Innovation - olé!
Es
gibt ja Zeiten, da denkt man, dass absoluter Stillstand herrscht.
Bekannte und beliebte Bands, trällern vor sich hin, wie immer und
eigentlich ist auch keiner so richtig unzufrieden (den Metaller stellt
man ja zumeist auch damit zu frieden, indem man das macht, was man
immer gemacht hat). Was fehlt ist allerdings der richtige Knaller, der
mal wieder frischen Wind ins Geschäft bringt.
Anfang der 90er
dürfte das im Bereich der harten Musik mit dem Grunge gelungen sein,
der den Metal in seine Schranken wies. In der Metal-Szene war man dann
in den Neunzigern aber selbstverständlich auch nicht untätig. Bands wie
Blind Guardian schufen eine völlig neue Hörästhetik und die ganz große
Innovation dürfte Mitte der Neunziger von den Finnen Apocalyptica in
Form von "Plays Metallica by four Cellos" gekommen sein -
Metallica-Cover gespielt mit Cellos. Dass das ganze
Apocalyptica-Unterfangen ein dauerhafter Erfolg war, wird übrigens in
den nachfolgenden Jahren der Bandkarriere deutlich: Prominente
Musikgrößen, wie Nina Hagen, Ville Valo (HIM), Max Cavalera
(ex-Sepultura/Soulfly) und Corey Taylor (Slipknot/Stone Sour) kommen
für einzelne Songs als Gäste an Bord und die Band ist auch mit ihren
Eigenkompositionen sehr erfolgreich.
Dass man bei Erfolg nicht
lange auf Nachahmer warten muss, ist nicht verwunderlich. Im neuen
Jahrtausend sind es z.B. Harptallica, die ebenfalls ihre Liebe zu
Metallica in ungewöhnlicher Form kundtun. Diesmal handelt es sich um
zwei Damen, die die metallischen Klänge mit Harfen darbieten, deutlich
weicher als Apocalyptica und zum Headbangen wohl kaum geeignet, aber
trotzdem mit unüberhörbaren Metallica-Sounds. Wenn auch ebenfalls von
Metallica inspiriert, schlagen die Amerikaner Beatllica in eine ganz
andere Kerbe. Hier wird jeweils ein Song der Beatles mit einem Song von
Metallica gemischt. Was dabei rauskommt, klingt nicht nur stark nach
Metallica (vor allem stimmlich), sondern macht auch noch ungeheuren
Spaß.
Wer nun aber denkt, dass es derartige Abwandlungen der
Originalmusik großer Metal-Bands nur bei Metallica gibt, liegt falsch.
Food for Thought, ein Projekt, das aus diversen (z.T. bekannten)
Musikern, wie Chris Dale (Sack Trick, Bruce Dickinson), Björn Flodkvist
(ex-Candlemass) und L-G Petrov (Entombed) besteht, covert Iron Maiden
in jeder Form, mal jazzig, mal akustisch, von allem ist etwas dabei.
Ebenso sind Tribute-Alben erschienen, die die Iron Maiden-Klassiker auf
dem Piano bzw. durch ein Orchester wiedergeben, letzteres von The
String Quartet, die das Ganze übrigens auch für andere Band gemacht
haben (z.B. Slayer) und Hand of Doom Orchestra.
Um wieder ein
wenig in die chronologische Abfolge der Ereignisse zu kommen, mache ich
jetzt mit Eläkeläiset weiter, die seit 1993 die Menschheit durch in
Humppa Metal umgewandelte Musik beglücken. Im Repertoire befinden sich
zig Klassiker, was eine Verwurstung durch die Band in den meisten
Fällen zu einer Katastrophe werden lässt. Diese Band also nur am Rande.
Vielmehr möchte ich im neuen Jahrtausend weitermachen, wo es einige
Neuigkeiten gab/gibt. Ziemlich am Anfang bringen The Darkness den Glam
Rock zurück in die Charts. Damit haben wie hier übrigens auch
ausnahmsweise mal eine innovative Band (in der Form, wie ich sie hier
als innovativ bezeichne), die nicht aus einem nordischen Land kommt.
Bei The Darkness handelt es sich um Engländer, die jedoch nach einem
großen Erfolg und zwei Alben bereits wieder Geschichte ist. Der Freund
harter Klänge muss da jedoch nicht verzagen, denn wenn's die Engländer
nicht schaffen, sind ja immer noch die Nordmänner da. So beschwören die
Dänen Volbeat das nächste Musik-Revival herauf. Was in der Fachpresse
gerne als Elvis Metal bezeichnet wird, klingt wie eine Mischung aus
alten Rockabilly Sounds, gemischt mit harten Metal-Tönen. Obwohl die
Musik den Charme der 50er und 60er Jahre besitzt, schafft sie es
gekonnt, die ganze Chose auch ins neue Jahrtausend rüberzuretten. Wer
das "Project 1950"-Album der Misfits mochte oder überhaupt auf
Rockabilly der härteren Art steht, ist hier bestens beraten. Ein Hoch
auf den Norden!
Dass aber auch in den Skandinavien nicht all zu
fernen Ländern Neues probiert wird, beweisen die deutschen Van Canto.
Sie sind die (meines Wissens nach) erste Metal A cappella-Band der
Welt. Was hier jetzt nur wie ein schlechter Scherz klingen kann,
entpuppt sich aber spätestens beim Hören als völlig funktionstüchtige
Idee. Fünf Sänger, ein Schlagzeug und los geht's! Würde die Musik von
Van Canto irgendwo im Hintergrund laufen, würde ich vermutlich
überhaupt nicht bemerken, dass Gitarre und Bass nur in Form von
"Rakkatakka"- und "Wah-Wah"-Gesang vorhanden ist.
Übrigens:
Für die, die es nach dieser kurzen Betrachtung noch irgendwie wichtig
finden… Ende der 90er machte sich selbstverständlich auch der Nu Metal
in Form von Linkin Park ganz breit. Rap und harte Gitarrenklänge gab's
zwar schon Jahre vorher von Rage against the Machine und diversen
Crossover-Bands, aber derart mainstreamtauglich, kam die Sache erst
nach dem Millenium daher. Ob und in wie weit man da jetzt von
Innovation oder einfach nur natürlicher Entwicklung sprechen mag,
überlasse ich mal dem Leser, weil ja irgendwann auch mal gut sein muss,
ist ja Samstagabend heute!
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