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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 26

Die Casting-Shows rocken (schon wieder)!

Wah! Nu Pagadi! Hat die noch einer im Hinterkopf? Diese In Extremo-für-Arme-Nachmache von der Casting-Show "Popstars". War das schrecklich, da hat der Metal-Fan nur gelacht, weil die Bandmitglieder ganz offensichtlich keine Metaller waren, aber nun kam's anders, denn der "Gecastete" bei "Deutschland sucht den Superstar" muss seine Rolle nicht spielen. Da wird's dem Metaller unheimlich.

Alright, James Hetfield- äh… Tobias Regner hat das Rennen gemacht! Keine Ahnung, was ich da jetzt von halten soll, ist mir aber auch relativ egal, da ich in Zukunft nicht vor habe, der Musik des Gewinners zu frönen. Jedoch möchte ich betonen, dass ich nicht einer von diesen True Metallern bin, die dem Tobias seine Teilnahme bei Bohlens Sendung so übel nehmen und ihn dafür hassen und SOGAR für total "untrue" erklären.

Gerade heute kam RTL wieder in irgendeiner Boulevard-Sendung mit ihren hausgemachten Schlagzeilen: Tobias hat gewonnen, unglaublich! Einer der Kandidaten hat tatsächlich gewonnen! Gibt's doch gar nicht! Und dann auch noch der Rocker! Ich muss mich erstmal setzen!

Ganz verwunderlich ist das ja nun nicht, schließlich ist Rock im Moment ja nicht wirklich "out", warum also nicht mal einen Rocker vermarkten, der offenbar sogar im richtigen Leben einer ist. Das Ganze könnte sogar authentisch wirken, wenn unser strahlender Sieger nicht ausgerechnet und unglücklicherweise mit Dieter Bohlen in Kontakt stehen würde. Schade drum, denn das, was Herr Regner vermutlich gerne machen würde (nämlich harte Musik) kann er sich jetzt wohl erstmal in die Haare schmieren. Vermutlich steht er auch bei allen "Vollblut-Metallern" nicht hoch im Kurs (und da solche Herren nachtragend sind, wird das auch auf immer und ewig so bleiben). Selbiges Schicksal teilt auch "Star Search"-Gewinner (noch so eine Sendung, wie viele gibt's eigentlich davon!?) Martin Kesici. Der hat sich's nämlich mit den ganz "Truen" ein für alle mal verscherzt. Nicht nur hat er bei einer Casting-Show für Pop-Flittchen mitgemacht, nein, er hat auch noch gewonnen (und das einfach mal so, weil er nix besseres zu tun hatte). Klar, dass erstmal jeder das kurz darauf erschienene "Soft-Rock-Album" ignoriert und boykottiert. Dass das zweite Album - laut Fachpresse - schon wesentlich härter klingt, interessiert schon lange keinen mehr, schließlich hat Martin Kesici, gennant Emkay, sich in Metaller-Kreisen praktisch "strafbar" gemacht. Da hilft's auch wenig, dass Emkay zusammen mit der ex-Nightwish-Sängerin Tarja Turunen (die ja schon ein bisschen true ist, obwohl sie mit ihrer Band auch kommerziell erfolgreich war…) einen Song aufnehmen durfte. In gut sortierten Metal-Shops ist diese Single zwar zu haben, wird aber wohl ein Ladenhüter bleiben, sofern kein Hardcore-Nightwish-Fan vorbeikommt, der ALLES von der Band haben will und auch dafür Geld übrig hat. Tja, dumm gelaufen. Von dem ganzen Spott lässt sich Martin Kesici jedoch nicht unterkriegen und tritt 2005 auf dem Wacken Open Air als "Surprise Act" auf. Da mit dem nun natürlich kein Metaller gerechnet hat, ist die Überraschung wohl gelungen, jedoch beginnt schon kurz darauf das Lästern über den Veranstalter - wie kann er nur?

Emkay müht sich also auf der Bühne mit seiner Band ab, bekommt aber nur die Rücken, Mittelfinger und vereinzelt auch die entblößten Hinterteile der Besucher zu sehen, die Show zieht er trotzdem durch. Wer ist nun also der Harte?

Am Rande bemerkt möchte ich noch hinzufügen, dass ich den Auftritt auf dem Wacken Open Air nicht verfolgt habe, wohl aber immer wieder Reaktionen auf die Nachricht, dass er spielt gehört und mitbekommen habe. Pures Entsetzen, so schockt man Metaller. Und wenn die Sache nun so aussieht, dass Emkay kommerziell nun wirklich nicht besonders erfolgreich ist (SAT 1 will schon lange nix mehr von dem wissen, denke ich), könnte man vielleicht auch mal riskieren in eine neuere Platte reinzuhören, schließlich ist unser "Popstar" nicht mehr so sehr an Vorgaben vom Sender/Produzenten gebunden und kann offenbar auch mal härter zu Werke gehen.

Das war nun ein kleiner Exkurs, zurück zu Tobias. Wie exemplarisch ja schon am Beispiel Emkay dargestellt kann sich Tobias wohl schon mal von Anerkennung durch die Metal- und Rock-Szene verabschieden. Sollte es mit der ganz großen Karriere also nicht klappen (Rock wird schließlich nicht ewig "in" bleiben) kann man ihm nur empfehlen sein Geld, von dem er im Moment nicht unbedingt wenig verdient (laut RTL 3.000 € für eine Autogrammstunde und etwa 450.000 Verdienst im ersten Monat), gut anzulegen.

So, dann, alles Gute, Tobias und lass' dich von den Metallern nicht unterkriegen, die sind nun mal so, aber das weißt du ja und den Bohlen-Song (na ja, eigentlich von den "Backstreet Boys"-Schreiberlingen Peter Wright und Jess Cates zusammengebraut), den du da singen musst findest du selber bestimmt auch Scheiße, oder?


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