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Comicwerk-News

Das Comicwerk auf der Leipziger Buchmesse!
Das Comicwerk wird auch in diesem Jahr bei der LBM die neuen Stories präsentieren. Mehr im News-Bereich !

 

 
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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 61

Wacken Open Air 2009

WOA 2009… wechselhafter hätte es kaum sein können. Und weil das Wetter – trotz Slogan „Rain or Shine“ – doch immer einen Teil zur Grundstimmung beiträgt, ist es mal wieder praktisch direkt mit dem Thema zu beginnen. Es war einfach alles dabei: Sturm, Regen wie aus Eimern, Wolken, Nieselregen und Hitze. Übrigens war es möglich die gesamte Bandbreite des Wetters in zwei Stunden zu erleben. Nichtsdestotrotz war’s mit Wärme und zwischenzeitlichen Abkühlungen ziemlich perfekt, auch wenn es dem Kreislauf einiger Leute nicht immer gut tat.

Der zweite Faktor, der ein wenig Zittern hervorrief, war das aktuell sehr beliebte Thema Schweinegrippe. Und ums vorweg zu nehmen: Es gab einige wenige Verdachtsfälle, deren Testergebnisse jedoch alle negativ ausfielen. Darüber hinaus schienen Ärzte und Orga gut vorbereitet. Medikamente waren in großen Mengen bevorratet und die Quarantänestation blieb glücklicherweise ungenutzt. Weiterhin ist positiv zu vermelden, dass auch die Diebesband, die im Laufe des Festivals gut 500 Brieftaschen erbeutet hatte, von Polizei und Sicherheitskräften dingfest gemacht werden konnte. In Wacken ist man auf Zack, großes Lob!

Nun aber zur Hauptsache: Dem Festival an sich und natürlich den Bands. Kaum erwähnenswert, da eine wahre Konstante in der Wacken-Geschichte, war die Stimmung natürlich von Beginn an hervorragend. Anders kennt man es ja gar nicht. Die Bands tragen natürlich dazu bei. So gab’s bereits am Mittwochabend ein exzellentes Programm: Nicht nur spielte die allseits beliebte Feuerwehrkapelle Wacken Firefighters, sowie die Wacken-Forum-Band Victims of Madness, nein, auch größere Namen waren bereits im Programm. So heizten die Sleaze-Rocker von Bai Bang auf der W.E.T.-Stage ordentlich ein. Deutlich war zu merken, dass die Fans bereits mehr als heiß waren, denn trotz relativ locker gefülltem Zelt, nahm das Crowdsurfen vor allem zum Ende hin geradezu wahnsinnige Züge an. Weitere Namen am Mittwoch: Freiwild, Bon Scott, Onkel Tom und Mambo Kurt.
Sie hat's gehabt - Mambo Kurts Orgel
Die eigentliche Eröffnung des Festivals fand allerdings am Donnerstag statt und trotz Absagen von Thin Lizzy und Anthrax, wusste man gar nicht so genau, wie man sich alles ansehen sollte, was man gerne sehen würde. Pflicht war natürlich der Auftakt mit Skyline, die Band in der seinerzeit auch Wacken-Organisator Thomas Jensen gespielt hat und die bereits 1990 beim ersten W:O:A dabei war. Ganz besonders toll war es neben den gespielten Cover-Songs (u.a. „Fear of the Dark“, „It’s a long Way to the Top“ und „Whiskey in the Jar“) auch die Wacken-Songs „W:O:A“ und „Harder Faster Louder“ live zu hören (auch wenn der großartigste Song, den die Formation unter dem Banner The Bullheadz aufnahm wohl „WOA 2001“ ist). Fragwürdig erschien dagegen die Wacken-Hymne „We are the Metalheadz“. Nichts gegen einen Wacken-Song, die Bullheadz-Songs sind schließlich auch großartig, aber ehrlich gesagt habe ich selten einen platteren Song wie die neue Hymne gehört. Doro am Mikro machte das Unterfangen dann leider auch nicht so richtig zum Knaller. Egal, die Hymne dient einem guten Zweck. Wer die CD kauft unterstützt damit die neu gegründete Wacken Foundation, die wiederum in die Metal-Szene investieren möchte. 50.000 € sind bereits gesammelt. Angedacht ist Metallern in Not zu helfen oder Bands zu unterstützen in anderen Ländern Fuß zu fassen. Ein gutes Anliegen also.

