Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS
 
Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 47

Großes Kino


Mittlerweile hat es sich in ganz Norddeutschland rumgesprochen: Das vielen bereits bekannte Dorf Wacken ist mit einer eigenen Doku im Kino. Verantwortlich dafür ist die gebürtige Koreanerin Cho Sung-Hyung. Das ganze nennt sich "Full Metal Village" und wurde bereits mit dem Max Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Was überraschen mag ist, dass es in der Dokumentation vornehmlich um das Dorf und die Dorfbewohner geht. Das alljährlich in Wacken stattfindende Metal Festival wird zwar immer wieder erwähnt und später auch live und in Farbe gezeigt, jedoch stehen eindeutig die Bürger, die mit Heavy Metal nicht immer unbedingt so viel am Hut haben, im Vordergrund.

Während die alten Damen unter den aus aller Welt anreisenden Metal-Fans sogar Teufelsanbeter vermuten, hat Multibauer, Kettenraucher und Börsenspekulant Uwe Trede längst erkannt, dass sich mit dem Festival Geld machen lässt. So organisiert er z.T. die Ordnungskräfte, so wie die Aufräumaktionen nach dem Festival. Uwe Trede, ein Highlight der Dokumentation, hat für jede Lebenssituation eine Lösung und Weisheit parat. Da macht's Spaß ihm zuzuhören, auch wenn es vielleicht nicht das ist, was der Metal-Fan in seiner Rolle als Kinogänger erwartet hat.

Ums Festival geht's - wie gesagt - erst sehr spät. Immer mal wieder wird der Aufbau gezeigt, auch wird von den Dorfbewohnern "davon" gesprochen. "Es" lässt jedoch auf sich warten. Immer wieder driftet die Regisseurin in festivalfremde Gefilde ab und lässt sich z.B. erklären, was eigentlich Ochsen sind ("Rind ist der Oberbegriff für alles."). Erst als "Breaking the Law" von Judas Priest erklingt (begleitet von einer spektakulären Anfahrtsszene der Festivalbesucher), weiß man, was kommt. Was folgt ist teilweise das Übliche, was jeder, der schon einmal irgendetwas über Wacken im Fernsehen/Internet gesehen hat, kennt. Dazu ein paar kuriose und witzige Szenen, ein wenig Geballer von der Black Stage und schon ist Wacken repräsentiert. Im Grunde fast richtig, denn so sympathisch und nett, wie die Festivalbesucher sind, erscheinen sie auch. Einzig die Musik scheint Uneingeweihten immer wieder zu suggerieren, dass es in Wacken nur um harte, dahingekloppte Brachialmusik geht. Klar, Black-/Death-/Trash-/etc-Metal bildet den allergrößten Kontrast zum friedlichen Landleben, allerdings sorgt die Musik somit auch dafür, dass unwissende Kinobesucher unter Umständen mit einem "Oh, Gott, und das geben die sich drei Tage lang?"-Gefühl den Saal verlassen. Dass es auch netten Hard Rock al a Axel Rudi Pell und Konsorten gibt, wird nicht so recht deutlich. Mit den Scorpions, die 06 dort waren, hätte man eventuell sogar den Geschmack anwesender Hausfrauen getroffen. Stattdessen gibt's platte Sprüche von Kreator. Nicht falsch verstehen, ich mag Kreator, aber der Spruch "Wacken, are you ready to kill each other?" kommt doch eher dämlich rüber. Wie gesagt - der größtmögliche Kontrast wird hier geschaffen. Dass man sich in Wacken nicht nur gegenseitig tötet, mag der Besucher zwar vermuten, die musikalische Begleitung vermittelt größtenteils jedoch nicht den Eindruck (abgesehen von der Feuerwehrkappelle ;-)). Aber das ist Kleinkrämerei, die Doku rockt, macht Spaß und lässt einen zu frieden aus dem Kino gehen. 10 von 10 Sternen!


 Seite zurück Seite vor
 
 
Mitra Global CMS Mitra Global CMS Mitra Global CMS