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Die neue Iron Maiden - ich bin überfordert.
Das
Erscheinen eines neuen Iron Maiden Albums - für mich immer ein
Großereignis - kündigte sich diesmal ziemlich plötzlich an. Im Studio
brauchten die Herren etwa zwei Monate weniger und so konnte es mit der
Veröffentlichung bereits Ende August 06 losgehen. Auch nicht schlecht,
bei den meisten Bands ist's andersherum, siehe Extremfall "Guns ´n'
Roses".
Iron Maiden, die sich nicht scheuen vorab das Internet
für Promotion zu nutzen, stellten das Video der ersten Single "The
Reincarnation of Benjamin Breeg" schon relativ früh online. Bald darauf
gab der Song "Different World" als Audio-Stream einen weiteren
Vorgeschmack auf das kommende Album "A Matter of Life and Death".
Soweit so gut, klingt alles nach typischen Iron Maiden des neuen Jahrtausends.
Hier
ist es nun also, das neue Album, noch nicht mal eine Woche in meinem
CD-Regal und ich muss gestehen: Ich bin noch ein wenig überfordert.
Während
beim Vor- und Vor-vorgänger ("Dance of Death" und "Brave new World")
der größte Teil der Songs sofort zündete, brauchen auf dem neuen Output
einige Stücke wesentlich länger. Der Opener und bereits erwähnte Track
"Different World" ist mit seinen 4.17 Minuten der kürzeste Song auf dem
Album und legt auch gut in der Tradition von "Wildest Dreams" und "The
Wicker Man", meinetwegen auch "Futureal", los - schnell mit schöner
Melodie. Gleich danach wird's aber schon zum ersten Mal etwas epischer.
"These Colours don't run" behandelt - wie alle Stücke auf dem Album -
das Thema Krieg. Das Ganze textlich zu durchdringen kann sicher durch
Zuhilfenahme einer Iron Maiden-Fanpage sehr erleichtert werden. Ich
bevorzuge allerdings die harte Tour und stehe daher noch ein wenig im
Dunkeln, um welchen Kriege es im Einzelnen geht. Allerdings nehme ich
an, dass es sich bei Track 02 um ein allgemeines Statement handelt, das
auf so ziemlich jeden Krieg zwischen verschiedenen Ländern zutrifft:
Krieg = Tod, Grauen und Soldaten, die von den Mächtigen ins Verderben
geschickt werden ohne am Ende einen Grabstein mit dem eigenen Namen zu
bekommen - grob gesagt.
Mit "Brighter than a thousand Suns"
steigert sich die Spielzeit nochmals, diesmal auf 8.44 Minuten. Mein
Verdacht hierzu: 11. September und die Folgen, es kann praktisch nicht
anders sein ("on it's Tower, ready for the Fall" - um nur einen Hint zu
geben). Musikalisch offenbart sich hier nun ganz deutlich das, was mich
überfordert. Zunächst ein ruhiger und langsamer Anfang, dann ein wenig
schneller, dann wieder langsam und dann Volldampf, dann kurz langsam,
dann wieder so schnell, dass der Fuß nicht mal mitwippen kann. Schlecht
ist das nicht, nur leider hat der Hörer mit einem ständigen hin und her
zu kämpfen. Kein "straight ahead"-Song, der bei einer Spieldauer von
vier bis fünf Minuten zeigt, wo der Hammer hängt. Es bleibt episch. Das
gilt auch - und besonders - für das finale "The Legacy" (9.20 Minuten!)
und den Mittelteil "The longest Day". Eine Ausnahme macht da noch mal
"The Pilgrim" mit seinen 5.07 Minuten und einer eher flotten
Herangehensweise, sowie der schon als Ballade durchgehende Song "Out of
the Shadows", der nicht wesentlich länger ist.
Die bereits
erwähnte erste Single "The Reincarnation of Benjamin Breeg" ist
natürlich auch in voller Länge vertreten und weiß mit einem mächtigen
Groove zu überzeugen, kein hin und her, wie bei "Brighter than a
thousand Suns", einfach eine schöne Midtempo-Nummer, wie man sie von
Iron Maiden kennt. Die perfekte Wahl für eine Single? Nicht unbedingt.
Aufgrund der Länge (7.21 Minuten) eher eine ungewöhnliche Wahl, vor
allem weil der Song in dieser Form zu lang für die britischen Charts
ist und dies verwundern mag, da Iron Maiden nun mal von der Insel
kommen und dort auch durchaus schon einige Erfolge gefeiert haben. Die
eisernen Jungfrauen interessiert das offenbar nicht die Bohne. Warum
auch? Nun ja… vielleicht weil Chartpositionen Plattenfirmen
interessieren, in Spanien konnte man z.B. einen grandiosen ersten Platz
einfahren. Nicht nur das verdeutlicht den Status von Iron Maiden, auch
die Konsequenz eine 7-Minuten-Single herauszubringen, kann als gewisse
Macht über die Plattenfirma EMI gedeutet werden. Die Urgesteine des
Heavy Metal können scheinbar machen, was sie wollen, es wird auch noch
zu Gold.
Zurück zum Album, wo sich nach "Benjamin Breeg" (fragt
mich nicht wer das ist, das weiß ich noch nicht) "For the greater Good
of God" mit seinen 9.24 Minuten ankündigt. Ein wenig vergleichbar mit
dem Song "Dance of Death", aber doch irgendwie abwechslungsreicher, ob
nun im positiven oder negativen Sinne, lasse ich mal unbeantwortet im
Raum stehen. Beim vorletzten Stück "Lord of Light" gibt's dann noch mal
Atmosphäre ohne Ende, aber auch wieder das bereits mehrmals erwähnte
Schwanken zwischen schnell und langsam.
"A Matter of Life and
Death" benötigt definitiv Zeit. Mit dem ersten Hören ist es nicht
getan, die CD muss schon rotieren, damit man überhaupt alle enthaltenen
Details mitbekommt. Das Album unterscheidet sich stark vom Vorgänger
"Dance of Death", auf dem die Hits reihenweise abgeliefert wurden und
zu wahren Ohrwürmern mutierten ("Wildest Dreams", "Rainmaker", No more
Lies", "New Frontier"…). Auch textlich geht es auf dem Neuling anders
zu. Das Thema ist "Krieg" und das erfordert beim interessierten Hörer
zum Textverständnis ein wenig Hintergrundwissen, wobei - wie schon
erwähnt - diverse Fanseiten für Abhilfe sorgen können.
Ich
persönlich werde der CD noch weitere Gänge durch meinen CD-Player
gönnen, so dass ich das Album dann auch demnächst vollkommen erfassen
und durchdringen kann. :)
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