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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 34
Die neue Iron Maiden - ich bin überfordert.

Das Erscheinen eines neuen Iron Maiden Albums - für mich immer ein Großereignis - kündigte sich diesmal ziemlich plötzlich an. Im Studio brauchten die Herren etwa zwei Monate weniger und so konnte es mit der Veröffentlichung bereits Ende August 06 losgehen. Auch nicht schlecht, bei den meisten Bands ist's andersherum, siehe Extremfall "Guns ´n' Roses".

Iron Maiden, die sich nicht scheuen vorab das Internet für Promotion zu nutzen, stellten das Video der ersten Single "The Reincarnation of Benjamin Breeg" schon relativ früh online. Bald darauf gab der Song "Different World" als Audio-Stream einen weiteren Vorgeschmack auf das kommende Album "A Matter of Life and Death".

Soweit so gut, klingt alles nach typischen Iron Maiden des neuen Jahrtausends.

Hier ist es nun also, das neue Album, noch nicht mal eine Woche in meinem CD-Regal und ich muss gestehen: Ich bin noch ein wenig überfordert.

Während beim Vor- und Vor-vorgänger ("Dance of Death" und "Brave new World") der größte Teil der Songs sofort zündete, brauchen auf dem neuen Output einige Stücke wesentlich länger. Der Opener und bereits erwähnte Track "Different World" ist mit seinen 4.17 Minuten der kürzeste Song auf dem Album und legt auch gut in der Tradition von "Wildest Dreams" und "The Wicker Man", meinetwegen auch "Futureal", los - schnell mit schöner Melodie. Gleich danach wird's aber schon zum ersten Mal etwas epischer. "These Colours don't run" behandelt - wie alle Stücke auf dem Album - das Thema Krieg. Das Ganze textlich zu durchdringen kann sicher durch Zuhilfenahme einer Iron Maiden-Fanpage sehr erleichtert werden. Ich bevorzuge allerdings die harte Tour und stehe daher noch ein wenig im Dunkeln, um welchen Kriege es im Einzelnen geht. Allerdings nehme ich an, dass es sich bei Track 02 um ein allgemeines Statement handelt, das auf so ziemlich jeden Krieg zwischen verschiedenen Ländern zutrifft: Krieg = Tod, Grauen und Soldaten, die von den Mächtigen ins Verderben geschickt werden ohne am Ende einen Grabstein mit dem eigenen Namen zu bekommen - grob gesagt.

Mit "Brighter than a thousand Suns" steigert sich die Spielzeit nochmals, diesmal auf 8.44 Minuten. Mein Verdacht hierzu: 11. September und die Folgen, es kann praktisch nicht anders sein ("on it's Tower, ready for the Fall" - um nur einen Hint zu geben). Musikalisch offenbart sich hier nun ganz deutlich das, was mich überfordert. Zunächst ein ruhiger und langsamer Anfang, dann ein wenig schneller, dann wieder langsam und dann Volldampf, dann kurz langsam, dann wieder so schnell, dass der Fuß nicht mal mitwippen kann. Schlecht ist das nicht, nur leider hat der Hörer mit einem ständigen hin und her zu kämpfen. Kein "straight ahead"-Song, der bei einer Spieldauer von vier bis fünf Minuten zeigt, wo der Hammer hängt. Es bleibt episch. Das gilt auch - und besonders - für das finale "The Legacy" (9.20 Minuten!) und den Mittelteil "The longest Day". Eine Ausnahme macht da noch mal "The Pilgrim" mit seinen 5.07 Minuten und einer eher flotten Herangehensweise, sowie der schon als Ballade durchgehende Song "Out of the Shadows", der nicht wesentlich länger ist.

Die bereits erwähnte erste Single "The Reincarnation of Benjamin Breeg" ist natürlich auch in voller Länge vertreten und weiß mit einem mächtigen Groove zu überzeugen, kein hin und her, wie bei "Brighter than a thousand Suns", einfach eine schöne Midtempo-Nummer, wie man sie von Iron Maiden kennt. Die perfekte Wahl für eine Single? Nicht unbedingt. Aufgrund der Länge (7.21 Minuten) eher eine ungewöhnliche Wahl, vor allem weil der Song in dieser Form zu lang für die britischen Charts ist und dies verwundern mag, da Iron Maiden nun mal von der Insel kommen und dort auch durchaus schon einige Erfolge gefeiert haben. Die eisernen Jungfrauen interessiert das offenbar nicht die Bohne. Warum auch? Nun ja… vielleicht weil Chartpositionen Plattenfirmen interessieren, in Spanien konnte man z.B. einen grandiosen ersten Platz einfahren. Nicht nur das verdeutlicht den Status von Iron Maiden, auch die Konsequenz eine 7-Minuten-Single herauszubringen, kann als gewisse Macht über die Plattenfirma EMI gedeutet werden. Die Urgesteine des Heavy Metal können scheinbar machen, was sie wollen, es wird auch noch zu Gold.

Zurück zum Album, wo sich nach "Benjamin Breeg" (fragt mich nicht wer das ist, das weiß ich noch nicht) "For the greater Good of God" mit seinen 9.24 Minuten ankündigt. Ein wenig vergleichbar mit dem Song "Dance of Death", aber doch irgendwie abwechslungsreicher, ob nun im positiven oder negativen Sinne, lasse ich mal unbeantwortet im Raum stehen. Beim vorletzten Stück "Lord of Light" gibt's dann noch mal Atmosphäre ohne Ende, aber auch wieder das bereits mehrmals erwähnte Schwanken zwischen schnell und langsam.

"A Matter of Life and Death" benötigt definitiv Zeit. Mit dem ersten Hören ist es nicht getan, die CD muss schon rotieren, damit man überhaupt alle enthaltenen Details mitbekommt. Das Album unterscheidet sich stark vom Vorgänger "Dance of Death", auf dem die Hits reihenweise abgeliefert wurden und zu wahren Ohrwürmern mutierten ("Wildest Dreams", "Rainmaker", No more Lies", "New Frontier"…). Auch textlich geht es auf dem Neuling anders zu. Das Thema ist "Krieg" und das erfordert beim interessierten Hörer zum Textverständnis ein wenig Hintergrundwissen, wobei - wie schon erwähnt - diverse Fanseiten für Abhilfe sorgen können.

Ich persönlich werde der CD noch weitere Gänge durch meinen CD-Player gönnen, so dass ich das Album dann auch demnächst vollkommen erfassen und durchdringen kann. :)


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