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Praying Mantis - von NWOBHM zum Melodic Rock
Es muss einfach sein, wenigstens eine meiner Kolumnen widme ich der britischen Band Praying Mantis.
Ich weiß nicht, ob ich mir das vor einigen Jahren nur eingebildet habe,
oder ob Busfahrer Otto in einer Simpsons-Folge wirklich etwas von der
Band „Praying Mantis“ erzählt hat oder wenigstens deren Namen in den
Mund genommen hat, jedenfalls war mir der Name irgendwie geläufig.
Also, keine Ahnung, ob ich ihn nun bei den Simpsons aufgeschnappt hatte
oder nicht, jedenfalls habe ich einige Zeit danach - nachdem ich den
Namen zum ersten Mal gehört hatte - an eben diesen Namen gedacht. Das
muss so etwa 2000/2001 gewesen sein. Mit dem Gedanken, dass Otto ja
eigentlich einen guten Musikgeschmack haben muss, habe ich mir dann mal
im Internet einige Hörproben gesucht. Darunter auch "Nowhere to hide".
Allerdings hat mir keiner der Songs wirklich zugesagt.
2003
hatte ich erneut eine Begegnung mit der Band. Ich hatte mir die Live-CD
„Live at last“ gekauft, da hier die ex-Iron Maiden-Mitglieder Dennis
Stratton und Paul Di' Anno mit von der Partie waren. Beim Hören
bemerkte ich, dass mir die enthaltenen Praying Mantis-Songs, wie
„Lovers to the Grave“ und „Children of the Earth“ sehr zusagten. Also
habe ich ein reguläres Mantis-Album gekauft („To the Power of ten“).
Dieses enthielt – nicht ganz überraschend - weitere schöne Songs.
Sprung zurück ins hier und jetzt: Ich habe die gesamte Praying
Mantis-Discographie zusammengesammelt. Mittlerweile zählt die Band zu
einer meiner Favoriten.
Die Geschichte der Band ist
vielleicht noch ungewöhnlicher, wie mein Weg zum Fan: Mitte der 70er
Jahre gründen die Brüder Chris und Tino Troy die Band Praying Mantis.
Diese erspielt sich relativ schnell eine Schar von Fans und debütiert
1981 mit dem Album „Time tells no Lies“. Dieses zählt auch heute noch
zu den Klassikern des „New Wave of British Heavy Metal“ (NWoBHM).
Vertreten sind Praying Mantis zudem 1980 neben Iron Maiden auf dem
„Metal for Muthas“-Sampler. Auf dem Reading Festival spielt die Band
vor unzähligen Leuten, ebenso wie andere große Bands. Für kurze Zeit
stehen die Gebrüder Troy mit Bands, wie Iron Maiden, Saxon, Motörhead
und Def Lepard auf einer Stufe. Dies ändert sich jedoch schnell wieder,
da das zweite Album erst 1991 erscheint, dazu aber später mehr.
Die Band hat Probleme mit dem Management, so dass sie schnell von der
Bildfläche verschwinden. Erst 1984 kommt wieder ein Lebenszeichen,
allerdings nicht unter dem Banner Praying Mantis, sondern unter dem
Namen Stratus und dem Album „Throwing Shapes“. Auch dies scheint nicht
so richtig zu klappen, darum geht's erst 1990 weiter und eigentlich
auch erst so richtig los. Anlässlich eines NWoBHM-Festivals spielen
Praying Mantis bzw. Chris und Tino Troy zusammen mit Paul Di' Anno
(Gesang) und Dennis Stratton (Gitarre), sowie dem Schlagzeuger Bruce
Bisland (u. a. Statetrooper und Weapon) in Japan.
Eines der
Konzerte wird für die „Live at Last“-CD aufgenommen. Japan, das Land
der NWoBHM-liebenden Leute jubelt begeistert auf und tut dies scheinbar
auch, als 1991 unter Mitarbeit von Lea Hart das zweite Studio-Album
„Predator in Disguise“ erscheint. Hier geht die Band nicht mehr ganz
konsequent in Richtung NWoBHM, sondern eher in Richtung Melodic Rock
und AOR, was aber die Japaner nicht zu stören scheint. Der Rest der
Welt bekommt davon übrigens nicht allzu viel mit. Der Weg zum
melodischen Rock wird dann auf dem Nachfolger „A Cry for the new World“
endgültig gepflastert.
Nach weiteren vier Studioalben, einem
zweiten Live-Album und einem Best-Of scheint allerdings im Jahre 2004
erst einmal Schluss zu sein. Bruce Bisland ist nicht mehr in der Band,
ebenso wenig Tony O' Hora, der zwei Alben eingesungen hatte. Das letzte
Album „The Journey goes on“ (2003) wurde von den festen Bandmitgliedern
Chris und Tino Troy und Dennis Stratton mit sogenannten „Gastmusikern“
eingespielt. Ob in Zukunft noch weitere Alben folgen würden, stand
zunächst erstmal in den Sternen, gerade weil die Gebrüder Troy beide
Väter sind, einen normalen Job haben und das “Best-Of“ aus
pessimistischer Sicht als Abschluss gesehen werden konnte. Hoffen wir
es nicht, wie würde es Otto da gehen?
Tja-ha, aber
Rock-Bands sind bekanntlich nicht so leicht tot zu kriegen. Nachdem
sich die Band 2005 live zurückmeldete und im Jahre 2006
erfreulicherweise auf dem „Headbanger’s Open Air“ spielte, wird nun
auch wieder von einem neuen Studioalbum gesprochen. Dennis Stratton ist
zwar nicht mehr dabei, aber wie in der Vergangenheit oft genug
bewiesen, werden sich die neuen Mitglieder sicherlich wieder als die
Richtigen für den Job entpuppen. Man darf also gespannt bleiben.
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