Am
14. und 15.7.2006 fand das bereits neunte Headbanger’s Open Air statt.
Mit von der Partie waren wieder zahlreiche Underground-Bands, so wie
echte Szenegrößen - dazu später mehr.
Nachdem ich 2002 zum
ersten Mal auf dem HOA war und 2003 zum vorerst letzten Mal, musste ich
in diesem Jahr feststellen, dass das Festival um einiges größer
geworden war. Das Ganze fand zwar immer noch in netter
Garten-Atmosphäre auf einem Privatgrundstück statt, allerdings mit
weitaus mehr Besuchern. Da der Platz rund um ein Wohnhaus und auf einem
Feld, das als Campingplatz diente natürlich begrenzt ist, wurden die
Tickets auf 1.000 Stück limitiert.
Angefangen mit den Stoner
Rockern von Sheavy, die soweit ganz nett waren, aber nicht unbedingt so
klangen, wie ich mir Stoner Rock vorstelle, ziemlich doomig, wie auch
die Band selbst viele Songs nannte, begann für mich das HOA ein wenig
verspätet. Was diese Band nun letztendlich für Musik produzierte, ist
ja auch völlig egal, Hauptsache es hat gerockt, verdammtes
Schubladendenken!
Weiter ging’s zur Prime-Time um 20.15 Uhr
mit Icarus Witch, dessen Video „Capture the Magic“ ich bereits auf
deren Homepage gesehen hatte. Ein schöner Ohrwurm, der auch live sehr,
sehr schön zu hören war. Der oft ein wenig diabolisch dreinblickende
Frontman wusste jedoch auch mit einem Cover des Judas Priest-Klassikers
„The Ripper“ stimmlich zu überzeugen. Den Song widmete er übrigens dem
Besitzer des auf dem Campingplatz stehenden Judas Priest-Vans (ein
Ami-Van mit Judas Priest-Aufklebern und zur „Krönung“ einem großen,
hölzernen Judas Priest-Symbol auf’m Dach).
Nach Icarus Witch
durfte man dann natürlich nicht die exotischen Klänge von den
verrückten Finnen Korpiklaani verpassen. Diese sorgten nicht nur für
Abwechslung, sondern auch für viel Spaß. Lustiger Folk-Metal (mit Geige
und Akkordeon), der zum Tanzen einlädt - mit ein wenig Alkohol im Blut
sicher noch besser.

Das Gegröle von Holy Moses hab ich mir dann erstmal gespart.
Für
mich ging’s mit der Iron Maiden-Coverband Powerslave weiter, dessen
Sänger kein geringerer als Henning Basse von Metalium ist. Die Band und
die Iron Maiden-Klassiker, wie „Aces High“, „2 Minutes to Midnight“ und
„Fear of the Dark“, wurden begeistert abgefeiert. Bemerkenswert ist
hierbei, dass Iron Maiden-Songs zwar euphorische Reaktionen
hervorrufen, keiner im Publikum jedoch so sehr abdreht, dass es andere
stört. Es geht vermutlich nirgendwo in einem Publikum freundlicher und
rücksichtsvoller zu, als auf dem Headbanger’s Open Air - friedliches
Feiern mit Leuten im Arm, die man überhaupt nicht kennt.
Der
Samstag startete mit Tales of Horror und setzte sich gegen 15.00 Uhr
Richtung Nachmittag mit den Amerikanern Miles Beyond fort.
Eigentlich
wollte ich mir gegen 17.15 Uhr Metal Inquisitor ansehen, jedoch war es
mir wichtiger zur Praying Mantis-Autogrammstunde zu erscheinen. Als
Erster, jedoch später nicht Einziger, wartete ich auf die Band und
insbesondere natürlich die Gründungsmitglieder und Brüder Chris und
Tino Troy. Als diese zusammen mit den neuen Mitgliedern Mike Freeland
(Gesang) und Benji Reid (Schlagzeug) kamen (gefolgt von einem etwas
verspäteten Keyboarder Leon Lawson), ging ich sofort begeistert auf die
Troy-Brüder zu und fragte nach ein paar Autogrammen. Ich hatte die
meisten meiner Praying Mantis-CD-Booklets mitgenommen, versicherte der
Band aber, sie müsse nicht den ganzen Kram signieren, da es schließlich
auch spannendere Dinge gibt, als ständig und immer wieder seinen
eigenen Namen zu schreiben. Bevor Chris und Tino jedoch mit dem
Schreiben loslegten, übergab ich den beiden noch eine Karikatur der
Band, die ich vor einiger Zeit gezeichnet hatte. Diese ist auch auf der
Homepage praying-mantis.com zu sehen. Die beiden Brüder amüsierten sich
über ihre gezeichneten Ebenbilder und begannen damit CDs zu signieren.
