Ich hasse MySpace
MySpace - schön und gut, da kann man sicher viel mit machen, aber ich
werde mit dieser Community einfach nicht warm. Selbstverständlich habe
ich einen MySpace-Account (wie „out“ wäre ich bitteschön, wenn ich
keinen hätte?! Wollen wir Freunde werden? myspace.com/timhomeonline),
aber immer wieder erscheint mir das Ganze wie ein „Wer die meisten
Freunde hat, hat gewonnen“-Spiel. Es ist unglaublich, Rob Halford von
Judas Priest ist mein Freund, ebenso die Jungs von ZZ Top, gefolgt von
Ozzy Osbourne, den Misfits, In Flames, Alice Cooper, ja selbst Pink
Floyd sind meine Kumpels. Vor kurzem wollte sogar eine UFO-Coverband
mein Freund werden, aber wozu eine Coverband, wenn sogar das Original
mein Freund sein kann?! Verdammt, jeder ist mein Freund. Ich liebe die
Welt. Vor kurzem wollte sogar ein scharfes Model meine Freundin werden
und hat mir eine sehr nette Nachricht geschickt. Die war so offensiv,
dass ich immer noch überlege, was ich ihr zurückschreiben soll.
Jeder ist bei MySpace und z.T. können die offiziellen Seiten der Bands
nicht mal mehr dagegen anstinken. Einfach alles zu MySpace weiterleiten
und gut ist, allerbeste Werbung. Da fängt das Problem allerdings schon
an. Viele Bands haben wirklich wunderschöne Seiten, bei MySpace dagegen
sieht vom Prinzip her alles gleich aus (wie in einem ostdeutschen
Wohnblock). Man hat zwar schnellen Zugriff und Bands scheuen sich auch
nicht mehr mal einen kompletten Song als Hörprobe online zu stellen,
aber das Ganze gerät spätestens dann aus dem Ruder, wenn die „Freunde“
damit beginnen Kommentare auf die MySpace-Seite der Band zu schreiben.
Nur Text wäre ja halb so wild, aber das reicht nicht, im Web 2.0 möchte
man auffallen, da muss man seinem Kommentar schon ein paar kitschige
(und schlecht gemachte) Animationen oder gar Videos hinzufügen. Alles
muss blitzen und blinken, damit die Aufmerksamkeit garantiert ist. Wenn
der Künstler dann auch noch seinen Teil dazu tut, seine Seite zu
verschlimmbessern, hat man zunächst einen grauenhaften Hintergrund, der
ein normales Lesen des Textes unmöglich macht. Dazu kommen diverse
Werbebanner, Blogeinträge, Videos, Fotos und schließlich die überlange
Liste mit den „Freunden“. Paradebeispiel dafür ist Paul Di’ Anno mit
seiner MySpace-Seite myspace.com/diannothebeast. Bis das Ding geladen
ist, liegt der Kopf auf der Tastatur und die Augen werden dann im
Folgenden von ekelhaften gif-Animationen bedrängt. Ich bin ja kein
Webdesigner, aber ich kann mir schon vorstellen, dass sich diesen beim
Betrachten von MySpace oftmals das Mittagessen im Magen umdreht.
Das ganz, ganz, ganz große Dilemma beginnt aber, wenn man sich die
Seiten einiger Privatpersonen ansieht… wobei einige Leute nach der
Erstellung ihrer Seite gar nicht mehr so privat sind. Da wird alles
rausgehauen, was irgendwie geht und für irgendwen eventuell von
Interesse sein könnte - die Masse macht’s!
Weiter geht’s in „Metall macht Musik“, dem Buch zur Kolumne.
Tims Seite bei Myspace findet Ihr hier !
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