Rob Halford und der ewige Vorwurf
Rob Halford, der Metal-Gott, hat sich ja mittlerweile wieder gut bei
seiner Ur-Band Judas Priest eingelebt. Es ist auch kein Geheimnis, dass
Rob vor dem Judas Priest-Album „Angel of Retribution“ (welches übrigens
mächtig rockt), schon mal den würdigen und erwarteten
„Painkiller“-Nachfolger mit seiner Solo Band „Halford“ aufnahm.
Die Rede ist natürlich von „Resurrection“ (2000), was durchweg positiv
aufgenommen wurde, außer bei denen, die den guten Rob ohnehin schon
lange abgeschrieben hatten, denn der alte Vorwurf bleibt. Die Rede ist
von Robs Aussage der Metal sei „tot“. Diese vermutlich etwas
unüberlegte Aussage machte der damals gar nicht mehr so göttliche
Metal-Gott Mitte der 90er Jahre, als er bereits bei Judas Priest
ausgestiegen war und ein etwas „anderes“ Album mit seiner neuen Band
Fight aufgenommen hatte („War of Words“, 1994).
Dieser
crossover/independent/alternative-lastige Stil setzte sich auf dem
folgendem Fight-Werk „A small deadly Space“ (1995) fort. Der Metal-Gott
kam plötzlich mit Remixen und sonstigen merkwürdigen Dingen daher, die
allerdings in meinen Ohren gar nicht schlecht klingen. Die Krone setzte
Rob dem Ganzen jedoch 1998 mit dem Album „Voyeurs“ seiner neuen Band
Two auf. Der gute Mann ging nun viel mehr in Richtung Nine Inch Nails
und ähnlicher Bands (kein Wunder, bei der Endfassung von „Voyeurs“ war
Trent Reznor von Nine Inch Nails beteiligt). So richtig akzeptieren
mochte das nun wirklich keiner mehr. Komisches Techno-Gehämmere und ein
kreischender Metal God, der nicht mehr kreischt, waren zu viel für die
Fans. Halford hatte sich endgültig unbeliebt gemacht.
Ändern
sollte sich dies jedoch schon zwei Jahre später, als Rob mit dem
besagten „Resurrection“-Album wieder um die Ecke kam, welches
lupenreinen Heavy Metal bot. Mit oftmals autobiografischen Texten,
konnte Rob Halford glaubhaft machen, dass der Metal noch längst nicht
tot ist und er davon nun auch selbst überzeugt ist. Also zurück zu den
Wurzeln. Leider mochten einige Fans das nicht so recht glauben und
warfen Halford Kommerz und Geldgier vor. Nach dem Motto „der macht doch
nur wieder Metal, weil er damit noch ein paar Mark rausschlagen kann“,
wurde gewettert, was das Zeug hielt. Ob dies berechtigt war, weiß
keiner so genau. Ich denke jedenfalls, dass man so was verzeihen muss.
Die Fight-Scheiben kann man definitiv gut hören und auch Two darf ab
und an in meinen CD-Player (wenn auch relativ selten). Wieso also
dieser Vorwurf gegen Rob Halford? Stilbruch ist doch nichts Neues.
Bands wie Iron Maiden haben das nie wirklich gewagt oder getan, aber
bei Bands wie W.A.S.P. (siehe „Kill Fuck Die“) oder Kreator (siehe
„Endorama“), bemerkt man so was auch. Ihnen wurde es scheinbar
verziehen, weil sie danach weiter gerockt haben. Vielleicht war’s auch
einfach nur die oben erwähnte Aussage über das Ableben des Metals, so
was schlägt Metal-Fans bös auf den Magen.
Wie es jedoch
andersherum auch sein kann, beweisen Leute, wie die Herren von In
Flames. Obwohl die Band sich anfangs eher im Death Metal-Bereich
aufhielt, wandelte sie sich schnell zu einer kommerziell erfolgreichen
Band, die sich vom klassischen dunklen Death Metal abwandte und nun
eher harten, melodischen Metal fabriziert. Dabei verschwinden natürlich
auch alte Fans, aber durch diesen neuen und sehr frischen Stil, hat die
Band den Absatz ihrer Alben steigern können und der Zulauf neuer Fans
überwiegt.
Bei In Flames wird also gejubelt, wenn
Experimente gemacht werden. Halford und Co. dürfen das jedoch nicht ...
irgendwie unfair, oder was? Stillstand ist eigentlich etwas, was der
Kreative nicht ertragen kann, zudem ist es sein sicherer Tod. Schade
nur, dass Weiterentwicklung/Fortschritt/neue Wege nur akzeptiert
wird/werden, wenn’s den erwünschten Absatz bringt. Und bevor meine
Überlegungen zu diesem Thema jetzt völlig ausarten, gehe ich schlafen,
das will ja eh keiner hören.
|