Und was soll ich sagen - sie haben alles für mich signiert, sogar die
Bootlegs. Mit dem Text „To Tim - best wishes“, der nun auf zwei meiner
CDs steht, werde ich sicher eine schöne Erinnerung an dieses Treffen
haben.
Dann ging’s zu Metal Inquisitor, die ich mir gerade
noch mit „Take Revenge“ zu Ende ansehen konnte. Nach Metal Inquisitor
dann gleich wieder zum „Meet & Greet“-Stand, wo auch kurz darauf
Metal Church aufschlugen. Trotz „Stiftnot“ in bester „Signierlaune“.
Um
bei Praying Mantis auch rechtzeitig in der ersten Reihe anzukommen,
begab ich mich schon während des Auftritts von Ulysses Siren recht
dicht vor die Bühne. Ulysses Siren konnten mit einem Sänger, der
wirklich alles gab, und ihrem Old School-Sound die Menge überzeugen.
Praying Mantis stellten dazu - wie auch von Gitarrist Tino Troy am
Anfang der Show bemerkt - einen regelrechten Kontrast dar.
Begonnen
wurde das Praying Mantis-Set mit dem Klassiker „Panic in the Streets“,
der von Tino gesungen wurde. Erst beim zweiten Song „Can’t see the
Angels“, wurde Sänger Mike Freeland als das neueste Mitglied von
Praying Mantis begrüßt. Dieser lieferte eine souveräne Gesangsleistung
ab, wobei auch hie und da mal ein Fehler auftrat. Fortgesetzt wurde der
Auftritt mit Songs, wie „A Cry for the new World“ und „Best Years“. Die
Halbballade „Lovers to the Grave“ (gesungen von Chris und Tino Troy),
stellte ein besonderes Highlight dar, unglaublich atmosphärisch zeigte
die Band, was einen großartigen Song ausmacht. Der bald darauf folgende
Song „Rise up again“ wurde durch ein kurz eingespieltes Queen’sches „We
will rock you“ und einem sehr innovativen Drum-Solo (ein Stick im Mund,
ein Stick in der Hand und getrommelt mit Stick und Handfläche)
wundervoll in die Länge gezogen. Die Band verließ die Bühne, Chris warf
noch sein Bass-Plektrum in meine Richtung (ich war selten so froh,
irgendwas gefangen zu haben) und schon war klar, dass noch nicht
Schluss sein konnte. Also dauerte es nicht lange, bis die Band wieder
zurück auf der Bühne war und den Klassiker „Children of the Earth“
anstimmte. Ein mehr als großartiger Auftritt!
Noch völlig
euphorisch konnte ich mir dann Metal Church und damit auch Klassiker,
wie „Ton of Bricks“ und „Watch the Children pray“ anhören. Zum Schluss
wurde der Deep Purple-Klassiker „Highway Star“ sehr eigenwillig
gecovert. Schöner Auftritt auch!
Mit einer leichten
Verzögerung aufgrund eines defekten Drum-Stuhls, legten dann die Vier
von Girl School los. Solider Auftritt, der einen wahren Kontrast zu den
von Männern dominierten vorangegangenen Auftritten darstellte.
Beendet
wurde das Headbanger’s Open Air dann abermals (wie 2003) von
Blitzkrieg. Alles in allem ein sehr lohnenswertes Festival, das nicht
nur tolle Bands, sondern auch eine sehr freundliche Atmosphäre zu
bieten hat. Zwischen jungen und alten Metallern und Rock-Fans, laufen
Hunde, Kinder und offenbar auch Familienmitglieder des Veranstalters -
und jeder hat seinen Spaß. Was will man mehr?