Boote als Ausstellungsstücke gibt es in zahlreichen Museen. Auch Segler
oder Dampfer, die festverankert in diversen Gewässern liegen, bieten
sich schon mal als Ausstellungsfläche an, sei es zur Information über
ihre eigene Geschichte, über die des Fischfangs oder als Hort für
Exponate zur Entwicklung des Badewesens. Nur selten kommt einem jedoch in
den Sinn, dass sie schwimmende Tresore sein könnten. Wie der Fall der
"Coral Island" zeigt, sollte man Schiffe als Privatmuseen jedoch
keineswegs unterschätzen.
Im Jahre 1999 trug es sich zu, dass der reiche saudiarabische Geschäftsmann
und Besitzer obengenannter Yacht sein Schmuckstück für eine überholung
und Neuausstattung wert befand. In Barcelona war dies geplant, zuvor sollten
jedoch alle an Bord befindlichen Kunstschätze nach England gebracht
werden, damit ihnen an Bord nichts schlimmes wiederfahren könne. Der
Hafen des französischen Antibes wurde Pablo Picassos Bild "Bust
de Femme" (Ein Brustbild seiner Geliebten Dora Maar, 82,5 x 72,5 cm
groß, Öl auf Leinwand, 1938 gemalt) zum Verhängnis.
Sang und klanglos verschwand es am 11. März 1999 von der Yacht, obwohl
nur vier Personen wussten, wo sich das Bild befand, nämlich in einem
abgeschlossenen Raum an Bord, für den es wiederum nur zwei Schlüssel
gab. Verdächtigt wurden Kapitän und Crew der luxuriösen Yacht,
jedoch ohne dass die Polizei Beweise für ihre Täterschaft finden
konnte. Neben der "Bust de Femme" hortete der Saudi andere hochkarätige
Kunstschätze an Bord, so z. B. weitere Picassos und Bilder von Henri
Matisse. Es sind 580.000 US-Dollar Belohnung für die Wiederbeschaffung
des Bildes, das einen geschätzten Wert von rund 7 Millionen Dollar
besitzt, ausgeschrieben.
Selbst eine kurze Zusammenfassung von Picassos Kunstschaffen würde
an dieser Stelle den Rahmen sprengen und kann in jedem guten Lexikon nachgelesen
werden. Daher lieber ein paar Fakten zu Dora Maar, die auf dem gestohlenen
Bild festgehalten wurde. Dora Maar, alias Henriette Theodora Markovitch,
geboren 1907 in Russland, lernte Picasso 1936 in einem Pariser Cafe kennen
und wurde bis 1943 seine zweite Geliebte (Picasso hatte sich im Jahr zuvor
von seiner Frau Olga Khoklova scheiden lassen, ließ sich aber bereits
seit 1931 von der jungen Geliebten Marie-Therese Walter inspirieren und
verwöhnen). Die Trennung von Picasso, mit dem Dora Maar sich häufig
stritt, stürzte sie in tiefe Depressionen, die sie in eine selbstgewählte
Einsamkeit trieben.
Als sie am 16. Juli 1997 starb, hinterließ sie eine Picasso-Sammlung
mit über 140 Objekten, die der Öffentlichkeit mehr als 50 Jahre
verschlossen geblieben war. Eine sehr persönliche Sammlung, mit zahlreichen
Erinnerungsstücken und Portraits von ihr. 32 Bilder und Zeichnungen
sowie Briefe und Fotos wurden im Oktober 1998 in Paris für 27 Millionen
US-Dollar versteigert. Sechs Bilder fanden ihren Weg übrigens in die
Berliner Berggruen Sammlung. Den Erlös erhielten zwei entfernte Cousinen
von Dora Maar, die sie nicht einmal gekannt hatten und die sich ziemlich
überrascht über ihre unerwartete Erbschaft zeigten.
Da Picasso viel gemalt hat und daher auch viel von ihm gestohlen wird, hier
ein Lichtblick: Im Juli diesen Jahres tauchte sein Ölgemälde "Ace
of Clubs" (1914), dass 1993 in der Genfer Krugier Galerie gestohlen
worden war, wieder auf. Das auf 450.000 Dollar geschätzte Bild wurde
beim einem 45-jährigen Mann in der französischen Stadt Ecully
gefunden. Vielleicht findet sich die "Bust de Femme" in zehn Jahren
ja auch wieder ein.
Weitere Infos:
Unter
www.tamu.edu
liegt das "Online Picasso Projekt", welches eigentlich keine Fragen
zu seinem Leben und seinen Bildern offen lässt. Da die Yacht wohl kaum
besichtigt werden kann, hier die Seite des Picasso Museums in Paris
www.paris.org.