Der Sinn von Persönlichkeiten
Das mag ein wenig verrückt klingen, aber es gehört einfach zu unserem
Leben. Wenn wir uns unser Leben als eine Aneinanderreihung von
Problemen vorstellen - und wenn sie noch so klein sind, wie etwa die
Überquerung einer stark befahrenen Straße - dann ist es klar, daß wir
nicht alle diese Probleme auf dieselbe Weise lösen können. Man kann die
Straße nicht mit dem Dosenöffner überqueren, aber man kann das
Mittagessen mit einem Dosenöffner erreichen. Und nicht immer kommt man
eben mit Höflichkeit weiter. Das Leben ist kompliziert. Für einen
Menschen allein, vor allem für ein Kind, eigentlich zu kompliziert. Wie
soll ein freundliches Kind mit dem brutalen Schläger von nebenan fertig
werden? Gar nicht, wahrscheinlich. Aber wenn das Kind in die Rolle
seines Lieblings-Superhelden schlüpft und dem Blödmann mutig
entgegentritt und ihm furchtlos erklärt, daß es keine Angst hat und
nicht nachgeben wird, dann sieht die Sache anders aus. Aber nur, wenn
das Kind an seine Rolle wirklich glaubt. Es muß wirklich wie der Held
werden, nicht nur spielen oder so tun als ob, um wirklich etwas zu
erreichen. Dafür sind die Rollen, die Persönlichkeiten, überhaupt da.
Sie erleichtern es uns, die Probleme des Alltags zu lösen. Wenn wir
nicht weiterkommen, dann wählen wir uns automatisch und instinktiv eine
passende Rolle aus, mit deren Hilfe wir die Schwierigkeiten meistern
können. Das ist das Prinzip der Aufgabenteilung. Wenn wir das Leben
alleine nicht meistern können, dann erschaffen wir uns
Persönlichkeiten, die sich auf einzelne Probleme spezialisieren, uns
entlasten. So müssen wir uns nicht alle die Rollen, die wir annehmen
müssen, einzeln merken. Unsere diversen Persönlichkeiten machen das für
uns. Und weil sie nichts weiter als Werkzeuge sind, die unseren Geist
(auch "Psyche" genannt) unterstützen sollen, bemerken wir gar nicht
wirklich, daß wir uns nach außen hin so ganz anders verhalten.
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