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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 36
W.A.S.P. - Back to Hamburg

Anno 2004 spielten die Amerikaner W.A.S.P. im Rahmen der „The Neon God“-Tour in der Fabrik in Hamburg. Damals gab’s zuvor noch eine kleine Autogrammstunde am Tourbus und danach eine nur 65-minütige Show. Viele waren enttäuscht.

Nun, im Oktober 2006, erlebte ich einen kleinen Deja-vú, abermals spielten W.A.S.P. in der Fabrik in Hamburg, offenbar vor weniger Leuten, als noch 2004. Das mag am 2004er Auftritt gelegen haben, der nicht überall Anklang fand, aber auch an der Tatsache, dass die Band sich auf der „Dominator“-Tour befand, eine Tour zu einem Album, das bisher noch nicht mal erschienen ist… nun gut. Guns n’ Roses-artige Zustände kann man nicht erwarten, denn das Album wird ganz sicher kommen, aber ein wenig komisch war’s schon. Wenig Promo und die Tourdaten habe ich auch nur durch Zufall auf der Bandhomepage gefunden, die ich mal wieder nach längerer Zeit besuchte. Also fix Karten bestellt und gucken, was diesmal kommt.

Die Szene vor dem Konzert ähnelte von Anfang an der von 2004. Schon eine Stunde und mehr vor Einlass stehen vereinzelt Fans vor der Fabrik und auch der Tourbus parkt wieder rechts daneben. Zwischen Fabrik und Tourbus ein paar Autogrammjäger, die auf Frontmann Blackie Lawless warten, der diesmal jedoch nur die Tür öffnet, um in die Fabrik zu marschieren, kein einziges Autogramm. Aber so ist es ja immer, hat man ein CD-Booklet zum Signieren mit, gibt’s nix, hat man nichts dabei, ist man der Band plötzlich so nahe, dass man mit ihnen noch ein Kaffeekränzchen veranstalten könnte. Egal!

Nach Einlass galt es erstmal eine lahme Vorband namens House of Games zu überstehen. Sehr schleppend und langsam, aber doch noch ein wenig melodisch ging man zu Werke, sehr langweilig, wie ich finde.

Also lieber schnell her mit W.A.S.P.. Die lassen sich aber Zeit und hängen noch ‘ne Weile im Backstagebereich rum. Schließlich ging das Licht aus. Als Intro hatte man mal wieder „The End“ von The Doors ausgewählt (vermutlich gibt’s zur neuen Scheibe noch kein Intro) und als ersten Song bekamen die Fans auch heute, wie auch sonst fast immer „On your Knees“, was ja nicht unbedingt schlecht ist. Meine Erwartung vielleicht auch schon einen neuen Song zu hören, wurde gleich zerstört, da Blackie früh und gleich mehrmals ankündigte, dass man Songs spielen werde, die man teilweise seit 20 Jahren nicht live gespielt hat – da hat natürlich auch niemand etwas gegen.

So kam es, dass man nicht die übliche Setlist auf den Boden klebte. Sogar „Hate to love me“ kam gleich als zweiter Song daher. Als Track vom noch recht jungen Werk „Unholy Terror“ (2001) also kein Klassiker und von daher auch noch nicht live gehört, kommt bei der Menge aber gut an. Offenbar trifft die Behauptung, dass die Fans die alten Sachen hören wollen nicht unbedingt immer zu. Aber nicht nur „Hate to love me“ gab’s als Überraschung, auch „Widowmaker“ wurde ausgegraben, super geil! Aber es kam noch besser: „Arena of Pleasure“ vom „The Crimson Idol“-Album wurde angekündigt. Schon seit Jahren ein von mir heißgeliebter Song und den nun auch noch live - ich bin immer noch völlig begeistert. Um die Fans noch glücklicher zu machen, hatte die Truppe auch den Titeltrack des genannten Albums - „The Idol“ - begleitet von einem wahnsinnigen Gitarrenteil, in die Setlist gepackt. Einmal andächtig stehen und zugucken, bitte!

“Sleeping in the Fire“ gehörte übrigens auch zum Set, oft live gespielt, diesmal auch wieder ein Spaß, ach ja, und „The Headless Children“ war am Start. Standardprogramm war in Form von „L.O.V.E. Machine“, „I wann be somebody“, „Blind in Texas“ (zweite Zugabe) und „Wild Child“ vertreten.

Bevor’s aber „Blind in Texas“ gab, war natürlich zunächst die erste Zugabe dran: Alles dunkel, Fans fordern eine Zugabe und plötzlich erschallen Kettensägengeräusche, ganz klar, „Chainsaw Charlie“ ist am Zuge. Schon geht’s los und diesmal auch nicht im Medly gekürzt, sondern komplett in allen Einzelheiten!

Zwar spielte die Band diesmal auch nur knapp 10 Minuten länger, aber dafür hatte man offenbar jeden zufrieden gestellt, man soll ja auch aufhören, wenn’s am schönsten ist oder so… und der Blackie weiß das offenbar.


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