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Alina Fox: Gestohlene Meisterwerke. Von Ariana Rüssler. Teil 5

"Der Schrei" ist kurzzeitig verstummt

von Ariana Rüsseler


"Der Schrei" ist allgegenwärtig im Shop des Munch-Museums in Oslo. Auf Kaffeetassen, T-Shirts, Regenschirmen, Sonnenschirmen, sei es als Schlüsselanhänger oder aufblasbare Puppe in Lebensgröße - hier findet garantiert jeder etwas. Nur im Museum sucht man das entsprechende Gemälde zur Zeit vergebens.

Am 22. August 2004 war es von drei bewaffneten und maskierten Täter am helllichten Tag vor den Augen fassungsloser Museumsbesucher zusammen mit Munchs Gemälde "Madonna" von der Wand gerissen und ungehindert aus dem Gebäude getragen worden.

Die Täter hatten zuvor die Wächter mit vorgehaltener Waffe gezwungen, sich hinzulegen, was Panik auslöste, da die Möglichkeit eines Terroranschlages im Raum schwebte. Zum Glück wurde niemand verletzt und keine Herzinfarkte bewirkt. Die Bilder hingen lediglich an Drähten und lösten bei ihrer unfreiwilligen Abhängung keinerlei Alarm aus.

"Der Schrei" (Munch-Museum Oslo, um 1893) des norwegischen Expressionisten Edvard Munch (1863-1944) ist sicherlich sein bekanntestes und eines der ausdrucksstärksten Gemälde der klassischen Moderne. Es wird im Schulunterricht gerne zu Interpretationszwecken herangezogen und hat vermutlich die eine oder andere schlaflose Nacht verursacht. Das Gefühl von Verzweifelung wird sehr anschaulich und direkt transportiert, eine Eigenschaft, die den Expressionismus generell kennzeichnet. (Böse Zungen behaupten, Munch habe das Schicksal seiner Werkes vorhergeahnt und das Schreien bezöge sich nicht nur auf die Diebstähle des Bildes (erstmals 1994), sondern auch auf die extreme Kommerzialisierung, die mit seiner Popularität einhergeht ...)

Nachdem im Juni die Osloer Stadtverwaltung eine Belohnung von zwei Millionen Kronen (ca. 250.000 Euro) für Hilfe bei der Suche nach den Gemälden angekündigt hatte, konnte ein weiterer Tatverdächtiger festgenommen werden. Bereits im April diesen Jahres war ein erster möglicher Täter verhaftet worden. Trotzdem blieben die Bilder im Wert von rund hundert Millionen Dollar (etwa 80 Millionen Euro) bislang unauffindbar. Aufgrund ihrer großen Bekanntheit und ihres enormen Wertes gelten sie allerdings auch als unverkäuflich. Entweder fristen sie ihr weiteres Dasein in einen Privatsafe oder sind - unbestätigten Gerüchten zufolge - zur Vertuschung von Spuren bereits verbrannt worden.

Aber nicht verzagen! Munch hat vom "Schrei" mehrere Versionen erstellt. Man könnte also einfach eine neue aufhängen ...

P.S.: Die Osloer Stadtverwaltung kündigte außerdem an, dass sie bei einem dauerhaften Verschwinden oder bei schweren Beschädigungen der Bilder Schadensersatzforderungen über 700 Millionen Kronen nach der Verurteilung von Tätern geltend zu machen gedenkt. Aber wem gegenüber bloß? Die Täter werden wohl kaum zahlen...

Tipp:

Das Munch Museum im Internet: http://www.munch.museum.no

Teil 1: Ältestes Museum Englands verliert seinen einzigen Cézanne

Teil 2: Polizisten rauben Museum aus

Teil 3: Picasso verließ unbemerkt das Schiff

Teil 4: Mitgenommene Romantiker

Teil 6: Tizian wartet an der Bushaltestelle

 

 
 
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