Aber zurück zur Musik. Bereits kurz nach Skyline stürmten die Dänen von D.A.D. die Party Stage. Hier wurde nicht nur optisch viel geboten (u.a. ein Bass in Raketenform), sondern auch für den Rest des Körpers, der bei einer derart energiegeladenen Show kaum stillstehen kann. Großartig, besonders Highlight war natürlich „Sleeping my Day away“. Angesichts der Temperaturen stand dann aber erstmal eine Pause an, so dass es für mich erst mit Heaven & Hell weiterging. Erst ein wenig skeptisch, da eine reine Dio-Show unter Umständen spannender wäre (da Rainbow-, Black Sabbath- und Dio-Klassiker im Programm), wurde man schnell vom Gegenteil überzeugt. Schon mit den ersten Tönen des Intros „E5150“ beschwört die Band die Magie des „Live evil“-Albums herauf und weiß in sekundenschnelle zu überzeugen. Kaum überraschend ist natürlich, dass der Song „Heaven & Hell“ zu einem ganz besonderes Highlight wurde. Eine spektakuläre Lichtshow verwandelt gepaart mit Nebelfontänen die Bühne in ein qualmendes Inferno. Kurzzeitig nimmt man dem in rotes Licht getauchtem Sänger sogar ab, dass er sich an im Namen an zweiter Stelle genanntem Ort befindet (oder sich dort zumindest sehr wohl fühlen würde). Innehalten war dann noch mal beim Intro von „Die Young“ angesagt. Im weißen Lichtkegel verzaubert Tony Iommis Gitarrenspiel die Massen und läutet bald darauf einen der wohl großartigsten Black Sabbath-Songs der Dio-Ära ein. Grandios!

Ganz klassisch ging’s gleich am Donnerstagmorgen weiter. Um die erschreckende Uhrzeit 11.45 Uhr betreten UFO die Bühne und können sowohl musikalisch, als auch vom Entertainment-Faktor her überzeugen. Leider zeigt sich aber bei dem in Überlänge gezogenen Klassiker „Rock Bottom“ mal wieder wie langweilig der Song eigentlich ist. Hinzu kommt, dass der Klassiker „Doctor Doctor“ fehlt und auch wünschenswerte Songs wie „Too much of Nothing“ oder „Love is forever“ nicht auftauchen. Abgesehen davon aber ein solider Auftritt. Mit einer weiteren Institution hat man es mit der zweiten Band des Tages auf der True Metal-Stage zu tun: Gamma Ray. Die scheinbar immer gut gelaunten Hamburger spielen sich durch ein tolles Best-Of-Set (inkl. Helloween-Medly und neuem Song), das mit der Zugabe „Send me a Sign“ endet. Bei strahlendem Sonnenschein genau das Richtige. Und weil eben der vorhanden war, verlangte der Körper mal wieder nach einer Pause im Schatten. Weiter ging’s dann erst mit Motörhead, die offenbar so ziemlich jeder sehen wollte. Das Festivalgelände ist brechend voll und die begeisterten Zuschauer feiern sowohl neue, als auch alte Songs lauthals ab. Motörhead können einfach nichts verkehrt machen und ebenso wenig kann man verkehrt machen, wenn man auf ein Motörhead-Konzert geht. Mehr gibt’s nicht zu sagen.
Der Kolumnist hat im Auftrag die Bands gezeichnet
Die auf Motörhead folgenden In Flames ziehen nicht weniger Leute an. Nach diversen Auftritten auf dem Wacken Open Air ist die Band nun endgültig und zweifelsfrei an der Headliner-Position angekommen. Lichtshow, Pyros und Menschenmassen unterstreichen das. Man beginnt sich schon zu fragen wie lange der Aufwärtstrend noch anhalten wird. So sprangen die Fans bereits im Jahre 2001 zu „Only for the Weak“ in die Höhe. 2003 taten es noch mehr und die Band sprach im Zusammenhang damit oft von ihrem besten Auftritt. 2007 dürfte die Zahl der Springenden aber nochmals getoppt worden sein. Hinzu kam damals eine überwältigende Massen an Feuerzeugen zum Song „Come Clarity“. Und heute im Jahre 2009 nimmt das Ganze Züge einer ganz großen Stadionband an. Wieder wird gesprungen und das Feuerzeug in die Höhe gestreckt. Die Band ist ganz oben, verdienterweise. Als Randnotiz sei noch hinzugefügt, dass die Zuschauer einen ganz besonderen Song präsentiert bekamen: „Dead End“ mit Gastsängerin Lisa Miskovsky. Die Chance den Song live zu hören wird’s – laut Sänger Anders – unter Umständen nicht wieder geben.

