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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 18

Rob Halford und der ewige Vorwurf

Rob Halford, der Metal-Gott, hat sich ja mittlerweile wieder gut bei seiner Ur-Band Judas Priest eingelebt. Es ist auch kein Geheimnis, dass Rob vor dem Judas Priest-Album „Angel of Retribution“ (welches übrigens mächtig rockt), schon mal den würdigen und erwarteten „Painkiller“-Nachfolger mit seiner Solo Band „Halford“ aufnahm.

Die Rede ist natürlich von „Resurrection“ (2000), was durchweg positiv aufgenommen wurde, außer bei denen, die den guten Rob ohnehin schon lange abgeschrieben hatten, denn der alte Vorwurf bleibt. Die Rede ist von Robs Aussage der Metal sei „tot“. Diese vermutlich etwas unüberlegte Aussage machte der damals gar nicht mehr so göttliche Metal-Gott Mitte der 90er Jahre, als er bereits bei Judas Priest ausgestiegen war und ein etwas „anderes“ Album mit seiner neuen Band Fight aufgenommen hatte („War of Words“, 1994).

Dieser crossover/independent/alternative-lastige Stil setzte sich auf dem folgendem Fight-Werk „A small deadly Space“ (1995) fort. Der Metal-Gott kam plötzlich mit Remixen und sonstigen merkwürdigen Dingen daher, die allerdings in meinen Ohren gar nicht schlecht klingen. Die Krone setzte Rob dem Ganzen jedoch 1998 mit dem Album „Voyeurs“ seiner neuen Band Two auf. Der gute Mann ging nun viel mehr in Richtung Nine Inch Nails und ähnlicher Bands (kein Wunder, bei der Endfassung von „Voyeurs“ war Trent Reznor von Nine Inch Nails beteiligt). So richtig akzeptieren mochte das nun wirklich keiner mehr. Komisches Techno-Gehämmere und ein kreischender Metal God, der nicht mehr kreischt, waren zu viel für die Fans. Halford hatte sich endgültig unbeliebt gemacht.

Ändern sollte sich dies jedoch schon zwei Jahre später, als Rob mit dem besagten „Resurrection“-Album wieder um die Ecke kam, welches lupenreinen Heavy Metal bot. Mit oftmals autobiografischen Texten, konnte Rob Halford glaubhaft machen, dass der Metal noch längst nicht tot ist und er davon nun auch selbst überzeugt ist. Also zurück zu den Wurzeln. Leider mochten einige Fans das nicht so recht glauben und warfen Halford Kommerz und Geldgier vor. Nach dem Motto „der macht doch nur wieder Metal, weil er damit noch ein paar Mark rausschlagen kann“, wurde gewettert, was das Zeug hielt. Ob dies berechtigt war, weiß keiner so genau. Ich denke jedenfalls, dass man so was verzeihen muss. Die Fight-Scheiben kann man definitiv gut hören und auch Two darf ab und an in meinen CD-Player (wenn auch relativ selten). Wieso also dieser Vorwurf gegen Rob Halford? Stilbruch ist doch nichts Neues. Bands wie Iron Maiden haben das nie wirklich gewagt oder getan, aber bei Bands wie W.A.S.P. (siehe „Kill Fuck Die“) oder Kreator (siehe „Endorama“), bemerkt man so was auch. Ihnen wurde es scheinbar verziehen, weil sie danach weiter gerockt haben. Vielleicht war’s auch einfach nur die oben erwähnte Aussage über das Ableben des Metals, so was schlägt Metal-Fans bös auf den Magen.

Wie es jedoch andersherum auch sein kann, beweisen Leute, wie die Herren von In Flames. Obwohl die Band sich anfangs eher im Death Metal-Bereich aufhielt, wandelte sie sich schnell zu einer kommerziell erfolgreichen Band, die sich vom klassischen dunklen Death Metal abwandte und nun eher harten, melodischen Metal fabriziert. Dabei verschwinden natürlich auch alte Fans, aber durch diesen neuen und sehr frischen Stil, hat die Band den Absatz ihrer Alben steigern können und der Zulauf neuer Fans überwiegt.

Bei In Flames wird also gejubelt, wenn Experimente gemacht werden. Halford und Co. dürfen das jedoch nicht ... irgendwie unfair, oder was? Stillstand ist eigentlich etwas, was der Kreative nicht ertragen kann, zudem ist es sein sicherer Tod. Schade nur, dass Weiterentwicklung/Fortschritt/neue Wege nur akzeptiert wird/werden, wenn’s den erwünschten Absatz bringt. Und bevor meine Überlegungen zu diesem Thema jetzt völlig ausarten, gehe ich schlafen, das will ja eh keiner hören.



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