Metal-Rundumschlag im Spätsommer
Die
Festivalsaison neigt sich dem Ende, aber genau darum gibt es ja CDs und
Neuveröffentlichungen. Eben diese und einen Schwung Promo-Sampler und
-Alben möchte ich hier mal genauer unter die Lupe nehmen.
Nur gerechtfertigt ist es, wenn ich an dieser Stelle mit Iced Earth
und dem Anfang September ´07 erscheinenden Album "Framing Armageddon:
Something Wicked Pt. 1" beginne. Der Song "Ten thousand Strong" ist ja
bereits einige Zeit im Umlauf, da er bereits auf der "Overture of the
Wicked"-EP im Juni erschien und dass sich der Song als ein Oberhammer
entpuppte, dürfte auch kein Geheimnis mehr sein. Bei ihrem diesjährigen
Wacken-Auftritt kündigte Sänger Tim Owens dann im Laufe der Show einen
neuen, bisher noch nie live gespielten Song an. "Hm, spielt lieber was
Bekanntes", dachte ich mir, weil ich's kenne, wenn ein neuer Song
angekündigt wird: Die Menge steht stumm da und jubelt am Ende aus
Höflichkeit, obwohl's doch noch gar nicht so richtig gezündet hat. Bei
Iced Earth kam's allerdings anders. Bereits nach der ersten
Wiederholung des Refrains des mit "A Charge to keep" betitelten neuen
Stückes, stellte sich heraus, dass es sich hierbei um einen weiteren
Hammer handelt. Langsam, schon fast balladen-artig konnte mich der Song
sofort begeistern und das tut er nach wie vor auch in der
Studioversion.
Höre ich mir dagegen Engel an, eine
Band, die mit dem Album "Absolute Design" im Herbst ihr Debüt
veröffentlicht und - wenn es nach der Plattenfirma SPV gehen würde -
das nächste "große Ding" sein könnten, sieht's schon anders aus. Wenig
Melodie, eher Härte, aber alles wenig spannend. Da hilft's auch nicht
viel, dass Anders Fridén von In Flames produziert hat.
Von einer zukünftigen Größe kann man sicherlich eher sprechen, wenn man die Wörter Sturm und Drang
in den Mund nimmt. Eine ziemlich klassisch angehauchte Metal-Band,
deren Mitglieder noch in der Pubertät rumdüsen, aber trotzdem solche
Musik machen, wie man sie von gestandenen Altrockern erwartet. Ziemlich
erstaunlich. Erkannt hat man das Talent bereits an verschiedenen Orten.
Oscar Dronjak lobt die Band und überlegt laut, wie sie sich wohl im
Vorprogramm von HammerFall machen würden. K.K. Downing von Judas Priest
zockt mit den Jungs "Breaking the Law" live in Schweden und in Wacken
durften die Nachwuchsrocker bereits vor der Weltpresse spielen. Im Auge
behalten ist hier angesagt.
Bewegt man sich nun mal kurz in eine
etwas andere Richtung und damit ein wenig vom Metal weg, trifft man
auch auf die wohlbekannten H-Blockx, die auch ein neues Album
am Start haben, das immer wieder hochgelobt wird. Bestätigen konnte ich
das nach dem ersten Hören der ersten Single nicht. Der Titel ist mir
bereits wieder entfallen und der Song war auch eher von der
langweiligen Sorte. Das mir nun vorliegende Stück "I don't want you to
like me" klingt da schon besser, auch wenn man sich fragt, auf welchen
Indie/Rock ´n` Roll-Zug die Herren um Henning Wehland da plötzlich
aufgesprungen sind. Hat man sich anfangs in Crossover-Gefilden bewegt,
glaube ich nun eher Einflüsse von Danko Jones und Konsorten hören zu
können (was ja keine schlechte Referenz ist). Kein Überhammer, aber
schön zu hören und immerhin besser, als der Output der letzten Jahre.
Aber zurück zum Metal, wo mit Ride the Sky
eine weitere neue Band am Start ist. "Ride the Sky, Ride the Sky?",
heißt so nicht ein Song von Helloween, überlegt jetzt vielleicht der
geschulte Metal-Fan. Ja, so ist es und - oh, Wunder - es ist die neue
Band von Uli Kusch, ex-Helloween- und ex-Masterplan-Mitglied. Dass die
neue Band wenig mit Helloween und eher einiges mit Masterplan gemeinsam
hat, wird schon beim ersten Hören ziemlich deutlich. Bei "New
Protection" gibt es schöne Melodien mit leicht progressivem- und
symphonischen-Einschlag. Auch AOR-Freunde dürften auf ihre Kosten
kommen. Vergleiche mit Masterplan wird sich Herr Kusch aber sicherlich
noch eine ganze Weile gefallen lassen müssen.
Am Start sind auch Annihilator.
Das schlicht mit "Metal" betitelte Album, hält was es verspricht. Ob's
an den 100.000 hochkarätigen Gastmusikern liegt, dass das Album so sehr
rockt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber neue Impulse gibt es
sicherlich durch Leute, wie Danko Jones.
Am Ende nun noch ein Re-Release-Tipp: "Frozen" von Sentenced
wurde mit vier Bonustracks, die 1998 bereits auf der limitierten (und
heute ziemlich raren) Version des Originals enthalten waren, wieder
veröffentlicht. Ein Muss, sofern man die limitierte Erstauflage nicht
hat.
Rock on!
- TIM
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