|
Last.fm: Sag mir was du hörst…
…und
ich sage dir, wer du bist. So oder ähnlich könnte man die
Internet-Community Last.fm beschreiben. Für Uneingeweihte: Wer sich bei
www.last.fm anmeldet, kann sich dort ein Profil erstellen und kostenlos
eine Software herunterladen, die erfasst, was man so den ganzen Tag
hinweg über seinen Player am Computer hört. Wichtig ist dabei
natürlich, dass die abgespielten Dateien eindeutig beschriftet sind.
Die Last.fm-Software zeigt beim Abspielen dann das Cover des
zugehörigen Albums, so wie eine Bandbiografie an.
Im eigenen
Profil kann nach dem Hören in den „persönlichen Charts“ nachgelesen
werden, was die Favoriten der letzten Zeit waren. Darüber hinaus erhält
man Musikempfehlungen, die in etwa den eigenen Geschmack treffen
könnten. Außerdem werden einem User angezeigt, die einen vergleichbaren
Musikgeschmack haben, wie man selbst. Allerlei Spielkram also.
Spielkram trifft’s für mich auch schon ziemlich genau, denn die
Aussagekraft der persönlichen Favoriten wird bei allerlei Usern sicher
durch mancherlei Dinge geschmälert. So wird natürlich nicht erfasst,
was die Person über ihren mp3-Player hört, auch wird nicht erfasst,
wenn der User mal eine CD in seine Musikanlage stopft und schon gar
nicht tauchen die Tracks auf, die man während der Autofahrt hört.
Vor
einigen Monaten habe ich das Ganze mal getestet und mit dieser
„Spielerei“ auch entsprechend viel Zeit verbracht. Das, was ich dann
nach Uni-Schluss gerne gehört habe, wurde zwar erfasst, entsprach aber
sicher nicht in etwa dem, was ich auf einer Autofahrt hören würde - ich
habe also unter Umständen allerlei entspannende Musik in meinen Listen,
aber keiner merkt, dass ich auf meinem mp3-Player eigentlich Heino
höre. Herrlich!
Weiter geht's mit dem Programm an sich: Ist ja
ganz nett beim Abspielen ein Bild von der Band zu sehen und auch eine
kleine Bandbio dazu zu bekommen, aber der richtige Spaß geht oft beim
CD-Cover und dem Interpreten an sich los. Natürlich wurden noch nicht
alle Cover beim Last.fm erfasst, so dass man gelegentlich keines
bekommt oder ein falsches, passiert gerade oft beim Live-Stücken, da
wird dann mit Vorliebe auch mal das Cover des Studioalbums angezeigt,
auf dem sich der gehörte Live-Song befindet. Das ist eigentlich relativ
egal und geht den meisten sicher noch mehr am A**** vorbei als mir.
Schwieriger wird’s dann bei Bands, dessen Name es nicht nur einmal
gibt, so z.B. die Band Janus. Ich hörte die „Krautrockband“ Janus und
ihren Song „I wanna scream“. Angezeigt wurde allerdings die deutsche
Metal-Band Janus. Weitere Beispiele, die mir spontan einfallen sind
Bleak und Stratus. Das Programm stößt also schnell an Grenzen, was ja
auch nicht verwunderlich ist.
Damit hätte ich die Aussagekraft
und den generellen Nutzen des Programms schon mal grob abgehandelt.
Weiter geht’s mit den Usern.
Ich hab’s ja selbst erlebt:
Zunächst fasziniert das Programm und man ist ganz begeistert, was es
alles für tolle Listen erstellt. Man kann sehen, was man gerade gehört
hat (für die, die sich nicht mehr dran erinnern können…), was letzte
Woche die Spitzenreiter und was langfristig gesehen die am häufigsten
gespielten Songs waren. Man klebt also erstmal ‘ne ganze Weile vor’m
Schirm. Irgendwann wird einem dann klar (mir wurde es jedenfalls klar),
dass das Ganze kaum einen Nutzen hat. Ich lasse die ganze Zeit ein
Programm laufen, das auch noch ein wenig Arbeitsspeicher verbraucht,
nur damit ich und der Rest der Welt sehen kann, was auf meinem Laptop
für Musik lief. Wozu? Ok, einige finden’s sicher gut, dass sie über
diesen Weg neue Musik kennenlernen, aber das bekomme ich schon noch
selber hin, also weg mit diesem Programm, das scheinbar oftmals von
Leuten genutzt wird, die sich über ihren Musikgeschmack zu definieren
versuchen.
Da greife ich doch lieber wieder zu meiner bewährten
CD oder Schallplatte, die kann man nämlich so laut hören, dass Leute
gar nicht ins Internet müssen, um zu erfahren, was ich als letztes
gehört habe.
|