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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 44

Harte Musik für kluge Köpfe

 Preview


Jetzt ist es endlich offiziell: Kluge Köpfe hören Metal!

Dies geht aus einer britischen Studie hervor, die an einer Schule für Hochbegabte durchgeführt wurde. Dort gaben mehr als ein Drittel der Befragten Schüler an, dass sie am liebsten harte Musik hören. Die sonst eher als Außenseiter bezeichneten Metal-Fans liegen damit mit Rock und Pop gleichauf und verwiesen zudem Jazz und Klassik auf die hinteren Plätze. Forscher versuchen die Tatsache, dass die Hochbegabten auf „laut lärmende Brutalomusik“ stehen damit zu erklären, dass Metal als eine Art Ventil fungiert und so Druck und Frustration ausgeglichen werden können. In der britischen Presse spricht man zudem von „escapism“ - einer Flucht aus dem Alltag.

Schön zu hören, dass die Wissenschaft nun offenbar herausgefunden hat, was die Fans dieser Musik schon lange selbst wussten und schön vor allem mal von positiven Meldungen aus der Presse zu hören, wurde Metal doch nach Amokläufen von Schülern nicht nur einmal von der einschlägigen „Fachpresse“ als DAS Unheil benutzt. Es geht durchaus nicht brutal und stumpfsinnig zur Sache. Während viele Uneingeweihte sicherlich vermuten, dass es bei solcher Musik praktisch nur um Mord und Totschlag gehen kann, sieht die Realität anders aus. Es werden zwar gern makabere Themen aufgegriffen, aber viele Songs bauen auf historischen Ereignissen oder klassischer Literatur auf. Einige Beispiele dafür sind Rebellion und Jag Panzer mit ihren musikalischen Umsetzungen des Shakespeare-Stückes „Macbeth“, Iron Maiden mit ihrem jüngsten Album „A Matter of Life and Death“, wo verschiedene Kriege dieser Welt behandelt werden, sowie Blind Guardian mit diversen Songs zum Thema „Herr der Ringe“ (u.a. ein komplettes Konzeptalbum). Allen voran fallen mir aber die bereits genannten Iron Maiden ein. Nicht nur „A Matter of Life and Death“ befasst sich mit geschichtlichen Ereignissen. Auch in früheren Schaffensphasen gab’s Wissen in Metalform. Auf dem 1984er Album „Powerslave“ wird z.B. „Rime of the Ancient Mariner“ von Samuel Taylor Coleridge (1797 - 1799) in Teilen zitiert und durch eigene Lyrics von Bassist Steve Harris bereichert. So bringt es das Stück auf über 13 Minuten Spiellänge. Auch auf dem Vorgängeralbum „Piece of Mind“ ging es nicht nur um Gespenster und Monster. Den Song „Revelations“ schrieb Sänger Bruce Dickinson in Anlehnung an die philosophischen Theorien von Aleister Crowley (1875 - 1947), der übrigens auch Inspirationsquelle für sein 98er Solo-Album „The Chemical Wedding“ war. Ebenfalls arbeitete Dickinson am gleichnamigen Film mit. Aber zurück zu Iron Maiden. Bei „Flight of Icarus“ geht es um die Vertonung der griechischen Sage um (wie sollte es anders sein) Ikarus und bei dem Klassiker „The Trooper“ befasst man sich mit dem Angriff der britischen Brigade im Jahre 1854 während des Krimkrieges. Diese Liste könnte man ewig fortsetzen mit Themen, wie dem Zerfall der Sowjetunion („Mother Russia“), den militärischen Interventionen der USA im Irak und Kuwait 1991 („Afraid to shoot Strangers“), dem Bosnienkrieg („Blood on the World’s Hands“) usw. usw.

Weiter geht’s in „Metall macht Musik“, dem Buch zur Kolumne.



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