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Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 66

Disco strikes back!

Ich hab ja keine Ahnung von House/Dance/Trance/Techno und all dem anderen, bös elektrischem Zeug. Darum kann ich wohl nur froh sein, dass Anhänger solcher Klänge wohl nicht unbedingt in Massen diese Zeilen lesen werden. Trotz allem möchte ich es wagen mich – trotz keinerlei Hintergrundwissen über die Szene/n – ein wenig über das Ganze auszulassen.

Konkret geht es mir um The Disco Boys. Zwei Herren, die alte Schätze hervorkramen und diese wieder in die Disco bringen. Eigentlich gar nicht so schlecht, denn dadurch bekommen einige Menschen, deren Zufuhr an guten Klängen auf ein Minimum reduziert war, nun zumindest ein paar gute Songs untergemogelt, wenn auch nur fragmentarisch. Das Unschöne ist Folgendes: Die Disco-Jungens bringen sich selbst ein und verwursten die Klassiker und mischen sie mit dem eigenen Gerummse. Das klingt nicht gut, gefällt aber einigen. Vielleicht denen, die das Originalstück nicht kannten und denken die ganze Chose wäre neu. Es würde mich nämlich nicht wundern, wenn Hörer prinzipiell mehr von der Fremdzutat als dem eigenen Senf angesprungen werden. Allerbestes Beispiel: „I surrender“. Im Original ein alter Rainbow-Gassenhauer. Im Remix der Disco Boys jetzt ein Klumphaufen mit dumpfen Beats (klingt auch leise so als würde der Song in einer Disco viel zu laut laufen) und kleinen Lichtblicken in Form der Originalaufnahme. Kann man ja machen so was, in gewisser Hinsicht ja auch kreativ und fast ein kleines bisschen schön zu sehen, dass es Leute gibt, die den alten Kram schätzen. Wenn sie ihn doch bloß nicht verschandeln würden. Aber genug der lobenden Worte (das war nämlich schon viel zu nett)! Es ist nämlich absolut nichts Gutes an der „I surrender“-Disco-Boys-Version. Ich mag das nicht nur nicht hören, ich kann's auch nicht ertragen mir den zugehörigen Video-Clip anzusehen. Da steht irgendeine Band (ich habe mal nicht recherchiert, was es damit genau auf sich hat, dazu interessiert es mich zu wenig) und spielt echte Instrumente. Dabei ist es erstens immer komisch so was zu sehen, wenn man genau solche Instrumente nicht im Song hört und zweitens in diesem Fall noch äußerst lächerlich, da es ja ganz offensichtlich nicht Rainbow sind, die da ihre Playback-Show abziehen. Irgendwer bewegt also die Lippen zu irgendwas. Und ein anderer die Drumsticks. Die Geräusche, die durch die Instrumente zu hören sein müssten, verpuffen vermutlich irgendwo in der Atmosphäre. Schade drum. Der zu hörende Gesang kommt nicht aus dem Mund des „Sängers“. Das ist vielleicht gut.

Neben Rainbow musste auch schon Manfred Mann's Earth Band dran glauben. Der Klassiker „For you“ kam auf die Schlachtbank der Disco Boys und plötzlich scheint der Song cool zu sein. Ein Husarenstück, ne alte Klamotte zurück auf der Tanzfläche. Aber der Preis ist hoch, denn es besteht Verwechslungsgefahr. Wie oben schon beschrieben könnten Konsumenten der Disco Boy'schen Verwurstungen dem Irrglauben erliegen es handle sich bei den gut klingenden Fragmenten um eigene Ergüsse. Dies allein betrachtet ist nicht so tragisch, kann jedoch dazu führen, dass der Hörer nicht auf den Trichter kommt sich mal das Original anzuhören. Täte er das, würde er die Boys sicher gleich links liegen lassen. Und das stimmt vermutlich nicht, weil das meine persönliche Reaktion wäre. Aber es gibt ganz offensichtlich Menschen, die die durch die Disco Boys eingeschobenen Störgeräusche gar nicht stört. Sie empfinden die vielmehr als angenehm. Möglicherweise verstehe ich das irgendwann, so lange höre ich aber die Originale.

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