|
Metall macht Musik. Von Tim Eckhorst. Teil 77 |
Blaze Bayley – The King of Metal In den letzten Jahren nehme ich – wie mir gerade auffällt – ziemlich häufig das Erscheinen eines neuen Blaze Bayley-Albums als Anlass endlich mal wieder eine Kolumne zu schreiben. Anders ist es auch diesmal nicht.
Gerade gestern bin ich auf dem Blaze Bayley-Konzert in Hamburg gewesen. Die neue Backingband, die auch das neue Studioalbum eingespielt hat, ist äußert fähig und bringt auch die älteren Stücke so großartig rüber, dass man sich an »Tenth Dimension«-Zeiten erinnert fühlt. Aber kommen wir zum Album zurück. Dieses hört auf den Namen »The King of Metal«. Das mutet zunächst etwas eigentümlich an, wenn man bedenkt, dass Blaze Bayley nie wirklich in die Kategorie True Metal gehörte und auch keinerlei Ähnlichkeiten zu Manowar aufweist. Den Titel hat der Sänger beim Konzert aufgelöst: Nicht er sei der »King of Metal«, sondern die Fans, jeder Einzelne, sei es. Dennoch erscheint mir der Albumtitel äußerst albern. Live erklärt sich aber zumindest der gleichnamige Titeltrack des Albums. Wild gestikulierend zeigt Blaze bei der sich zwei Mal wiederholenden Refrain-Zeile »You are the King« auf einzelne Personen im Publikum. Das Stück an sich klingt übrigens sehr gut. Im Gegensatz zum Rest des Albums erinnert es stark an die Vorgängeralben »The Man who would not die« und »Promise & Terror«, wo seine Vorgängermannschaft ähnlich »geholzt« hat. Das Gedresche (nicht im negativen Sinne) findet jedoch schon mit dem zweiten Song ein Ende. »Dimebag« ist eine Ode an den ehemaligen Pantera-Gitarristen Dimebag Darrell, der 2004 bei einem Konzert seiner Band Damageplan von einem geistig gestörten »Fan« erschossen wurde. Das Stück fängt besinnlich und ruhig an, wartet dann jedoch mit schnellen, melodischen Passagen auf und besticht vor allem durch seinen großartigen Refrain, der sich sofort im Kopf festsetzt. Schnell merkt man, dass auf »The King of Metal« wieder mehr melodische Gitarrenlinien zum Einsatz kommen als auf den Outputs der letzten Jahre. Neben Dimebag wird auch Ronnie James Dio gewürdigt, der 2010 verstarb. »The Rainbow fades to black« bietet abermals eine tolle Melodie, die einfach Spaß macht. Eine schöne Verneigung vor dem ehemaligen Rainbow-Sänger.
Im weiteren Verlauf des Albums, stößt man auf weitere dynamische Songs, die in ähnlicher Form auch auf »Silicon Messiah« oder »Tenth Dimension« hätten sein können. Allen voran stellt »Fate« in der Mitte des Albums einen solchen Song dar. Experimente kommen jedoch auch nicht zu kurz. Bei »One more step« wird Blaze' Stimme ausschließlich vom Klavierspiel begleitet, während es bei »Beginning«, dem letzten Song, nur eine Akustikgitarre ist. In beiden Fällen ist das Experiment geglückt.
»The King of Metal« ist – abgesehen von dem Titel – ein durchweg tolles Album! Blaze-Fans werden sicherlich nicht enttäuscht werden. Sehr angenehm zu sehen ist übrigens auch, dass Käufer nicht mit einer möglichst günstigen Produktion abgespeist werden. Das Booklet umfasst sage und schreibe 28 Seiten (!) und zu jedem Song gibt es eine Illustration. Diese sind zeitweise gewöhnungsbedürftig, in einigen Fällen aber auch richtig schön! Unbedingt reinhören und kaufen!
|