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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 32

Headbanger's Open Air 2006


Am 14. und 15.7.2006 fand das bereits neunte Headbanger’s Open Air statt. Mit von der Partie waren wieder zahlreiche Underground-Bands, so wie echte Szenegrößen - dazu später mehr.

Nachdem ich 2002 zum ersten Mal auf dem HOA war und 2003 zum vorerst letzten Mal, musste ich in diesem Jahr feststellen, dass das Festival um einiges größer geworden war. Das Ganze fand zwar immer noch in netter Garten-Atmosphäre auf einem Privatgrundstück statt, allerdings mit weitaus mehr Besuchern. Da der Platz rund um ein Wohnhaus und auf einem Feld, das als Campingplatz diente natürlich begrenzt ist, wurden die Tickets auf 1.000 Stück limitiert.

Angefangen mit den Stoner Rockern von Sheavy, die soweit ganz nett waren, aber nicht unbedingt so klangen, wie ich mir Stoner Rock vorstelle, ziemlich doomig, wie auch die Band selbst viele Songs nannte, begann für mich das HOA ein wenig verspätet. Was diese Band nun letztendlich für Musik produzierte, ist ja auch völlig egal, Hauptsache es hat gerockt, verdammtes Schubladendenken!

Weiter ging’s zur Prime-Time um 20.15 Uhr mit Icarus Witch, dessen Video „Capture the Magic“ ich bereits auf deren Homepage gesehen hatte. Ein schöner Ohrwurm, der auch live sehr, sehr schön zu hören war. Der oft ein wenig diabolisch dreinblickende Frontman wusste jedoch auch mit einem Cover des Judas Priest-Klassikers „The Ripper“ stimmlich zu überzeugen. Den Song widmete er übrigens dem Besitzer des auf dem Campingplatz stehenden Judas Priest-Vans (ein Ami-Van mit Judas Priest-Aufklebern und zur „Krönung“ einem großen, hölzernen Judas Priest-Symbol auf’m Dach).

Nach Icarus Witch durfte man dann natürlich nicht die exotischen Klänge von den verrückten Finnen Korpiklaani verpassen. Diese sorgten nicht nur für Abwechslung, sondern auch für viel Spaß. Lustiger Folk-Metal (mit Geige und Akkordeon), der zum Tanzen einlädt - mit ein wenig Alkohol im Blut sicher noch besser.
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Das Gegröle von Holy Moses hab ich mir dann erstmal gespart.

Für mich ging’s mit der Iron Maiden-Coverband Powerslave weiter, dessen Sänger kein geringerer als Henning Basse von Metalium ist. Die Band und die Iron Maiden-Klassiker, wie „Aces High“, „2 Minutes to Midnight“ und „Fear of the Dark“, wurden begeistert abgefeiert. Bemerkenswert ist hierbei, dass Iron Maiden-Songs zwar euphorische Reaktionen hervorrufen, keiner im Publikum jedoch so sehr abdreht, dass es andere stört. Es geht vermutlich nirgendwo in einem Publikum freundlicher und rücksichtsvoller zu, als auf dem Headbanger’s Open Air - friedliches Feiern mit Leuten im Arm, die man überhaupt nicht kennt.

Der Samstag startete mit Tales of Horror und setzte sich gegen 15.00 Uhr Richtung Nachmittag mit den Amerikanern Miles Beyond fort.

