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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 25

Deep Purple & Alice Cooper - Rock Opas?

Anfang Februar 2006 gaben sich Alice Cooper und Deep Purple in der Kieler Ostseehalle die Ehre.

Die Anreise nach Kiel war mit einigen Hindernissen verbunden, als diese jedoch aus dem Weg geräumt waren, marschierte ich in die Halle, wo bereits die Vor-Vorband Mad Max spielte, schöner White Rock. Schon kurz darauf kam Alice Cooper auf die Bühne. Dass man in diesem Falle überhaupt noch von Vorband sprechen kann, wage ich zu bezweifeln, denn der gute Alice rockte die Bude.

Alice Cooper (und seine junge dynamische Band) präsentierte ein wahres Klassiker-Programm, das sicher jeden glücklich gemacht hat. Schön anzusehen war das Ganze zudem auch noch. Alice kam mit seinem Zepter auf die Bühne stolziert. Dies wurde bereits kurz darauf zweckentfremdet, so dass es als Handstock und danach als Blindenstock diente, Herr Cooper mag also Scherze über sein Alter. Der einzige Scherz zu diesem Thema sollte das übrigens nicht bleiben, denn beim Song „I’m eighteen“ kam der Frontmann mit einer Krücke auf die Bühne.

Neben den musikalischen Klassikern, wie z.B. „Only Women bleed“, „Welcome to my Nightmare“, „The Black Widow“, „Poison“ und „School’s out“, ist eine Alice Cooper Bühnenshow auch anno 2006 noch ein Erlebnis. Diverse Schauspieler, die Bandkollegen und natürlich Alice selbst erzählten praktisch eine Geschichte, die einen zwangsläufig aufmerksam werden ließ. Der Bandboss schlüpfte dabei ständig in passende Kostüme, um die entsprechende Ära des performten Songs wieder auferstehen zu lassen. So z.B. deutlich bei „School’s out“ zu erkennen, wo der Gute im weißen Frack mit Zylinder und Degen bewaffnet auftrat und riesige, mit Konfetti gefüllte Ballons ins Publikum feuerte. Diese kamen zum Ende des Songs zu ihm zurück, so dass der Degen sie zum Platzen bringen konnte, überall Konfetti und begeisterte Fans. Ebenso wie die Kleidung änderte sich das Make-up. Je nach den Phasen seiner Karriere bekam man das passende Gesicht zum Song. Erwähnenswert ist zudem, dass der Frontmann nicht knauserig mit seinen Fans war und allerhand Souvenirs in die Menge warf (sein Zepter, Ketten…). Alles in allem ein schwer zu überbietender Auftritt. Ich bin immer noch begeistert!

Die Show von Deep Purple fiel deutlich unspektakulärer aus. Bis auf die großen, bunten Leinwände im Hintergrund gab es wenig. Gewöhnungsbedürftig war auch der gerade vorher noch ausgerollte und penibel gesaugte Teppich auf der Bühne. Deep Purple ist aber offenbar eine Band, die es sich leisten kann einen Teppich auslegen zu lassen, wenn der Sänger barfuss über die Bühne stolzieren möchte.

Nicht ganz so dynamisch wie die Begleitband von Alice Cooper gingen dann die alten Herren zu Werke. Um fair zu bleiben muss man jedoch dazu sagen, dass Alice Cooper erfolgreicher Solo-Künstler ist und dass es den Leuten relativ egal ist, wer die Gitarre spielt. So kann Alice sich junge Musiker suchen, die mit ihm auf der Bühne Gas geben.

Bei Deep Purple sieht das alles anders aus. Jon Lord und Ritchie Blackmore fehlen. Was bei Alice Cooper egal ist, fällt bei Deep Purple durchaus ins Gewicht. So habe ich also viel Verständnis, wenn im Hause DP etwas sanfter gerockt wird, freue ich mich doch, die überhaupt noch erleben zu dürfen. Und siehe da, wenn man nicht viel erwartet, bekommt man viel: Voller Spielfreude rocken die „Jungs“ los und scheuen sich auch nicht neues Material zu präsentieren. Dass jedoch auch Klassiker, wie „Highway Star“ gespielt werden, stört selbstverständlich niemanden. Schön zu sehen und hören ist auch das Gitarrensolo „Contact Lost“. Richtig beeindruckend geht Keyboarder Don Airey bei seinem Solo zu Werke. Airey, der schon mit allen bekannten Rock- und Metal-Größen gearbeitet hat (viele Wissen es nicht, aber Don Airey hat auf dem Judas Priest-Klassiker „Painkiller“ mitgespielt, ebenso auf „Angel of Retribution“ und „Demolition“, zudem war er bei Glenn Tiptons Solo-Album dabei, außerdem bei einem Song von Bruce Dickinson, nicht zu vergessen ein Mitwirken bei u.a. Rainbow, Michael Schenker, Uli Jon Roth, Black Sabbath, Cozy Powell, Gary Moore, UFO, Jethro Tull, Thin Lizzy, Paul Di’ Anno und Lea Hart, Whitesnake, Brian May von Queen und Ozzy Osbourne - der Mann ist eine Legende!) zeigt allen, was er drauf hat.

Obwohl eigentlich kein Klassiker fehlte (sogar „Ted the Mechanic“ war dabei - yeah!), habe ich „Sometimes I feel like Screaming“ vermisst, denn auf den vorangegangenen Konzerten hatte man dies gespielt, schade drum. Dass „Child in Time“ fehlte war natürlich keine Überraschung. Also lieber kein „Child in Time“ und dafür eine gesangliche Katastrophe vermeiden. Kann man mit leben.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass Deep Purple ordentlich abgeräumt haben, auch wenn das Publikum sehr ruhig war (viele waren schließlich so alt, wie die Musiker selbst… oder mit ihren Kindern da, eventuell sogar Enkelkindern?). Eine immer noch sehr spielfreudige Band, die sich gar nicht von den Fans losreißen konnte (allen voran Roger Glover). Und mal ehrlich… wer braucht den durchgeknallten Ritchie Blackmore, wenn man einen Zauberer wie Steve Morse dabei hat und was soll Jon Lord dort, wenn eine lebende Legende wie Don Airey auf der Bühne steht?



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