Headbanger's Open Air 2008
Oft
erwähnt und immer wieder begeistert resümiert: Das norddeutsche
Headbanger's Open Air. Von einem Haufen Idealisten betrieben und
organisiert, fand das Festival im Jahre 2008 bereits zum elften Mal
statt.
Am HOA-Donnerstag war ich zu weiten Teilen verhindert, so
dass ich morgens nur in einem Zelt, das mir zu Ausstellungszwecken für
das "Metall macht Musik"-Buch zur Verfügung gestellt wurde (vielen Dank
nochmals!), einige Bilder aufhängen konnte und dann auch gleich wieder
abzischen musste. Dadurch entgingen mir u.a. Exodus und die NWoBHM-Cover-Band Roxxcalibur,
auf die ich sehr neugierig gewesen wäre. Nun dann, dem will ich nicht
länger nachtrauern und beginne mit dem Freitag. Zum Programm erschien
ich auch hier nicht ganz rechtzeitig, kam aber ab der dritten Band -
namentlich Mortal Sin - an und durfte noch miterleben wie die Australier euphorisch abgefeiert wurden. Weiter ging's mit den NWoBHM-Veteranen von Sweet Savage,
die sicherlich vor allem durch ihren Song "Killing Time" bekannt sind.
Auch die Leute, die nur hin und wieder zu den härteren Scheiben greifen
kennen den Song unter Umständen, denn eine Coverversion jenes
Klassikers befindet sich auf dem Metallica-Album "Garage Inc.". Als
Randnotiz sei noch hinzugefügt, dass Sweet Savage demnächst mit
Metallica in Dublin spielen werden. Vorher gab's aber erstmal auf dem
HOA eine solide Show!
Höchst angenehme und zeitweise sehr old-schoolige Klänge (wen wundert's?) gab's im Folgenden von Lethal.
Bei bestem Wetter auf'm Festival hocken und Töne, die bei Queensrÿche
und Iron Maiden durchaus mithalten können hören - was gibt's Schöneres
an einem warmen Sommertag? At War packen das Ganze danach etwas
härter an. Der Thrash-Hammer kreist und kann mich nicht so sehr
überzeugen wie vorangegangene Bands. Impaler sind dann auch
nicht so ganz meine Baustelle. Geschminkte Typen - alles schön und gut
- aber die genaue Funktion des Typen, der im weißen, mit roter Farbe
beschmiertem Kittel wie blöd über die Bühne tobte, sich gegen Wände
schmiss und ab und an mal - neben dem "richtigen" Sänger - etwas ins
Mikro schrie, ist mir immer noch ein wenig schleierhaft. Détente
gefielen mir danach um einiges besser. Obwohl die Band schon seit
Urzeiten aktiv ist, hatte ich noch nie etwas von ihr gehört, offenbar
war ich aber nicht zu spät mit dem Kennenlernen, denn Dampf wird immer
noch gemacht.
Mein persönliches Highlight stellte allerdings Blaze Bayley
dar, den ich zuvor bereits bestens gelaunt bei seiner Autogrammstunde
getroffen hatte. Mit neuer Band und neuem Album bewaffnet legten die
Herren gegen 22.15 Uhr los. Abgeliefert wurde Hit nach Hit, sowohl aus
der Blaze-Ära, als auch Iron Maiden-Stücke, so wie ganz neues Material
(einzig die Wolfsbane-Hits fehlten). Wenn ich jetzt einige Titel nenne,
wird den Daheimgebliebenen sicherlich das Wasser im Munde
zusammenlaufen: "The Tenth Dimension", "Lord of the Flies", "Born as a
Stranger", "The Launch", "Futureal", "Kill and destroy", "Alive",
"Identity", "Man on the Edge" etc. Einfach nur großartig, ein
hyperaktiver Blaze tobt hochmotiviert über die Bühne und liefert dabei
eine 1A-Gesangsleistung ab. Auch der Rest der Band hilft tatkräftig mit
den Auftritt in einem Wirbelsturm zu verwandeln. Technische Ausfälle
konnten dem auch nichts anhaben. Kurzzeitig nur mit Bass, Schlagzeug
und Gesang "bewaffnet" versteht es Entertainer Blaze Bayley das
Publikum trotzdem durch "Kill"- und "Destroy"-Rufe bei Laune zu halten.