Eigentlich wollte ich mir gegen 17.15 Uhr Metal Inquisitor ansehen, jedoch war es mir wichtiger zur Praying Mantis-Autogrammstunde zu erscheinen. Als Erster, jedoch später nicht Einziger, wartete ich auf die Band und insbesondere natürlich die Gründungsmitglieder und Brüder Chris und Tino Troy. Als diese zusammen mit den neuen Mitgliedern Mike Freeland (Gesang) und Benji Reid (Schlagzeug) kamen (gefolgt von einem etwas verspäteten Keyboarder Leon Lawson), ging ich sofort begeistert auf die Troy-Brüder zu und fragte nach ein paar Autogrammen. Ich hatte die meisten meiner Praying Mantis-CD-Booklets mitgenommen, versicherte der Band aber, sie müsse nicht den ganzen Kram signieren, da es schließlich auch spannendere Dinge gibt, als ständig und immer wieder seinen eigenen Namen zu schreiben. Bevor Chris und Tino jedoch mit dem Schreiben loslegten, übergab ich den beiden noch eine Karikatur der Band, die ich vor einiger Zeit gezeichnet hatte. Diese ist auch auf der Homepage praying-mantis.com zu sehen. Die beiden Brüder amüsierten sich über ihre gezeichneten Ebenbilder und begannen damit CDs zu signieren. Und was soll ich sagen - sie haben alles für mich signiert, sogar die Bootlegs. Mit dem Text „To Tim - best wishes“, der nun auf zwei meiner CDs steht, werde ich sicher eine schöne Erinnerung an dieses Treffen haben.

Dann ging’s zu Metal Inquisitor, die ich mir gerade noch mit „Take Revenge“ zu Ende ansehen konnte. Nach Metal Inquisitor dann gleich wieder zum „Meet & Greet“-Stand, wo auch kurz darauf Metal Church aufschlugen. Trotz „Stiftnot“ in bester „Signierlaune“.

Um bei Praying Mantis auch rechtzeitig in der ersten Reihe anzukommen, begab ich mich schon während des Auftritts von Ulysses Siren recht dicht vor die Bühne. Ulysses Siren konnten mit einem Sänger, der wirklich alles gab, und ihrem Old School-Sound die Menge überzeugen. Praying Mantis stellten dazu - wie auch von Gitarrist Tino Troy am Anfang der Show bemerkt - einen regelrechten Kontrast dar.

Begonnen wurde das Praying Mantis-Set mit dem Klassiker „Panic in the Streets“, der von Tino gesungen wurde. Erst beim zweiten Song „Can’t see the Angels“, wurde Sänger Mike Freeland als das neueste Mitglied von Praying Mantis begrüßt. Dieser lieferte eine souveräne Gesangsleistung ab, wobei auch hie und da mal ein Fehler auftrat. Fortgesetzt wurde der Auftritt mit Songs, wie „A Cry for the new World“ und „Best Years“. Die Halbballade „Lovers to the Grave“ (gesungen von Chris und Tino Troy), stellte ein besonderes Highlight dar, unglaublich atmosphärisch zeigte die Band, was einen großartigen Song ausmacht. Der bald darauf folgende Song „Rise up again“ wurde durch ein kurz eingespieltes Queen’sches „We will rock you“ und einem sehr innovativen Drum-Solo (ein Stick im Mund, ein Stick in der Hand und getrommelt mit Stick und Handfläche) wundervoll in die Länge gezogen. Die Band verließ die Bühne, Chris warf noch sein Bass-Plektrum in meine Richtung (ich war selten so froh, irgendwas gefangen zu haben) und schon war klar, dass noch nicht Schluss sein konnte. Also dauerte es nicht lange, bis die Band wieder zurück auf der Bühne war und den Klassiker „Children of the Earth“ anstimmte. Ein mehr als großartiger Auftritt!

Noch völlig euphorisch konnte ich mir dann Metal Church und damit auch Klassiker, wie „Ton of Bricks“ und „Watch the Children pray“ anhören. Zum Schluss wurde der Deep Purple-Klassiker „Highway Star“ sehr eigenwillig gecovert. Schöner Auftritt auch!

Mit einer leichten Verzögerung aufgrund eines defekten Drum-Stuhls, legten dann die Vier von Girl School los. Solider Auftritt, der einen wahren Kontrast zu den von Männern dominierten vorangegangenen Auftritten darstellte.

Beendet wurde das Headbanger’s Open Air dann abermals (wie 2003) von Blitzkrieg. Alles in allem ein sehr lohnenswertes Festival, das nicht nur tolle Bands, sondern auch eine sehr freundliche Atmosphäre zu bieten hat. Zwischen jungen und alten Metallern und Rock-Fans, laufen Hunde, Kinder und offenbar auch Familienmitglieder des Veranstalters - und jeder hat seinen Spaß. Was will man mehr?
 



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