Auch der Freitag startet früh. Um 13.00 Uhr stehen Rage mit Gästen auf der Bühne, um ihr 25jähriges Bandjubiläum zu feiern. Nicht immer ganz passend, aber trotzdem interessant, gesellen sich u.a. Eric Fish von Subway to Sally, Hansi Kürsch von Blind Guardian und Schmier von Destruction auf die Bühne. Rundum gelungen, nur schade, dass „Straight to Hell“ fehlte (so wie jegliche Songs vom Album „Welcome to the other Side“).

Auf der um 16 Uhr stattfindenden Pressekonferenz konnte vor den versammelten Medien dann schon einige Stunden vor Festivalende eine abermals sehr positive Bilanz in allen Bereichen gezogen werden: Die rumänische Diebesbande wurde dingfest gemacht, Schweinegrippefälle gab es nicht, keine nennenswerten Straftaten und dazu noch durchweg positive Worte von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Letztgenannter plauderte bereits aus, dass es Pläne gäbe das Schleswig-Holstein Musikfestival in der ein oder anderen Weise mit dem von ihm sehr geschätzten Wacken Open Air zu verknüpfen. So erschien es auch Organisator Holger Hübner nicht abwegig beispielsweise Doro mit Orchestra auf dem S-H Musikfestival auftreten zu lassen. Weiterhin gab Carstensen zu Protokoll, dass es ihn mit Stolz erfülle zu hören, dass das W:O:A Vorbild für Festivalmacher in aller Welt sei und so den Namen Schleswig-Holsteins hinaus trage. Anfragen anderer Festivals zum Umgang mit Schweinegrippe sowie generelle Fragen seien keine Seltenheit. Unbedingt erwähnenswert ist auch, dass sich die Veranstalter selbstverständlich Fragen zum Randprogramm des Festivals stellen lassen mussten. „Tut Wrestling wirklich Not?“ Um es mit den Worten von Thomas Jensen zu sagen: „Es handelt sich um ein Angebot.“ So werde keine große Band weniger gebucht, weil’s ein Wrestling-Zelt gibt. Auch würde das Ticket dadurch nicht teurer. Medieval-Bereich und Wrestling-Zelt sind also als Extra zu verstehen. Extras die man sich entweder geben oder großräumig umgehen kann.

Nach der Pressekonferenz stellte Axel Rudi Pell sein Können unter Beweis. Gleich der Opener „Tear down the Walls“ setzte alles in Bewegung und motivierte ringsherum zum Mitgrölen. Immer wieder super! Der heimliche Headliner betrat dann um 20.30 Uhr die Bühne: Volbeat. Abermals volles Festivalgelände und begeisterte Massen schon nach dem ersten Ton. Jubelstürme begleiten „Radio Girl“ und lautes Mitsingen „I only wanna be with you“. Auch der Misfits-Coversong „Angelfuck” kommt an und wird abgefeiert. Wenn Volbeat nicht demnächst zu den ganz Großen gehören, dann stimmt irgendwas in der/den Szene/n nicht.

Für mich geht damit das 20. Wacken Open Air auch schon langsam zu ende. Auf der True Metal Stage stehen noch Saxon, die per Internet-Voting ihre Setlist von den Fans zusammenstellen ließen. Der Plan war es von jedem Album, 18 an der Zahl, einen Song zu spielen. Vom Voting habe ich bis kurz vor dem Festival nix mehr gehört und in jedem Fall habe ich „Princess of the Night“ und „Denim and Leather“ (beide vom Album „Denim and Leather“) gehört. Möglicherweise war letztgenannter aber auch nur die Zugabe. Egal, Saxon klangen wie immer solide, auch wenn ich nicht direkt vor der Bühne stand.
 
So, das war Wacken 2009. Kommerz und Jahrmarktartigezustände hin oder her, fest steht: Keiner der Wacken-Organisatoren handelt ohne die Wünsche der Fans im Hinterkopf zu haben. Findet die Mehrheit das Wrestling-Zelt scheiße, dann verschwindet es wieder. Niemandem wird irgendetwas aufgezwungen und wie schon erwähnt, muss ja niemand das vorhandene Angebot nutzen, wenn es ihm nicht gefällt. Ebenso wenig muss man sich ein Shirt oder sonstige Artikel kaufen. Möglicherweise wird ja irgendwann mal Schluss sein mit Meckern, Zeiten und Festivals ändern sich eben und solange es friedlich bleibt, sollte sicherlich keiner ernsthaft etwas zu nörgeln haben. In diesem Sinne: Bis 2010!
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