Der französische Maler Paul Cézanne (1839 Aix-en-Provence -
1906 Aix-en-Provence) ist nicht nur einer der bekanntesten Impressionisten,
sondern gilt neben Vincent van Gogh als Wegbereiter der modernen
Malerei. Er studierte zunächst Jura in Aix, wechselte 1861 jedoch
zu Malerei nach Paris über, wo er sich in der Schweizer Kunstakademie
den Impressionisten anschloss. Diese Künstler waren die ersten
Maler, die ihre Staffeleien hinaus ins Freie trugen und die
Natur direkt vor Ort auf die Leinwände bannten. Dabei setzten
sie lockere Pinselstriche oder gar nur Punkte reiner Farbe (bis
dahin waren Farben vor dem Auftrag auf der Palette gemischt
worden) zu leuchtenden und strahlenden Bildern zusammen, die
bei den Zeitgenossen durchaus nicht immer auf Verständnis stießen.
Der Begriff Impressionismus leitet sich von Claude Monets Bild
"Impression. Sonnenaufgang" her, das 1874 ausgestellt wurde.
Die Schau wurde von einem Kritiker als "Ausstellung der Impressionisten"
betitelt, was sich als Ausdruck schnell einbürgerte. Das Bild
selbst bewertete er ironisch folgendermaßen: "Welche Freiheit!
Welche Leichtigkeit des Handwerks! Eine Tapete im Urzustand
ist vollendeter als dieses Seestück!". Reine Impressionen wiederzugeben,
also Sinneseindrücke, wie Licht und Schatten, Farbwirkungen
oder reine Landschaften ohne eine Bildaussage zu bezwecken,
war absolut neu für die damalige Gesellschaft. Wo blieb die
Glorifizierung der Vergangenheit, wo die Hervorhebung ruhmreicher
Taten? Wo blieb die Realitätsreue bei der Wiedergabe?! Das war
keine Malerei, das war ungeheuerlich...
1867-68 hielt Cézanne sich im Künstlerkreis des Café Guerbois
auf, dem auch Édouard Manet und Auguste Renoir angehörten. Manet
malte 1863 das skandalöse Bild "Frühstück im Freien", auf dem
sich eine nackte "normale" Dame (nackt durften bis dahin nur
mythische, allegorische oder historische Gestalten sein) und
eine halbangezogene Dame neben zwei bekleideten Herren auf einer
Picknickdecke räkelte, während Renoir in duftigen Gemälden eher
unspektakuläre Szenen gesellschaftlichen Lebens festhielt. Cézanne
nahm jedoch nicht allzu viel Einflüsse dieser beiden Künstler
mit. Er löste sich bald weitgehend vom reinen Impressionismus
und entwickelte einen eigenen Stil, der ihn das Dargestellte
in Farbflächen festhalten ließ. Bekannt sind v.a. seine Landschaftsdarstellungen,
Portraits oder auch seine Stilleben. Er malte bevorzugt in Öl,
fertigte aber auch zahlreiche Aquarelle an, die seinen locker
gesetzten Pinselstrichen entgegenkamen.
Cézannes Bild "Auvers-sur-Oise" (Öl auf Leinwand, datiert zwischen
1879 und 1882) hat einen geschätzten Wert von drei Millionen
britischen Pfund. Hier gab Cézanne, das Dorf wieder, in welchem
er von 1872 und 1874 lebte und arbeitete. Es zeigt bereits den
Übergang vom Impressionismus mit seinen Farbpunkten zu einem
abstrakteren Stil mit Farbflächen, die einzelne, eher undeutliche
Formen bilden. Man muss nämlich schon genau hinschauen, um die
Häuser oder einzelne Bäume zu erkennen. Dieser Malstil bereitete
den Boden für die Stilrichtungen Fauvismus und Kubismus, die
wiederum als Wegbereiter für die abstrakte, also gegenstandslose
Malerei des 20. Jahrhunderts dienen sollten...
Aber genug der verwirrenden Ausdrücke und langweiligen Definitionen,
kommen wir zu harten Fakten. Während auf der britischen Insel
Silvesterfeiernde das Jahr 2000 begrüßten, stiegen Diebe in
das Ashmolean Museum, das einen Teil der Oxford University bildet,
ein und stahlen dessen damals einzigen Cézanne, eben das obengenannte
"Auvers-sur-Oise", aus der Sammlung. Sie benutzten dabei ein
Arbeitsgerüst, das für die Errichtung eines neuen Bibliotheksanbaus
des Museums aufgestellt war, als Einstiegshilfe. Von dort überkletterten
sie einige Dächer der Universitätsgebäude. Beim Museum angelangt,
durchbrachen sie das Glasdach, um sich anschließend mit Strickleitern
in die Räume herunter zu lassen. Das zielstrebige Vorgehen der
Diebe lässt auf einen Auftragsdiebstahl schließen. Vorhergehende
Einbrüche in den Jahren 1992, 1996 und 1997, in denen u.a. ein
über eintausend Jahre alter Schmuck Alfred des Großen entwendet
wurde, scheinen mit diesem nicht in Verbindung zu stehen.
Weitere Infos:
Das Ashmolean Museum, gegründet 1683, ist das älteste öffentliche
Museum Großbritanniens, wenn nicht gar weltweit. Es ist über
www.ashmol.ox.ac.uk
zu besuchen.
Unter
www.dhm.de
und unter
www.seilnacht.tuttlingen.com
gibt es Infos, Bilder und weiterführende Links zu Cézanne.