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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 63

Ich bin gelandet...

… und zwar auf dem Mond. Dort ebenfalls anwesend sind AC/DC bzw. die Handlanger der australischen Rock n’ Roll-Institution. Diese bitten mich um die Zahlung von EUR 229,00, damit ich ein bisschen beim Rocken zusehen darf. Stattfinden soll das Ganze in Bremen, Deutschland, Erde. Eine „Eventreise“ ist auch buchbar, dann verlangt man auch noch ein wenig mehr von mir.

AC/DC spielen also ein Konzert vor nicht ganz wenig Leuten im Bremer AWD-Dom. Ist dieser bis unter’s Dach voll, dann befindet man sich in einer Menge von gut 14.000 Personen. Angenommen zumindest 13.000 davon zahlen brav ihren Eintritt, dann hantiert man mit einer Summe von 2.977.000 €. Ein ganzer Batzen. Nicht ganz wenig davon dürfte für Organisation, Personal und Halligalli-was-weiß-ich drauf gehen. Ebenfalls nicht ganz wenig sehen aber sicher Angus Young und Co. KG davon. Ich dagegen sehe auf meinem Stehplatz unter Umständen  relativ wenig (wobei ich dem AWD-Dom mal unterstellen möchte, dass er dafür Sorge getragen hat, dass der größte Teil der Anwesenden gute Sicht hat). Was ich aber ganz sicher sehe, ist ein ziemlich leeres Konto und das einfach nur, weil ich auf einem Konzert war. Aber ein Konzert ist das ja nicht mehr, das ist ja ein „Event“.

Eigentlich finde ich AC/DC cool und dass die Band groß ist, weiß ich auch. Dass da auch ein wenig mehr gezahlt werden muss ist logisch, aber 229 € für einen Abend? Da fehlen mir die Worte. Klar ist: Alles wird teurer, auch Konzerte und früher war alles besser. Außerdem ist klar, dass klar sein muss, dass Konzerte wichtig sind, weil kein Schwein mehr eine CD kauft. Die wird halt aufgenommen um einen Grund zum Touren zu haben. Nun aber zu den Unklarheiten: Was um alles in der Welt – vom Status teilweise abgesehen – verschlingt an AC/DC derartige Summen? Die Schuluniform wohl kaum. Und warum reizt mich fast jede AC/DC-Coverband, die in einer dunklen Spelunke um die Ecke zumindest halbwegs gut spielt fast mehr als das Original? Warum fahre ich lieber einen alten Polo als einen Mercedes? Vermutlich weil ich mich Teilen des Marktmechanismus verweigere.

Wie eingangs erwähnt ist der Preis natürlich nicht vollkommen unbegründet (Pyros, Krach-Bum etc.), aber selbstverständlich rührt er auch daher, dass 100.000 Menschen AC/DC sehen wollen. Eine gewisse Schar an Fans sind bei dem Preis schon mal raus und die, die kommen haben’s halt. Aber möchte ich mit dem Betriebswirt von nebenan, der „Thunderstruck“ auf der Scheunenfete mitgrölt und darüber hinaus nur noch „Highway to Hell“ kennt und entweder glaubt Bon Scott stehe auf der Bühne oder ihn einfach nicht kennt ein AC/DC-Konzert zelebrieren? Wohl kaum. Nennt mich intolerant und ich werde dem entgegensetzen, dass ihr’s nicht verstanden habt. Klingt gemein, ist aber so. Denn das, was die Australier auf der Bühne ausleben – nämlich den Rock n’ Roll – wird unter Umständen so nicht im Publikum getan. Ich wohne selten den ganz großen Veranstaltungen bei, Fakt ist aber, dass sobald etwas zum „Mainstream“ „verkommt“, die Atmosphäre schwinden kann. Gerade dies gilt meiner Meinung nach für den Rock n’ Roll-Zirkus. Der gehört nämlich heiß und dreckig ohne hochgestellten Kragen. AC/DC kann sicherlich nix für derartige Fanscharen und die gewaltige Akzeptanz in sämtlichen Bevölkerungsschichten. Aber da wo sie herkommen, gibt es sicherlich immer noch einige Personen, die das Ganze mit Argwohnen betrachten. Selbstverständlich ist es für eine Band mehr als wünschenswert, dass sie von ihrer Kunst leben kann, aber spätestens dann, wenn sich der geneigte Fan aus frühen Tagen (der ich nicht bin, da erst 1985 geboren) zwischen dem Betriebsrat von VW, der eine Eventreise gebucht hat, wieder findet, kann man ihm ein leises Murren und Knurren nicht verübeln.

Im Prinzip aber gar nicht alles vollkommen schlecht, denn das beweist ja, dass Musik verbindet, aber wenn der Preis dafür bei 229 € liegt und ich beginne die leibhaftigen AC/DC für einen Abend als so wertvoll zu empfinden, dann verbindet es doch am Ende nur noch die, die besonders viel auf dem Konto haben oder eben ihr Hab und Gut vertickt haben, um dabei sein zu können. Also vielleicht doch andersherum, denn was verbinden kann, schließt zumindest konzerttechnisch einige aus – und zwar die, die’s sich nicht leisten können oder nicht leisten wollen. Ich zum Beispiel.

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