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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 54

Innovation - olé!


Es gibt ja Zeiten, da denkt man, dass absoluter Stillstand herrscht. Bekannte und beliebte Bands, trällern vor sich hin, wie immer und eigentlich ist auch keiner so richtig unzufrieden (den Metaller stellt man ja zumeist auch damit zu frieden, indem man das macht, was man immer gemacht hat). Was fehlt ist allerdings der richtige Knaller, der mal wieder frischen Wind ins Geschäft bringt.

Anfang der 90er dürfte das im Bereich der harten Musik mit dem Grunge gelungen sein, der den Metal in seine Schranken wies. In der Metal-Szene war man dann in den Neunzigern aber selbstverständlich auch nicht untätig. Bands wie Blind Guardian schufen eine völlig neue Hörästhetik und die ganz große Innovation dürfte Mitte der Neunziger von den Finnen Apocalyptica in Form von "Plays Metallica by four Cellos" gekommen sein - Metallica-Cover gespielt mit Cellos. Dass das ganze Apocalyptica-Unterfangen ein dauerhafter Erfolg war, wird übrigens in den nachfolgenden Jahren der Bandkarriere deutlich: Prominente Musikgrößen, wie Nina Hagen, Ville Valo (HIM), Max Cavalera (ex-Sepultura/Soulfly) und Corey Taylor (Slipknot/Stone Sour) kommen für einzelne Songs als Gäste an Bord und die Band ist auch mit ihren Eigenkompositionen sehr erfolgreich.

Dass man bei Erfolg nicht lange auf Nachahmer warten muss, ist nicht verwunderlich. Im neuen Jahrtausend sind es z.B. Harptallica, die ebenfalls ihre Liebe zu Metallica in ungewöhnlicher Form kundtun. Diesmal handelt es sich um zwei Damen, die die metallischen Klänge mit Harfen darbieten, deutlich weicher als Apocalyptica und zum Headbangen wohl kaum geeignet, aber trotzdem mit unüberhörbaren Metallica-Sounds. Wenn auch ebenfalls von Metallica inspiriert, schlagen die Amerikaner Beatllica in eine ganz andere Kerbe. Hier wird jeweils ein Song der Beatles mit einem Song von Metallica gemischt. Was dabei rauskommt, klingt nicht nur stark nach Metallica (vor allem stimmlich), sondern macht auch noch ungeheuren Spaß.

Wer nun aber denkt, dass es derartige Abwandlungen der Originalmusik großer Metal-Bands nur bei Metallica gibt, liegt falsch. Food for Thought, ein Projekt, das aus diversen (z.T. bekannten) Musikern, wie Chris Dale (Sack Trick, Bruce Dickinson), Björn Flodkvist (ex-Candlemass) und L-G Petrov (Entombed) besteht, covert Iron Maiden in jeder Form, mal jazzig, mal akustisch, von allem ist etwas dabei. Ebenso sind Tribute-Alben erschienen, die die Iron Maiden-Klassiker auf dem Piano bzw. durch ein Orchester wiedergeben, letzteres von The String Quartet, die das Ganze übrigens auch für andere Band gemacht haben (z.B. Slayer) und Hand of Doom Orchestra.

Um wieder ein wenig in die chronologische Abfolge der Ereignisse zu kommen, mache ich jetzt mit Eläkeläiset weiter, die seit 1993 die Menschheit durch in Humppa Metal umgewandelte Musik beglücken. Im Repertoire befinden sich zig Klassiker, was eine Verwurstung durch die Band in den meisten Fällen zu einer Katastrophe werden lässt. Diese Band also nur am Rande. Vielmehr möchte ich im neuen Jahrtausend weitermachen, wo es einige Neuigkeiten gab/gibt. Ziemlich am Anfang bringen The Darkness den Glam Rock zurück in die Charts. Damit haben wie hier übrigens auch ausnahmsweise mal eine innovative Band (in der Form, wie ich sie hier als innovativ bezeichne), die nicht aus einem nordischen Land kommt. Bei The Darkness handelt es sich um Engländer, die jedoch nach einem großen Erfolg und zwei Alben bereits wieder Geschichte ist. Der Freund harter Klänge muss da jedoch nicht verzagen, denn wenn's die Engländer nicht schaffen, sind ja immer noch die Nordmänner da. So beschwören die Dänen Volbeat das nächste Musik-Revival herauf. Was in der Fachpresse gerne als Elvis Metal bezeichnet wird, klingt wie eine Mischung aus alten Rockabilly Sounds, gemischt mit harten Metal-Tönen. Obwohl die Musik den Charme der 50er und 60er Jahre besitzt, schafft sie es gekonnt, die ganze Chose auch ins neue Jahrtausend rüberzuretten. Wer das "Project 1950"-Album der Misfits mochte oder überhaupt auf Rockabilly der härteren Art steht, ist hier bestens beraten. Ein Hoch auf den Norden!

Dass aber auch in den Skandinavien nicht all zu fernen Ländern Neues probiert wird, beweisen die deutschen Van Canto. Sie sind die (meines Wissens nach) erste Metal A cappella-Band der Welt. Was hier jetzt nur wie ein schlechter Scherz klingen kann, entpuppt sich aber spätestens beim Hören als völlig funktionstüchtige Idee. Fünf Sänger, ein Schlagzeug und los geht's! Würde die Musik von Van Canto irgendwo im Hintergrund laufen, würde ich vermutlich überhaupt nicht bemerken, dass Gitarre und Bass nur in Form von "Rakkatakka"- und "Wah-Wah"-Gesang vorhanden ist.

Übrigens: Für die, die es nach dieser kurzen Betrachtung noch irgendwie wichtig finden… Ende der 90er machte sich selbstverständlich auch der Nu Metal in Form von Linkin Park ganz breit. Rap und harte Gitarrenklänge gab's zwar schon Jahre vorher von Rage against the Machine und diversen Crossover-Bands, aber derart mainstreamtauglich, kam die Sache erst nach dem Millenium daher. Ob und in wie weit man da jetzt von Innovation oder einfach nur natürlicher Entwicklung sprechen mag, überlasse ich mal dem Leser, weil ja irgendwann auch mal gut sein muss, ist ja Samstagabend heute!

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