Plattenfirmenportrait Teil 1: Armageddon Music
Vielen
Konsumenten musikalischer Ergüsse mag es ganz egal sein, welche
Plattenfirma hinter dem aktuell favorisierten Machwerk steht, an dieser
Stelle gibt's nun aber ein kleines Portrait der Dörpstedter Firma
Armageddon Music, aus der gerade frisch und zu diesem Zwecke
erfundenen, allseitsbeliebten Serie "Plattenfirmenportraits". Los
geht's!
Armageddon Music ist in der Landschaft der (deutschen)
Plattenlabels sicherlich eher einer der kleineren Vertreter, was
allerdings nichts über Qualitäten aussagt und eine Expansion ist zudem
deutlich erkennbar. So beherbergt man beispielsweise die Nachwuchs-Rock
´n' Roller Gutbucket, gleichzeitig aber auch die Senior-Rock ´n' Roller
von Rose Tattoo. Letztere haben erst 2006 mit dem Album "Blood
Brothers" und dem Über-Song "Black eyed Bruiser" allen gezeigt, wo der
Hammer hängt. Zudem kamen auch die kleinsten deutschen Provinznester zu
der Ehre die harten Jungs aus ´Tralien empfangen zu dürfen. Im
Heimatland eröffnete die Band übrigens für Guns ´n' Roses und Sänger
Angry Anderson gab mit Axl Rose den Klassiker "Nice Boys" zum Besten.
In
die Reihe der Rock ´n' Roll-Helden, reihen sich auch gleich die
ebenfalls aus Australien kommenden Doomfoxx ein. Dass die Jungs rocken
wie Schwein, wurde u.a. diverse Male in Wacken im Jahre 2005 bewiesen.
Das zweite Album ist in trockenen Tüchern und sicherlich geht's dann
auch bald wieder richtig rund.
Neben dem Klassiker "Rose
Tattoo", ist auch die Michael Schenker Group am Start, die allerdings,
wie ich finde mit dem letzten Output "Tales of Rock ´n' Roll" nicht so
recht überzeugen konnte (und das obwohl u.a. Ur-Sänger Gary Barden
mitwirkte). Auch live auf dem Wacken Open Air 2006 war's nicht
unbedingt das Gelbe vom Ei. Ein hochmotivierter Basser, ein eher
unmotiviert wirkender Michael Schenker und ein Sänger, der irgendwie
überhaupt nicht reinpasste. Vielleicht sollte man mal wieder bei Gary
Barden anklopfen.
Aber zurück zu Armageddon. Eine der jüngsten
Eroberungen sind die Briten von Blitzkrieg. Vielen sind diese Herren
sicherlich als NWoBHM-Veteranen bekannt und genau diese Art von Musik
ist es immer noch, die es der Band angetan hat.
In eine
ähnliche Kerbe schlagen Pharao, wenn auch mit deutlich anderem
Hintergrund. Die zu DDR-Zeiten gegründete Band, hatte es nicht immer
leicht, konnte aber im letzten Jahr mit "Anthology 1986 - 2006" ein
Best-Of herausbringen, das die gesamte Schaffensphase der Band würdigt.
Songs, wie "When it's over" gehen sofort gut ins Ohr und so was, wie
"Touch of Time" weiß dann auch mal ordentlich Druck zu machen. Weniger
können Leute, die sich in den Reihen der Nostalgiker eher unwohl
fühlen, sicherlich mit Songs, wie "Das Feuer der Liebe" und "Geboren im
Feuer" anfangen. Sollte man sich dennoch mal anhören, denn zusammen mit
den erläuternden Texten von Sänger und Bandkopf Jacky Lee Mann, bekommt
das Ganze einen komplett neuen Hintergrund.
Weiterhin eher
klassische angehaucht, geht's mit Nikki Puppet und Victory weiter.
Victory, noch nicht seit allzu langer Zeit mit neuem Sänger
ausgestattet, zeigen wieder verstärkt live, was sie (immer noch) drauf
haben. Nikki Puppet ist dann eine schönes Ergänzung für die, die auf
Girl School und Ähnliches stehen. Nicht unbedingt mein Fall, insgesamt
aber nicht übel und recht laut rockend.
Moderner geht's bei
Tourettes Syndrome, Drone, Reckless Tide und Gorilla Monsoon zur Sache.
Bei diesen Bands wird aber sicherlich auch gleichzeitig die
Death-Fraktion beglückt. Ebenso sieht's bei Delirious, Suidakra, Noise
Forrest und Holy Moses aus, wenn auch, vor allem bei letzteren mit
wenig modernem Einfluss und Innovation. Suidakra krachen ganz gut, Holy
Moses wollten bei mir aber noch nie so richtig zünden. Wer allerdings
auf Holy Moses steht, ist bei Armageddon goldrichtig.
Wer den
Power Metal lieber hat, findet sicher an Mennen und Seventh One Freude
und die Alternative für alles ist ohnehin Mambo Kurt, der auf seiner
Heimorgel Klassiker ALLER Musikrichtungen zum Besten gibt. Auf Dauer im
Prinzip völlig unerträglich, beim Hören der Neuinterpretationen jedoch
immer wieder witzig. Natürlich auch live (u.a. in Wacken).
Jetzt
ist ja schon mehrfach das Wort "Wacken" aufgetaucht und der aufmerksame
Leser glaubt da jetzt vielleicht Zusammenhänge ausmachen zu können. Und
damit liegt er auch goldrichtig, denn Armageddon Music ist, wie ICS,
Hardy.tv und Metaltix Teil des Netzwerkes rund um das Wacken Open Air.
Zusammenhänge geklärt? Gut.
Wie eingangs schon erwähnt,
handelt es sich hier nicht um ein Mayor-Label, sondern eher um eine
kleine, beschauliche Firma "vom Lande", die sich allerdings mit ihren
Highlights, wie Rose Tattoo vor keinem anderen Label verstecken muss,
denn aus dem Schatten eines kleinen Underground-Labels ist Armageddon
längst hinausgetreten. Obwohl es erst Anfang 2004 zur Gründung kam,
kann das Label mittlerweile auf eine ganze Reihe von Veröffentlichungen
zurückblicken. Sehr interessant dürfte Armageddon auch für
Newcomerbands sein, denn die Suche nach neuen Talenten läuft ständig
und gerade dies ist ein wichtiger Teil des Labels. Der Bandwettbewerb
"Metal Battle" des Wacken Open Airs beschert dem Gewinner nicht nur die
Möglichkeit vor Ort aufzutreten, nein, auch ein Plattenvertrag ist im
Gewinn enthalten.
Neben dem "normalen" CD-Angebot, kommt
Armageddon Music auch mit einem DVD-Angebot daher. Allen voran die DVDs
zum Wacken Open Air, die nun schon seit 2003 jährlich die besten
Aufnahmen vom Open Air präsentieren. Zunächst noch unter dem Titel
"Armageddon over Wacken" mit einer Parallelveröffentlichung auf CD und
DVD, gibt es das Ganze mittlerweile "nur" noch in Filmform, was für den
CD-Konsumenten etwas schade ist, realistisch gesehen aber in die
richtige Richtung geht, denn nicht selten sind Fernseher und DVD-Player
bereits eins mit dem herkömmlichen CD-Player.
Kürzlich
erschienen ist auch die DVD "Metal Tube Vol. 1", die alle bisherigen
Promoclips der Armageddon-Bands enthält und zudem einen riesigen Batzen
Live-Material, sowie den gesamten Backkatalog zum Reinhören.
Also:
Weiterhin bestes Gelingen!
- TIM
|