Großes Kino
Mittlerweile
hat es sich in ganz Norddeutschland rumgesprochen: Das vielen bereits
bekannte Dorf Wacken ist mit einer eigenen Doku im Kino. Verantwortlich
dafür ist die gebürtige Koreanerin Cho Sung-Hyung. Das ganze nennt sich
"Full Metal Village" und wurde bereits mit dem Max Ophüls-Preis
ausgezeichnet.
Was überraschen mag ist, dass es in der
Dokumentation vornehmlich um das Dorf und die Dorfbewohner geht. Das
alljährlich in Wacken stattfindende Metal Festival wird zwar immer
wieder erwähnt und später auch live und in Farbe gezeigt, jedoch stehen
eindeutig die Bürger, die mit Heavy Metal nicht immer unbedingt so viel
am Hut haben, im Vordergrund.
Während die alten Damen unter
den aus aller Welt anreisenden Metal-Fans sogar Teufelsanbeter
vermuten, hat Multibauer, Kettenraucher und Börsenspekulant Uwe Trede
längst erkannt, dass sich mit dem Festival Geld machen lässt. So
organisiert er z.T. die Ordnungskräfte, so wie die Aufräumaktionen nach
dem Festival. Uwe Trede, ein Highlight der Dokumentation, hat für jede
Lebenssituation eine Lösung und Weisheit parat. Da macht's Spaß ihm
zuzuhören, auch wenn es vielleicht nicht das ist, was der Metal-Fan in
seiner Rolle als Kinogänger erwartet hat.
Ums Festival geht's
- wie gesagt - erst sehr spät. Immer mal wieder wird der Aufbau
gezeigt, auch wird von den Dorfbewohnern "davon" gesprochen. "Es" lässt
jedoch auf sich warten. Immer wieder driftet die Regisseurin in
festivalfremde Gefilde ab und lässt sich z.B. erklären, was eigentlich
Ochsen sind ("Rind ist der Oberbegriff für alles."). Erst als "Breaking
the Law" von Judas Priest erklingt (begleitet von einer spektakulären
Anfahrtsszene der Festivalbesucher), weiß man, was kommt. Was folgt ist
teilweise das Übliche, was jeder, der schon einmal irgendetwas über
Wacken im Fernsehen/Internet gesehen hat, kennt. Dazu ein paar kuriose
und witzige Szenen, ein wenig Geballer von der Black Stage und schon
ist Wacken repräsentiert. Im Grunde fast richtig, denn so sympathisch
und nett, wie die Festivalbesucher sind, erscheinen sie auch. Einzig
die Musik scheint Uneingeweihten immer wieder zu suggerieren, dass es
in Wacken nur um harte, dahingekloppte Brachialmusik geht. Klar,
Black-/Death-/Trash-/etc-Metal bildet den allergrößten Kontrast zum
friedlichen Landleben, allerdings sorgt die Musik somit auch dafür,
dass unwissende Kinobesucher unter Umständen mit einem "Oh, Gott, und
das geben die sich drei Tage lang?"-Gefühl den Saal verlassen. Dass es
auch netten Hard Rock al a Axel Rudi Pell und Konsorten gibt, wird
nicht so recht deutlich. Mit den Scorpions, die 06 dort waren, hätte
man eventuell sogar den Geschmack anwesender Hausfrauen getroffen.
Stattdessen gibt's platte Sprüche von Kreator. Nicht falsch verstehen,
ich mag Kreator, aber der Spruch "Wacken, are you ready to kill each
other?" kommt doch eher dämlich rüber. Wie gesagt - der größtmögliche
Kontrast wird hier geschaffen. Dass man sich in Wacken nicht nur
gegenseitig tötet, mag der Besucher zwar vermuten, die musikalische
Begleitung vermittelt größtenteils jedoch nicht den Eindruck (abgesehen
von der Feuerwehrkappelle ;-)). Aber das ist Kleinkrämerei, die Doku
rockt, macht Spaß und lässt einen zu frieden aus dem Kino gehen. 10 von
10 Sternen!
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