Deep Purple & Alice Cooper - Rock Opas?
Anfang Februar 2006 gaben sich Alice Cooper und Deep Purple in der Kieler Ostseehalle die Ehre.
Die
Anreise nach Kiel war mit einigen Hindernissen verbunden, als diese
jedoch aus dem Weg geräumt waren, marschierte ich in die Halle, wo
bereits die Vor-Vorband Mad Max spielte, schöner White Rock. Schon kurz
darauf kam Alice Cooper auf die Bühne. Dass man in diesem Falle
überhaupt noch von Vorband sprechen kann, wage ich zu bezweifeln, denn
der gute Alice rockte die Bude.
Alice Cooper (und seine junge
dynamische Band) präsentierte ein wahres Klassiker-Programm, das sicher
jeden glücklich gemacht hat. Schön anzusehen war das Ganze zudem auch
noch. Alice kam mit seinem Zepter auf die Bühne stolziert. Dies wurde
bereits kurz darauf zweckentfremdet, so dass es als Handstock und
danach als Blindenstock diente, Herr Cooper mag also Scherze über sein
Alter. Der einzige Scherz zu diesem Thema sollte das übrigens nicht
bleiben, denn beim Song „I’m eighteen“ kam der Frontmann mit einer
Krücke auf die Bühne.
Neben den musikalischen Klassikern, wie
z.B. „Only Women bleed“, „Welcome to my Nightmare“, „The Black Widow“,
„Poison“ und „School’s out“, ist eine Alice Cooper Bühnenshow auch anno
2006 noch ein Erlebnis. Diverse Schauspieler, die Bandkollegen und
natürlich Alice selbst erzählten praktisch eine Geschichte, die einen
zwangsläufig aufmerksam werden ließ. Der Bandboss schlüpfte dabei
ständig in passende Kostüme, um die entsprechende Ära des performten
Songs wieder auferstehen zu lassen. So z.B. deutlich bei „School’s out“
zu erkennen, wo der Gute im weißen Frack mit Zylinder und Degen
bewaffnet auftrat und riesige, mit Konfetti gefüllte Ballons ins
Publikum feuerte. Diese kamen zum Ende des Songs zu ihm zurück, so dass
der Degen sie zum Platzen bringen konnte, überall Konfetti und
begeisterte Fans. Ebenso wie die Kleidung änderte sich das Make-up. Je
nach den Phasen seiner Karriere bekam man das passende Gesicht zum
Song. Erwähnenswert ist zudem, dass der Frontmann nicht knauserig mit
seinen Fans war und allerhand Souvenirs in die Menge warf (sein Zepter,
Ketten…). Alles in allem ein schwer zu überbietender Auftritt. Ich bin
immer noch begeistert!
Die Show von Deep Purple fiel deutlich
unspektakulärer aus. Bis auf die großen, bunten Leinwände im
Hintergrund gab es wenig. Gewöhnungsbedürftig war auch der gerade
vorher noch ausgerollte und penibel gesaugte Teppich auf der Bühne.
Deep Purple ist aber offenbar eine Band, die es sich leisten kann einen
Teppich auslegen zu lassen, wenn der Sänger barfuss über die Bühne
stolzieren möchte.
Nicht ganz so dynamisch wie die Begleitband
von Alice Cooper gingen dann die alten Herren zu Werke. Um fair zu
bleiben muss man jedoch dazu sagen, dass Alice Cooper erfolgreicher
Solo-Künstler ist und dass es den Leuten relativ egal ist, wer die
Gitarre spielt. So kann Alice sich junge Musiker suchen, die mit ihm
auf der Bühne Gas geben.
Bei Deep Purple sieht das alles
anders aus. Jon Lord und Ritchie Blackmore fehlen. Was bei Alice Cooper
egal ist, fällt bei Deep Purple durchaus ins Gewicht. So habe ich also
viel Verständnis, wenn im Hause DP etwas sanfter gerockt wird, freue
ich mich doch, die überhaupt noch erleben zu dürfen. Und siehe da, wenn
man nicht viel erwartet, bekommt man viel: Voller Spielfreude rocken
die „Jungs“ los und scheuen sich auch nicht neues Material zu
präsentieren. Dass jedoch auch Klassiker, wie „Highway Star“ gespielt
werden, stört selbstverständlich niemanden. Schön zu sehen und hören
ist auch das Gitarrensolo „Contact Lost“. Richtig beeindruckend geht
Keyboarder Don Airey bei seinem Solo zu Werke. Airey, der schon mit
allen bekannten Rock- und Metal-Größen gearbeitet hat (viele Wissen es
nicht, aber Don Airey hat auf dem Judas Priest-Klassiker „Painkiller“
mitgespielt, ebenso auf „Angel of Retribution“ und „Demolition“, zudem
war er bei Glenn Tiptons Solo-Album dabei, außerdem bei einem Song von
Bruce Dickinson, nicht zu vergessen ein Mitwirken bei u.a. Rainbow,
Michael Schenker, Uli Jon Roth, Black Sabbath, Cozy Powell, Gary Moore,
UFO, Jethro Tull, Thin Lizzy, Paul Di’ Anno und Lea Hart, Whitesnake,
Brian May von Queen und Ozzy Osbourne - der Mann ist eine Legende!)
zeigt allen, was er drauf hat.
Obwohl eigentlich kein
Klassiker fehlte (sogar „Ted the Mechanic“ war dabei - yeah!), habe ich
„Sometimes I feel like Screaming“ vermisst, denn auf den
vorangegangenen Konzerten hatte man dies gespielt, schade drum. Dass
„Child in Time“ fehlte war natürlich keine Überraschung. Also lieber
kein „Child in Time“ und dafür eine gesangliche Katastrophe vermeiden.
Kann man mit leben.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass
Deep Purple ordentlich abgeräumt haben, auch wenn das Publikum sehr
ruhig war (viele waren schließlich so alt, wie die Musiker selbst… oder
mit ihren Kindern da, eventuell sogar Enkelkindern?). Eine immer noch
sehr spielfreudige Band, die sich gar nicht von den Fans losreißen
konnte (allen voran Roger Glover). Und mal ehrlich… wer braucht den
durchgeknallten Ritchie Blackmore, wenn man einen Zauberer wie Steve
Morse dabei hat und was soll Jon Lord dort, wenn eine lebende Legende
wie Don Airey auf der Bühne steht?
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