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Multiple Identitäten. Von Samar Ertsey. Teil 1

 

Was bin ich?

Fragt Euch einmal selbst, was Ihr seid. Für Eure Eltern seid Ihr ihre Kinder. Für Eure Freunde seid Ihr Freunde. In der Schule seid Ihr Schüler. In der Straßenbahn Fahrgäste. Im Kino Zuschauer. Und noch vieles mehr. Tatsache ist, daß jeder von uns viele Dinge auf einmal ist, je nachdem, wo er sich gerade befindet und mit wem er zusammen ist. In jeder Situation wird von uns erwartet, daß wir uns in bestimmter Weise verhalten. Als Fahrgast sollen wir still sein, und gehorsam unsere Fahrkarte abstempeln. Als Freund sollen wir zu Späßen aufgelegt, hilfsbereit und spontan sein, und immer einen guten Rat parat haben. Es wäre wenig sinnvoll, die beiden Rollen zu vertauschen. Was für einen Sinn hat es, als Freund still zu sein und Fahrkarten zu stempeln? Die Rollen müssen wir ständig möglichst gut getrennt halten, denn sonst würden wir andere Leute total vor den Kopf stoßen, weil wir uns völlig unberechenbar und unpassend verhalten. Es ist also nötig, daß wir eine große Menge von Rollen lernen und sie niemals verwechseln. Wenn Ihr einmal darüber nachdenkt, ist das eine Aufgabe, die sogar von den größten Schauspielern, die es je gab, auf die Dauer zu viel verlangt. Es ist ja fast so, als stünden wir immer, wenn wir nicht allein sind, auf einer Art Bühne, ohne Pausen und ohne Feierabend.

 
 
 
 
 
 
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