines Anrufs einer Gärtnerin, die behauptete, bei bestimmten Wetterbedingungen könne sie den Hörfunk des NDR auf ihrem Acker empfangen, "als Antenne" diene ihr Kaffeelöffel.

Der Aprilscherz ist ein komplexes Humorgebilde, das in mannigfaltigster Form auftritt. Man muss also differenzieren: Einen Narrenauftrag ausführen zu lassen ist immer noch einer der beliebtesten Aprilscherze. Mehr oder minder seltsame Objekte sollen vom Aprilnarr - auch Aprilgeck oder -jeck genannt, meist ein etwas naiver oder einfältiger Mensch - beschafft werden. Hühnerzähne, Taubenmilch, Krebsblut, Ipitum (= Ich bin dumm) oder Ohwiedumm, Augenmaß, Mückenfett, Hahneneier, Gänsemilch, gedörrter Schnee, schwarze Kreide, Buckelblau oder Haumichblau, rosagrüne Tinte, gerade Häkchen, gehackte Flohbeine, Kuckucksöl, gesponnener Sand oder Kieselsteinöl stehen dabei hoch im Kurs.

Oder dem Opfer wird ein Zettel auf den Rücken geklebt, mit "Aprilnarr" versehen, oder dessen Gesicht unter einem Vorwand schwarz oder weiß angemalt. Immer wieder gerne genommen: "Dein rechter Schnürsenkel ist offen", "Dein Auto hat hinten links einen Platten", oder: "Es hat an der Tür geklingelt." Deftiger wird es hingegen, wenn die angebotene Praline Chilisauce enthält oder der Berliner Krapfen Senf statt Marmelade.

Meines Erachtens keine schlechte Variante: Plastikspinnen, -mäuse und -schlangen unter der Bettdecke anzubringen, die man im rechten Augenblick genüsslich aufzuschlagen hat.

Last but not least der Überraschungsbrief: "Hättest du ihn nicht aufgemacht, würdest du jetzt nicht ausgelacht" - genial.

Krasses Beispiel für einen modernen Aprilscherz:
Kevin rennt aufgeregt zur Mutter:
"Mama, Mama, Papa hat sich auf dem Dachboden erhängt."
Eilig steigen die Mutter und der Sohn die Treppe hinauf.
"Gottlob ist da keiner", stellt die Mutter erleichtert fest.
"April, April, er hängt im Keller!"

Man kann davon halten, was man will, der 1. April - das: "In den April schicken" hat Tradition. "Guck mal, dein Hosenstall steht offen" - saukomisch. Man foppt den Mitmenschen, trainiert die Bauchmuskeln, erfreut sich seiner Genialität in Sachen Humor und legendäre Streiche werden geboren. Jeder, wie er will - ablachen, bis der Arzt kommt, oder gar nicht erst das Haus verlassen.


Zurück zu Teil 1
 
 
Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS