Ich bin gelandet...
… und zwar auf dem Mond. Dort ebenfalls anwesend sind AC/DC
bzw. die Handlanger der australischen Rock n’ Roll-Institution. Diese bitten
mich um die Zahlung von EUR 229,00, damit ich ein bisschen beim Rocken zusehen
darf. Stattfinden soll das Ganze in Bremen, Deutschland, Erde. Eine „Eventreise“
ist auch buchbar, dann verlangt man auch noch ein wenig mehr von mir.
AC/DC spielen also ein Konzert vor nicht ganz wenig Leuten
im Bremer AWD-Dom. Ist dieser bis unter’s Dach voll, dann befindet man sich in
einer Menge von gut 14.000 Personen. Angenommen zumindest 13.000 davon zahlen
brav ihren Eintritt, dann hantiert man mit einer Summe von 2.977.000 €. Ein
ganzer Batzen. Nicht ganz wenig davon dürfte für Organisation, Personal und
Halligalli-was-weiß-ich drauf gehen. Ebenfalls nicht ganz wenig sehen aber
sicher Angus Young und Co. KG davon. Ich dagegen sehe auf meinem Stehplatz
unter Umständen relativ wenig (wobei ich
dem AWD-Dom mal unterstellen möchte, dass er dafür Sorge getragen hat, dass der
größte Teil der Anwesenden gute Sicht hat). Was ich aber ganz sicher sehe, ist
ein ziemlich leeres Konto und das einfach nur, weil ich auf einem Konzert war.
Aber ein Konzert ist das ja nicht mehr, das ist ja ein „Event“.
Eigentlich finde ich AC/DC cool und dass die Band groß ist,
weiß ich auch. Dass da auch ein wenig mehr gezahlt werden muss ist logisch,
aber 229 € für einen Abend? Da fehlen mir die Worte. Klar ist: Alles wird
teurer, auch Konzerte und früher war alles besser. Außerdem ist klar, dass klar
sein muss, dass Konzerte wichtig sind, weil kein Schwein mehr eine CD kauft.
Die wird halt aufgenommen um einen Grund zum Touren zu haben. Nun aber zu den
Unklarheiten: Was um alles in der Welt – vom Status teilweise abgesehen –
verschlingt an AC/DC derartige Summen? Die Schuluniform wohl kaum. Und warum
reizt mich fast jede AC/DC-Coverband, die in einer dunklen Spelunke um die Ecke
zumindest halbwegs gut spielt fast mehr als das Original? Warum fahre ich
lieber einen alten Polo als einen Mercedes? Vermutlich weil ich mich Teilen des
Marktmechanismus verweigere.
Wie eingangs erwähnt ist der Preis natürlich nicht
vollkommen unbegründet (Pyros, Krach-Bum etc.), aber selbstverständlich rührt
er auch daher, dass 100.000 Menschen AC/DC sehen wollen. Eine gewisse Schar an
Fans sind bei dem Preis schon mal raus und die, die kommen haben’s halt. Aber
möchte ich mit dem Betriebswirt von nebenan, der „Thunderstruck“ auf der
Scheunenfete mitgrölt und darüber hinaus nur noch „Highway to Hell“ kennt und
entweder glaubt Bon Scott stehe auf der Bühne oder ihn einfach nicht kennt ein
AC/DC-Konzert zelebrieren? Wohl kaum. Nennt mich intolerant und ich werde dem
entgegensetzen, dass ihr’s nicht verstanden habt. Klingt gemein, ist aber so.
Denn das, was die Australier auf der Bühne ausleben – nämlich den Rock n’ Roll
– wird unter Umständen so nicht im Publikum getan. Ich wohne selten den ganz
großen Veranstaltungen bei, Fakt ist aber, dass sobald etwas zum „Mainstream“
„verkommt“, die Atmosphäre schwinden kann. Gerade dies gilt meiner Meinung nach
für den Rock n’ Roll-Zirkus. Der gehört nämlich heiß und dreckig ohne
hochgestellten Kragen. AC/DC kann sicherlich nix für derartige Fanscharen und
die gewaltige Akzeptanz in sämtlichen Bevölkerungsschichten. Aber da wo sie
herkommen, gibt es sicherlich immer noch einige Personen, die das Ganze mit
Argwohnen betrachten. Selbstverständlich ist es für eine Band mehr als
wünschenswert, dass sie von ihrer Kunst leben kann, aber spätestens dann, wenn sich
der geneigte Fan aus frühen Tagen (der ich nicht bin, da erst 1985 geboren)
zwischen dem Betriebsrat von VW, der eine Eventreise gebucht hat, wieder
findet, kann man ihm ein leises Murren und Knurren nicht verübeln.
Im Prinzip aber gar nicht alles vollkommen schlecht, denn
das beweist ja, dass Musik verbindet, aber wenn der Preis dafür bei 229 € liegt
und ich beginne die leibhaftigen AC/DC für einen Abend als so wertvoll zu
empfinden, dann verbindet es doch am Ende nur noch die, die besonders viel auf
dem Konto haben oder eben ihr Hab und Gut vertickt haben, um dabei sein zu
können. Also vielleicht doch andersherum, denn was verbinden kann, schließt
zumindest konzerttechnisch einige aus – und zwar die, die’s sich nicht leisten
können oder nicht leisten wollen. Ich zum Beispiel.
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