Egal wo, egal wann, Blaze seh' ich mir jederzeit gerne wieder an (und
wenn ich jetzt richtig gut drauf wäre, hätte ich diese Zeile vielleicht
noch zu einem Reim machen können).
Zwischen der letzten Band des Abends - Sodom - und Blaze gab's dann noch eine feine Feuershow. Tolle Sache!
Sodom dagegen sah ich mir nur kurz aus weiter, weiter Ferne an. Ich werde mit der Band einfach nicht richtig warm.
Am Samstag war ich erst zum Destructor-Gig
vor Ort. Musikalisch befanden sich die US-Amerikaner auf dem genau dem
richtigen Festival. Ich, der es zwar gerne etwas klassischer mag, dafür
aber auch gerne mit ein wenig mehr Melodie, fieberte eher Praying Mantis entgegen, eine meiner absoluten Lieblingsbands.
Während
die Briten vor zwei Jahren vor allem Material neueren Datums
präsentierten, stand der Gig in diesem Jahr ganz im Zeichen der
Anfangstage. "Children of the Earth", "Panic in the Streets", "Captured
City", "Thirty Pieces of Silver", "Flirting with Suicide", "Turn the
Tables", sowie das abermals beeindruckende "Lovers to the Grave" kamen
wunderschön rüber. Der Leadgesang wurde diesmal komplett von Mike
Freeland übernommen, so dass z.B. "Panic in the Streets" nochmals ein
neues Gewand bekam, denn ursprünglich sang hier Gitarrist Tino Troy.
Ein Song neueren Datums war auch dabei: "Rise up again", wohl einer der
großartigsten Songs der Band. Neuzugang Andy Burgess fügte sich gut ein
und ließ Dennis Stratton nicht allzu sehr vermissen.
Axehammer
kannte ich zuvor auch nicht, konnte mich jedoch sehr schnell für diese
erwärmen. Wie viele andere Bands aus den USA angereist, spielten die
Herren ziemlich klassischen Heavy Metal mit leichtem
"Teutonen-Einschlag". Schnelle, eingängige Songs, die das Zuhören zu
einer wahren Freude machen.
Für mich ging es danach zunächst zur Autogrammstunde von Rebellion, die allerdings - soweit ich das überschauen kann - nicht erschienen. Nun gut. Praying Mantis
kreuzten danach allerdings auf und allen voran Chef-Gutelauneverbreiter
Tino Troy begab man sich ans Signieren. Fotos wurden auch in Massen
gemacht, so dass die Band einige Zeit benötigte, bis jeder zu Frieden
gestellt war.
Wenn schon nicht zur Autogrammstunde, dann zumindest zum eigenen Gig: Rebellion
waren da und legten in bewährter, "truer" Form los. Was zeitweilig ein
wenig langweilig wurde, konnte zum Ende hin dann doch noch mal
begeistern und zwar mit "Disdaining Fortune" und dem Grave
Digger-Klassiker "Rebellion".
New Eden zischten auf Grund einer Pause meinerseits dann eher an mir vorbei. Picture
dagegen nicht. Mit ihrem Klassiker "Eternal Dark" (vor Jahren mal von
HammerFall gecovert), begeisterten die doch schon etwas gealterten
Herren sicherlich nicht nur die vordersten Ränge.
Beehler
wurde dann mehr oder weniger ausgelassen, denn einer muss ja noch die
Bilder im Zelt wieder wegschaffen. Da ich mich noch rechtzeitig auf den
Heimweg machen musste (am Sonntag früüüüh aufstehen), verpasste ich
leider, leider, leider die finale Show der Band mit dem wirklich
unschönen Namen Death SS. Nun denn, ärgern lohnt nicht, darum ist an dieser Stelle Schluss.
Immer
weiter so in Brande-Hörnerkirchen, großartiges Festival! Vielen Dank an
dieser Stelle auch noch an die "Fotobeauftragte" Tina Eckhorst!
Der Kolumnist mit Blaze Bayley vor seinem gezeichneten Ebenbild
Tino Troy von Praying Mantis
Blaze Bayley live
Die Ausstellung mit dem Museumsdirektor
Praying Mantis haben sich entdeckt
Schönes Wetter, Zelt und Bilder
Und zum Abschluss noch ein kurzes Youtube-Video der Buchpräsentation.
|